Neue Pläne für den alten Frachtenbahnhof

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Frachtenbahnhof auf Google Maps. Bild links: 2021 Google/2021 CNES, Airbus, European Space Imaging, Maxar Technologies.
Frachtenbahnhof auf Google Maps. Bild links: 2021 Google/2021 CNES, Airbus, European Space Imaging, Maxar Technologies.
Stein

Es ist die größte brach liegende Fläche im Floridsdorfer Bezirkszentrum: der circa vier Hektar große Frachtenbahnhof. Viele (Wohnbau-)Ideen wurden kolportiert, jetzt kommt Bewegung in die Sache. Die ÖBB errichten Wartungshallen für neue Schnellbahngarnituren.

Dass sich etwas tut, hat auch mit vielen Tränen zu tun: Im hinteren Teil des Areals liegen versteckt ÖBB-Kleingärten. Die ersten Nutzer mussten vor wenigen Tagen ihre kleinen Paradiese endgültig räumen. Von der Kündigung der Kleingärten sind 30 Parzellen betroffen. Die Rückgabe der Kleingärten an die ÖBB erfolgt in zwei Phasen: Der erste Teil heuer und der Rest voraussichtlich Ende 2022. Die Kleingartenhäuser müssen nicht von den Kleingärtnern abgetragen werden.

Sonst war auf dem weitläufigen Areal, das von der Einfahrt in der Angerer Straße bis unter die ‘Katsushikastraßen-Brücke’ reicht, in den letzten Jahren wenig los. An der Einfahrt wird geparkt, das war es.

Die ÖBB bestätigen gegenüber der Floridsdorfer Zeitung erstmals die Pläne: Die ÖBB haben „ das Areal des Frachtenbahnhofs für eine Standortkonzentration mit Wartungs-, Produktions- und Abstellkapazitäten als ideal erkannt. Eine Nutzung für den Wohnbau ist demnach nicht vorgesehen.“

Frachtenbahnhof: 30 Kleingärtner müssen weg

Hintergrund: Da die ÖBB bis 2027 die Wiener Schnellbahn modernisieren und neue Nahverkehrs-Garnituren anschaffen, braucht es eine moderne, neue Wartungshalle und Abstellkapazitäten „an einem verkehrstechnisch günstig gelegenen Standort wie in Floridsdorf“. Durch die Konzentration an einem Standort können Leerfahrten vermieden, Strom gespart und die Umwelt geschont werden.

Die neue Werkstätte ist ideal mit dem Bahnnetz verknüpft und wird mit modernster Technik an die neuen Züge angepasst. Die Werkshalle soll durch Photovoltaikanlagen, Verwendung ökologischer Baustoffe und entsprechender Begrünung nachhaltig sein: „Eine steigende Zahl an Fahrgästen soll so langfristig mit einem attraktiven Angebot störungsfrei und pünktlich befördert werden.“ Der Bau der neuen Abstellanlagen wird voraussichtlich im Herbst 2022 starten, der der Hallen 2023.

Frachtenbahnhof: Bezirkspolitik gespalten

„Auch wenn es hier früher Wohnbaupläne gab: Das ÖBB-Projekt schafft am Standort Floridsdorf langfristig Arbeitsplätze und ist deshalb prinzipiell positiv“, erklärt Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ).

Auch wenn die neuen Hallen nötig sind, ist der Standort im Floridsdorfer Bezirkszentrum umstritten. Immer wieder betonen Politiker und Stadtplaner, dass für den aufgrund des Bevölkerungswachstums notwendigen Wohnbaus in Wien nicht auf die grüne Wiese gebaut werden soll. Sondern auf versiegelten Flächen mit möglichst gutem Öffi-Anbot. Es gibt keine größere Fläche in Floridsdorf, auf die das mehr zutreffen würde. Bis zum Bahnhof Floridsdorf sind es weniger als 300 Meter oder drei Minuten. Hier könnte sogar vergleichweise hoch gebaut werden und auch ein ökologisches Vorzeigeprojekt entstehen.

Blick auf das Frachtenbahnhof-Gelände. Bild: DFZ.
Blick auf das Frachtenbahnhof-Gelände. Bild: DFZ.

Bezirksrat Hans-Jörg Schimanek (WIFF) meint: „Das wäre ein ideales Wohngebiet, die Leute bräuchten nicht einmal ein Auto. Die Stadt Wien sollte mit den ÖBB einen Grundstückstausch andenken. Die Fehler der Stadtplanung der letzten Jahre dürfen nicht immer wieder wiederholt werden.“

ÖVP-Gemeinderat Erol Holawatsch findet: „Arbeitsplätze im Bezirk sind eine großartige Sache und zweifelsohne wichtig. Ein möglicher Zuwachs an Lkw-Verkehr im Floridsorfer Bezirkszentrum weniger. Sinnvoller als mitten im noch unverbauten
Donaufeld wäre Wohnbau ganz sicher am Gelände des Frachtenbahnhofs.“

Kritiker meinen, für ÖBB-Werkshallen gäbe es sogar in Floridsdorf mehr als genug geeignete Standorte. Und dass ÖBB-Grundstücke für Wohnbau genutzt werden, ist auch in Floridsdorf kein Einzelfall: Gerade wird das letzte Gebäude von Florasdorf an der Prager Straße fertig. Teil 2 wird in Kürze am Ende der Koloniestraße errichtet. -Hannes Neumayer