Floridsdorfs Mann im Krisenmanagement

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Floridsdorfs Mann im Krisenmanagement: Erol Holawatsch. Bild: ÖGK.
Floridsdorfs Mann im Krisenmanagement: Erol Holawatsch. Bild: ÖGK.

Leser der Floridsdorfer Zeitung kennen Erol Holawatsch: Als Klubobmann der ÖVP im 21. Bezirk. Im Zivilberuf ist er ausgewiesener Experte des heimischen Gesundheitssystems. Seit August leitet der 43-Jährige in der neuen Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) österreichweit deren medizinische Einrichtungen.

Die letzten Wochen war Holawatsch ‘Floridsdorfs Mann im Krisenmanagement’. Die ÖGK ist das neue Dach aller ehemaligen Gebietskrankenkassen und somit für 7,2 Millionen ASVG-Versicherte zuständig. Als ‘Fachbereichsleiter der eigenen Einrichtungen’ ist Holawatsch für 5200 Mitarbeiter in 104 Einrichtungen an 70 Standorten verantwortlich, „vom Wiener Hanusch-Krankenhaus bis zur kleinsten Physikalischen Ambulanz in Vorarlberg”.

Stein

Eigenlich stand die Neuausrichtung des Hanusch-Krankenhauses mit innovativen Therapieformen, etc. am Plan – dann kam die Corona-Krise: „Davor war ich fast täglich in Österreich unterwegs. Jetzt steht der permanente Informationsfluss zwischen Regierung, ÖGK und allen anderen wichtigen Playern mit Video-Konferenzen mit dem Gesundheitsminister, etc. im Mittelpunkt. Das geht täglich von 7 bis 22 Uhr, alles per Video-Chat.” Die Krise bringt aus seiner Sicht Chancen für Veränderungen, die durchaus Bestand haben können.

Holawatsch: „Im Hanusch Spital haben wir eine zentrale Aufnahmeeinheit eingerichtet, sie regelt den Eingang in das Krankenhaus zentral. Es gibt ein Screening mit Fieber messen, etc. Bei Corona-Verdachtsfällen wird sofort ein Prozess gestartet: Schutzmaske, Isolierung und Behandlung.” Der Vorteil: Das medizinische Personal wird von Patienten getrennt, beide werden geschützt: „Mein Ziel ist, die zentralen Aufnahmeeinheiten in Zukunft beizubehalten.” In den Gesundheitszentren in Wien, wurde ein Pilotprojekt gestartet, bei dem Ärzte mit bestehenden Patienten Befundbesprechungen über Video-Chat durchführen.

Ein Zukunftsmodell? „Ja. Wir müssen die Chance nutzen, zum Beispiel physikalische Therapien über Video-Chat zu organisieren, in Richtung Tele-Medizin zu gehen. Von 10 Therapien können fünf vor Ort stattfinden, fünf per Video-Chat. Und die Therapie muss nach den üblichen 10 Einheiten nicht beendet sein, es könnte durch Tele-Medizin eine längerfristige Betreuungsphase geben.” In anderen Ländern wie Deutschland sei das längst üblich.

Ein wichtiges Thema der letzten Wochen: e-Medikation. Bislang vernachlässigt, war diese österreichweit durch Corona in allen Einrichtungen der ÖGK in wenigen Tagen möglich. Nach einem Patienten-Arzt Telefongespräch oder Video-Chat wird das Rezept ausgestellt, geht elektronisch an Apotheken und kann sogar kontaktlos nach Hause geschickt werden. Holawatsch: „Diabetiker mussten früher immer zum Abholen ihrer Medikamente in ein Gesundheitszentrum: Das habe ich auf Postversand umgestellt und möchte es auch beibehalten.”

Der Dank von Holawatsch geht an die Mitarbeiter der ÖGK: „Jeder Mitarbeiter gibt das Letzte für die Patienten. Sie leisten wirklich Außergewöhnliches!” Für Mitarbeiter wie beispielsweise Ärzte oder Pflegepersonal wird auch psychologische Betreuung mit Einzelgesprächen angeboten. Natürlich über Video-Chat.

Sein Fazit: „Ich bin überzeugt, manche Dinge, die durch die Krise entstanden sind, werden nicht automatisch wieder zurückgedreht. Und in der Krise erkennt man den Mehrwehrt der österreichischen Sozialversicherung.” -H. Neumayer