Sonntag, 12. April, 2026
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Fußball und Tanzmusik

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Tanzmusik im Mautner-Schlössl, Sommer 1945. Foto: Nachlass Franz Konecny.
Tanzmusik im Mautner-Schlössl, Sommer 1945. Foto: Nachlass Franz Konecny.

Im Frühsommer 1945, wenige Wochen nach Kriegsende, klopfte es laut an der Türe einer Wohnung auf der Stiege 26 des Gemeindebaus in der Gartenstadt. Als Franz Konecny öffnete, stand draußen ein sowjetischer Offizier: Man habe erfahren, dass Konecny Trompeter sei, ob er denn auch Tanzmusik spiele und ein Orchester zusammenstellen könne? Man wolle der von Hunger und Zerstörung geplagten Bevölkerung ein wenig musikalische Unterhaltung bieten. In den folgenden Wochen absolvierte Konecny – im weißen Frack – mit seiner Band einige Konzerte in der Mautner-Villa, die kurzfristig als Amtshaus diente.

Franz Konecny (1918 – 2004), Sohn eines Straßenbahnschaffners aus Jedlesee, hatte schon als Kind zwei große Lieben, Fußball und Musik. Er spielte ab 1932 im Nachwuchs von Admira und rückte schon 1936 in die Kampfmannschaft auf, ab 1936 besuchte er die Musikakademie.

Von Matthias Marschik

Als Fußballer wechselte er 1937 zur Wiener Austria, die ihm einen Profivertrag und 180 Schilling Fixum bot, kam aber wegen der starken Konkurrenz kaum zum Einsatz. Kurz nach dem „Anschluss“ meldete er sich freiwillig zum Militär: Er wollte als Heeresmusiker Geld verdienen und im Fall eines Krieges auf der „sicheren Seite“ sein. Er wurde dem Musikkorps der Hoch- und Deutschmeister zugeteilt, musste aber als Fußballer zur Wehrmachts-SV in die zweite Leistungsstufe wechseln.

Bis 1942 ging die Rechnung auf, doch dann kam die Einberufung an die Ostfront. Eine Verwundung hatte die Überstellung in ein Wiener Lazarett zur Folge. Ab 1943 erfolgte eine Vereinbarung zwischen Konecny, der sich eine erneute Verletzung zufügte oder zufügen ließ, der Sanitätsverwaltung, die das akzeptierte und deckte, und der Admira, für die Konecny jedes Wochenende spielte. Er bekam einen Stützapparat für sein angeblich verletztes Bein, lag die Woche über im Lazarett, spielte aber für Admira alle Matches der Saison 1943/44, schoss 56 Tore und sorgte so für die Rückkehr der Admira in die höchste Klasse. Gab es Anfragen, wurden sie mit einer Namensgleichheit mit einem (tatsächlich existenten) Friseur gleichen Namens abgewendet.

Konecny als Stürmer der Admira, 1944. Foto: Nachlass Franz Konecny.
Konecny als Stürmer der Admira, 1944. Foto: Nachlass Franz Konecny.

Im Sommer 1945 gründete Konecny, analog zum „Wiener Tanzorchester“ von Horst Winter, das „Kleine Wiener Tanzorchester“, spielte in seiner eigenen Tanzschule in der Prager Straße, aber auch bei Veranstaltungen in Floridsdorf sowie in mehreren Gastronomie- und Vergnügungsetablissements im Prater. Als Fußballer wechselte Konecny 1946 bis 1949 zur zweitklassigen Columbia, dann leitete er deren Training. Nach mehreren Zwischenstationen kehrte er von 1955 bis 1957 zur Columbia zurück und betreute sie 1955 auf zwei Tourneen nach England und in die Türkei. Dann beendete Franz Konecny seine Sportkarriere und konzentrierte sich auf seine Tanzschule und erfolgreiche Auftritte als Bandleader, von deren Erlös er sich ein Häuschen in der Schwarzlackenau kaufen konnte.

Das positive an dieser Biografie ist, dass man sie heute erzählen kann! Denn noch vor einigen Jahren wäre Franz Konecny als „Wehrkraftzersetzer“ bezeichnet worden, der im Krieg nicht „seine Pflicht erfüllt“ habe.

Univ.-Doz. Dr. Matthias MarscUniv.-Doz. Dr. Matthias Marschik ist Historiker und Kulturwissenschafter. Er lehrt an verschiedenen Universitäten und ist Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze zu kulturgeschichtlichen Themen. Zuletzt erschienen u.a. Bücher über den Bisamberg, die Wiener Hausberge und das bürgerliche Floridsdorf. Matthias Marschik ist in Floridsdorf geboren, er lebt und arbeitet auch heute noch im Bezirk. Er schreibt regelmäßig in der Floridsdorfer Zeitung. Foto: Privat.hik ist Historiker und Kulturwissenschafter. Er lehrt an verschiedenen Universitäten und ist Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze zu kulturgeschichtlichen Themen. Zuletzt erschienen u.a. Bücher über den Bisamberg, die Wiener Hausberge und das bürgerliche Floridsdorf. Matthias Marschik ist in Floridsdorf geboren, er lebt und arbeitet auch heute noch im Bezirk. Er wird ab sofort regelmäßig in der Floridsdorfer Zeitung schreiben. Foto: Privat.
Univ.-Doz. Dr. Matthias Marschik ist Historiker und Kulturwissenschafter. Er lehrt an verschiedenen Universitäten und ist Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze zu kulturgeschichtlichen Themen. Zuletzt erschienen u.a. Bücher über den Bisamberg, die Wiener Hausberge und das bürgerliche Floridsdorf. Matthias Marschik ist in Floridsdorf geboren, er lebt und arbeitet auch heute noch im Bezirk. Er schreibt regelmäßig in der Floridsdorfer Zeitung. Foto: Privat.