Dienstag, 6. Oktober, 2026
Start 10/2026 Frauenfußball, made in Floridsdorf

Frauenfußball, made in Floridsdorf

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Der USC Landhaus um 1971/72. Foto: Evi Leitner.
Der USC Landhaus um 1971/72. Foto: Evi Leitner.

Frauen haben, seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, vermutlich immer Fußball gespielt. Sei es in eigenen Frauenteams oder gemeinsam mit Männern: Wenn bei einem Vergnügungsmatch am Überschwemmungsgebiet ein paar Mitspieler fehlten, wurden kurzerhand die Gattinnen oder Freundinnen zum Mitmachen aufgefordert. Es ist also schlicht und einfach falsch, die Anfänge eines „Damenfußballs“ erst auf die 1960er Jahre zu datieren. Er wurde vorher halt einfach in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen und in den Medien kaum erwähnt. So hatte es etwa zwischen 1935 und 1938 für einige Jahre in Wien sogar eine eigene Frauenliga gegeben (damals die einzige in ganz Europa!) und 1957 hatte eine österreichische Auswahl an einer dubiosen „Damenfußball“-EM in Berlin teilgenommen. In den 1960er Jahren boomte der Frauenfußball in ganz Europa.

Auch in Österreich versuchten etliche informelle Teams und Hobbyspielerinnen, ihre sportlichen Aktivitäten zusammenzufassen und professioneller zu gestalten. Zum Zentrum dieser Entwicklungen wurde Floridsdorf. Zum einen war bereits 1964 aus einem Frauen-Handball-Team der Hobby-Fußballklub Schwarz-Weiß entstanden, der am Landhaus-Platz in Jedlersdorf beheimatet war. Unter der Leitung von Gerhard Traxler wurde versucht, sehr seriös zu arbeiten, zu trainieren und zu spielen. Mangels Gegnerinnen im eigenen Land musste man für Matches oft sogar ins Ausland fahren, nach Frankreich oder sogar in die Türkei, wo es bereits Frauenfußball gab. Das Team von Schwarz-Weiss-Wien wurde 1968 in den Verein Union Landhaus aufgenommen und ist so als erstes Frauenteam offiziell Mitglied im Fußball-Verband geworden. Im gleichen Jahr entstand auch beim Floridsdorfer AC eine Frauenfußball-Sektion.

Von Matthias Marschik

Zum anderen etablierte sich 1968 ein „Österreichischer Damenfußball-Verband“ (ÖDFV), der mit Otto Fodrek, dem ehemaligen Masseur der Männer-Nationalmannschaft, einen prominenten Trainer verpflichtete. Nur sechs der zehn existierenden Frauenfußball-Vereine Österreichs waren dem Verband beigetreten. Denn der ÖDFV hatte nicht primär sportliche Ziele. Es galt eher, die Sensation Frauenfußball zu vermarkten. Die Teams traten gegen Geld bei Kirtagen auf, die Matches erinnerten eher an einen Zirkus als an Sport. Dennoch schickte die ÖDTV eine Auswahl zur ersten Frauenfußball-WM in Italien. Ohne die Landhaus-Spielerinnen war man freilich chancenlos und verlor das erste Spiel gegen Mexico mit 0:9, während Landhaus selbst gegen prominent internationale Klubs meist gewann.

Die internen Querelen bestimmten jahrelang das Geschehen im Frauenfußball. Gemeinsam war beiden Gruppen jedoch, dass sie vom ÖFB nicht anerkannt wurden und nicht auf den Plätzen der ÖFB-Vereine spielen durften. Erst im April 1971 änderte der ÖFB seine Meinung und es kam zum ersten offiziell genehmigten Frauenspiel in Wien. In der Folge erlebte der Frauenfußball einen enormen Aufschwung. Im Herbst 1972 gab es erstmals lokale Meisterschaften, 1973 wurden bereits fast 200 Teams mit 5000 Spielerinnen gezählt.

Letztlich hatte sich die ernsthafte Sportauffassung, wie sie der USC Landhaus und der FAC von Beginn an verfolgt hatten, durchgesetzt. Die beiden Klubs waren lange Zeit die erfolgreichsten Frauenfußballklubs Österreichs, Landhaus ist sogar bis heute mit 12 Meistertiteln (und 11 Cupsiegen) der erfolgreichste Klub des Landes.

Klar ist aber auch: Mit ihrer Aufnahme in den ÖFB hatten die fußballspielenden Frauen zwar ihre Legalität erreicht, zugleich bedeutete die Eingliederung in den Männerbund ÖFB jedoch eine Unterwerfung unter männliche Strukturen und Kontrollinstanzen, die bis heute spürbar ist.

Univ.-Doz. Dr. Matthias MarscUniv.-Doz. Dr. Matthias Marschik ist Historiker und Kulturwissenschafter. Er lehrt an verschiedenen Universitäten und ist Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze zu kulturgeschichtlichen Themen. Zuletzt erschienen u.a. Bücher über den Bisamberg, die Wiener Hausberge und das bürgerliche Floridsdorf. Matthias Marschik ist in Floridsdorf geboren, er lebt und arbeitet auch heute noch im Bezirk. Er schreibt regelmäßig in der Floridsdorfer Zeitung. Foto: Privat.hik ist Historiker und Kulturwissenschafter. Er lehrt an verschiedenen Universitäten und ist Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze zu kulturgeschichtlichen Themen. Zuletzt erschienen u.a. Bücher über den Bisamberg, die Wiener Hausberge und das bürgerliche Floridsdorf. Matthias Marschik ist in Floridsdorf geboren, er lebt und arbeitet auch heute noch im Bezirk. Er wird ab sofort regelmäßig in der Floridsdorfer Zeitung schreiben. Foto: Privat.
Univ.-Doz. Dr. Matthias Marschik ist Historiker und Kulturwissenschafter. Er lehrt an verschiedenen Universitäten und ist Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze zu kulturgeschichtlichen Themen. Zuletzt erschienen u.a. Bücher über den Bisamberg, die Wiener Hausberge und das bürgerliche Floridsdorf. Matthias Marschik ist in Floridsdorf geboren, er lebt und arbeitet auch heute noch im Bezirk. Er schreibt regelmäßig in der Floridsdorfer Zeitung. Foto: Privat.