Freitag, 13. Februar, 2026
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Gartenpalais Liechtenstein: Sonderausstellun ,Noble Begierden. Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts‘

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Willem van Haecht (1593–1637), Die Kunstkammer des Cornelis van der Geest, 1628, Öl auf Holz, Antwerpen, Rubenshuis © City of Antwerp Collection, Rubenshuis Foto: CC BY-SA KIK-IRPA, Brussel.
Willem van Haecht (1593–1637), Die Kunstkammer des Cornelis van der Geest, 1628, Öl auf Holz, Antwerpen, Rubenshuis © City of Antwerp Collection, Rubenshuis Foto: CC BY-SA KIK-IRPA, Brussel.

Der Kunstmarkt mit seinen Akteuren, Institutionen und Mechanismen fasziniert seit jeher. „Noble Begierden. Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts“ (30. Jänner bis 6. April 2026) stellt im Gartenpalais Liechtenstein erstmals die zugrunde liegenden Dynamiken ins Zentrum einer bahnbrechenden Ausstellung. Prominente Leihgaben internationaler Sammlungen – darunter Gemälde von Tizian, Rembrandt, Monet und Klimt – machen gemeinsam mit Hauptwerken aus den Fürstlichen Sammlungen wie Arbeiten von Giambologna, Brueghel, Van Dyck und Canaletto diese anregende Schau zu einem historischen wie visuellen Erlebnis.

„Der Kunstmarkt ist für die Bekanntheit einzelner Künstler ebenso verantwortlich wie die Kunstgeschichtsschreibung selbst, denn der Wert von Kunstwerken ist für den Handel von zentraler Bedeutung, und die Nachfrage nach bestimmten Künstlern beeinflusst wiederum deren Bekanntheit maßgeblich. Das Wissen um diese Dynamik ist unerlässlich, um zu verstehen, wie Künstler Anerkennung finden und Karriere machen“, zeigt sich Stephan Koja, Direktor der Fürstlichen Sammlungen, überzeugt. „Wir rücken daher den Kunstmarkt, der oft als undurchsichtig wahrgenommen wird, bewusst ins Rampenlicht.“

Die Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein beleuchten in dieser Schau den europäischen Kunsthandel von der griechisch-römischen Antike über die italienischen Stadtstaaten der Renaissance und das Goldene Zeitalter der Niederlande bis hin zu sensationsheischenden Präsentationen und transatlantischen Verkäufen im 19. Jahrhundert.

Dabei wird deutlich, dass viele Phänomene des heutigen Kunstmarkts im Grunde jahrtausendealt sind. Da richtungsweisende Entwicklungen oft von Städten und Regionen ausgingen, widmet die Sonderausstellung diesen Innovationszentren eigene Räume, in denen die Fortschritte und neuartigen Praktiken veranschaulicht werden. Auf diese Weise wird nachvollziehbar, wie der Handel nicht nur die Verbreitung von Werken, sondern auch

die Entwicklung der Künste und die Kunstgeschichtsschreibung geprägt hat. Die in Europa frühsten bekannten Kunstsammlungen sowie ein reger Handel mit Kunst sind bereits aus dem hellenistischen Griechenland bekannt. In römischer Zeit waren wohlhabende Bürger Roms besonders daran interessiert, Werke der griechischen Kunst zu erwerben.

Während der Renaissance wurde die Kunstproduktion in Florenz durch öffentliche Aufträge und einflussreiche Mäzene vorangetrieben. Ferdinando de‘ Medici ließ sich von Giambologna in einem Reiterstandbild verewigen und Neri di Bicci fertigte großformatige Altargemälde. Gleichzeitig schufen Künstler Terrakottareliefs und kleine Andachtsbilder für den privaten Gebrauch, die dank Serienproduktion und effizienter Werkstattorganisation deutlich günstiger waren.

Im Antwerpen des 16. Jahrhunderts entstand ein freier Markt, für den zahlreiche Werke geschaffen und einem breiteren Publikum in „Schilderspanden“ (Malerständen) angeboten wurden. Im Laufe des folgenden Jahrhunderts handelten Kaufmannsfamilien mit Kunstwerken erstmals auf globaler Ebene. In dieser Zeit spezialisierten sich Künstler auch auf bestimmte Genres, was zeit- und kosteneffizient war und der Mittelschicht den Erwerb von Kunst ermöglichte. Dennoch blieben Porträts von Rembrandt van Rijn und Anthonis van Dyck oder Blumenstillleben von Rachel Ruysch wohlhabenden Personen vorbehalten. „Die Kunstkammer des Cornelius von der Geest“ aus dem Rubenshuis zeigt den erfolgreichen Gewürzhändler inmitten seiner umfangreichen Kunstsammlung. Das „Goldene Zeitalter” in den Niederlanden führte zu einem beispiellosen Aufschwung der Kunstproduktion.

Die Professionalisierung von Händlern und des Auktionswesens in Paris und London markierte einen weiteren Schritt in der Entwicklung des Kunstmarkts. James Christie begründete das Auktionshaus Christie’s, das heute mit spektakulären Verkäufen und Rekordpreisen Schlagzeilen macht. Während der Französischen Revolution kam es zu einem Aufbegehren gegen die Académie royale de peinture et de sculpture, die das Monopol auf Geschmack und Produktion beanspruchte. Manche Händler setzten sich für alternative Ausstellungsmöglichkeiten ein, konkurrierten mit dem Pariser Salon und unterstützten marginalisierte Künstler wie Jean-Baptiste Camille Corot, Henri Rousseau, Gustave Courbet und Charles-François Daubigny. Sie wurden zu wichtigen Vermittlern, die neue Geschmäcker prägten und den aufkeimenden Kunstmarkt in den USA förderten.

Ein Höhepunkt der Ausstellung ist Claude Monets Gemälde „Getreidestapel, Sonne im Nebel“ aus dem Art Institute in Minneapolis. Es wird gemeinsam mit drei weiteren Meisterwerken des Künstlers in der Ausstellung vertreten sein. Monets Methode der seriellen Produktion markierte einen Wendepunkt in der modernen Kunst, und die Verbindung von künstlerischer Autonomie mit kommerzieller Strategie trug dazu bei, das Selbstverständnis des modernen Künstlers neu zu definieren.

In Wien wiederum führte die Secession um die Jahrhundertwende innovative Verkaufsstrategien ein und präsentierte sich mit eleganten Ausstellungen, die sich deutlich von den akademischen Stilen und dissonanten Darstellungen abhoben, die kurz vor der Weltausstellung glorifiziert worden waren. Als herausragendes Beispiel ist in der Ausstellung Gustav Klimts „Nuda Veritas“ zu sehen.

Weitere Informationen unter www.liechtensteincollections.at