Freitag, 13. Februar, 2026
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Grüne Wien präsentieren Fünf-Punkte-Plan für leistbaren Wohnraum

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Gemeindebau Ottilie Bondy Promenade 9. Bild: Alexandra Kromus / PID.
Gemeindebau Ottilie Bondy Promenade 9. Bild: Alexandra Kromus / PID.

Bei einem Mediengespräch haben die Wiener Grünen Kritik am Rückgang von sozialem Wohnraum geäußert. „Die Stadtregierung sollte die Mittel der Wohnbauförderung für gemeinnützigen und kommunalen Wohnbau verwenden, statt die erhöhten Beiträge zum Stopfen von Budgetlöchern zu verwenden, und viel mehr sozialen Wohnbau widmen“, forderte der nicht amtsführende Stadtrat Peter Kraus. Denn nichts sei gefährlicher für die Leistbarkeit des Wohnens als Wohnungsmangel – besonders in einer wachsenden Stadt, in der der Bedarf an neuem, leistbarem Wohnraum entsprechend groß sei.

„Die Untätigkeit der Stadtregierung bei den Neuwidmungen und der Förderung von sozialem Wohnbau macht das Zuhause für viele Wienerinnen und Wiener zu teuer“, kritisierte Klubobmann und Wohnbausprecher Gregor Prack. Besonders die Zweckentfremdung der Wohnbauförderung stößt bei den Grünen auf wenig Verständnis. Insgesamt sollen in diesem Jahr 329 Millionen Euro aus der Wohnbauförderung im allgemeinen Budget aufgehen und nicht für die Förderung von Wohnbauten verwendet werden. „Dass die Stadtregierung angesichts der drohenden Wohnungsknappheit die Beiträge für die Wohnbauförderung erhöht, dann aber zum Stopfen der Budgetlöcher verwendet, ist hochgradig verantwortungslos“, meinte Kraus.

Seit 2020 sei die Zahl der gewidmeten Wohnungen von 42.000 auf 26.000 zurückgegangen, auch beim Gemeindebau sei die rot-pinke Stadtregierung säumig: Von den 5.500 geplanten neuen Gemeindewohnungen sei nur ein Viertel fertig. „Es müssten jährlich mindestens 2.000 neue Gemeindewohnungen gebaut werden, um den Anteil der Gemeindewohnungen auf dem bisherigen Niveau halten zu können“, so Prack.

Der Fünf-Punkte-Plan der Grünen sieht neben einem konsequenten Widmungsvorrang für den sozialen Wohnbau und der Schaffung von 25.000 gemeinnützig geförderten Wohnungen sowie 10.000 neuen Gemeindebauwohnungen bis 2030 auch eine Leerstands- und Freizeitwohnsitzabgabe vor, um damit mindestens 15.000 leerstehende Wohnungen zu mobilisieren. Außerdem beinhaltet der Plan eine ausnahmslose Zweckwidmung der Wohnförderbeiträge für den sozialen Wohnbau sowie eine Erhöhung der Schlagzahl beim Programm „Raus aus Gas“.

Auf Verlangen des Grünen Rathausklubs findet morgen, Dienstag, ein Landtag statt, in dessen Verlauf die Grüne Fraktion zahlreiche Anträge zu diesen Vorschlägen einbringen will.

Die Vergabe von Gemeindewohnungen wurde in den letzten Jahren sukzessive flexibilisiert. Mit mehreren Sonderaktionen, etwa für Menschen mit befristeten Mietverträgen oder Studierende und einem leichteren Zugang für Haushalte, die besonders von Teuerung betroffen sind, hat Wiener Wohnen ganz gezielt auf spezielle Wohnbedürfnisse und Lebensrealitäten reagiert. Die Aktionen waren ein großer Erfolg, sie stießen auf rege Nachfrage und haben tausenden Wiener*innen ein sicheres und leistbares Zuhause ermöglicht. 

“Gerade in Zeiten, in denen der private Wohnungsmarkt Menschen durch hohe Mieten und Befristungen unter Druck setzt, ist der soziale Wohnbau in Wien wichtiger denn je. Denn ein leistbares und sicheres Zuhause ist die unverzichtbare Basis für ein gutes Leben. Die Sonderaktionen von Wiener Wohnen bei der Vergabe von Gemeindewohnungen sind ein wichtiger Schritt zu einer neuen flexiblen Wohnungsvergabe – angepasst an die Wohnbedürfnisse und Lebensrealitäten der Wienerinnen und Wiener“, betont Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál.

1.054 Menschen vor drohender Wohnungslosigkeit bewahrt

Bereits im Juli 2024 hat die Stadt eine Sonderaktion für Menschen mit auslaufenden Mietverträgen gestartet und damit den Gemeindebau ganz gezielt für Mieter*innen geöffnet, die am privaten Wohnungsmarkt von Wohnungslosigkeit bedroht waren. 774 Gemeindewohnungen wurden im Rahmen dieser Aktion vergeben, insgesamt wurden damit 1.054 Personen mit Wohnraum versorgt. 2025 waren es 296 Wohnungen, in die insgesamt 387 Personen gezogen sind. 

Die Aktion lief bis Ende Februar 2025. Das Besondere: Auch Personen, die normalerweise keinen Anspruch auf eine Gemeindewohnung gehabt hätten, konnten an der Aktion teilnehmen, sofern sie einige Kriterien analog zum Wiener Wohn-Ticket erfüllten. Hintergrund dieser Initiative war die rasant steigende Zahl befristeter Mietverhältnisse, die immer mehr Menschen herausfordert. Während vor mehr als 20 Jahren abgeschlossene Verträge zu 93 Prozent unbefristet waren, sind es bei neueren Verträgen nur noch 44 Prozent. Gemeindewohnungen werden hingegen ausnahmslos unbefristet vergeben.

600 Studierende haben bereits ihre eigene Gemeindewohnung bezogen, 600 weitere stehen knapp davor

Auch für Studierende hat die Stadt eine Sonderaktion ins Leben gerufen. Zwischen 1. Mai und 30. September 2025 gab es ein Sonderkontingent für Student*innen. Sie konnten sich auch ohne den üblichen Nachweis eines besonderen Wohnbedarfs um eine günstige und unbefristete Gemeindewohnung in der Größe zwischen 35 und 45 m2 bewerben. Rund 600 Wohnungen wurden bereits an Studierende vergeben, weiteren 600 Studierenden wurde der Zugang ermöglicht, sie suchen sich derzeit noch eine Wohnung aus und werden aller Voraussicht nach bald ihren Mietvertrag unterzeichnen. 

1.300 Wohnungen für Lehrlinge und Jungarbeitnehmer*innen

Eine weitere Aktion richtet sich an junge „Zuzügler“ aus den Bundesländern: Lehrlinge und Jungarbeitnehmer*innen, die ihren Hauptwohnsitz bislang in einem der acht anderen Bundesländer hatten, können mit erleichterten Bedingungen eine günstige Gemeindewohnung bekommen. 1.300 junge Berufseinsteiger*innen haben so in den vergangenen Jahren bereits eine leistbare Wohnung in der Bundeshauptstadt gefunden. Die Aktion ist weiterhin aufrecht.

Neuer Vergabegrund: Wohnkosten 
Im vergangenen Jahr wurde außerdem eine gänzlich neue Vergabekategorie für den Gemeindebau-Zugang eingeführt. Damit werden zielgerichtet Wiener*innen entlastet, die – trotz Arbeit und Einkommen – ihre Wohnkosten nicht mehr bewältigen können. Grundvoraussetzung ist ein positiver Bescheid für den Erhalt der Wohnbeihilfe beziehungsweise Mietbeihilfe. Über diesen Weg konnte seit der Einführung im Mai 2025 in über 300 Fällen der Zugang zum Gemeindebau ermöglicht werden. 

Wohnungsvergabe NEU ab 2026

Im Jahr 2026 wird die Wohnungsvergabe insgesamt erneuert: Anstelle des bisherigen fixen Kriterienkatalogs tritt ein flexibles Vergabemodell, das auf spezifische Lebenslagen eingeht, um noch mehr Wiener*innen die Chance auf eine Gemeindewohnung oder eine geförderte Wohnung zu eröffnen.

Der nächste Schritt ist eine Testphase im ersten Halbjahr 2026. Die gesammelten Erfahrungen fließen in die weitere Gestaltung und Umsetzung ein. Gemeindewohnungen und geförderte Wohnungen werden bei der Vergabe zusammengeführt, um den Zugang zu leistbarem Wohnraum möglichst einfach, transparent und effizient zu gestalten. Für Wohnungssuchende bedeutet das: Künftig gibt es nur noch ein zentrales Wiener Wohn-Ticket, mit dem man sich für eine leistbare Wohnung vormerken lassen kann – unabhängig davon, ob es sich um eine Gemeindewohnung oder eine geförderte Wohnung handelt.

Statt fixer Wohnbedarfsgründe gibt es künftig Bonus-Punkte, die individuelle Lebenssituationen besser abbilden. Diese Bonus-Punkte werden zum Beispiel für Personen in Aus- oder Weiterbildung vergeben. Auch bei geänderten Lebensumständen – etwa wenn die Familie wächst, ein neuer Lebensabschnitt beginnt oder eine kleinere, leichter zu bewirtschaftende Wohnung gesucht wird – gibt es künftig flexiblere Möglichkeiten. Besonders gefördert wird außerdem das selbstständige, barrierefreie Wohnen im Alter. 

Ein zentraler Vorteil bleibt: Unbefristete Mietverträge bieten Sicherheit, gerade in Zeiten zunehmender Befristungen im privaten Wohnungsmarkt. Ebenso bleibt der bewährte Wien-Bonus erhalten – wer bereits länger in Wien lebt, erhält weiterhin einen Vorteil bei der Wohnungsvergabe.