„Ich will die Leute zwei Stunden vom Alltag ablenken“

405
Pichowetz & Fälbl 2018 in Boeing Boeing. Bild: Gloria Theater.
Pichowetz & Fälbl 2018 in Boeing Boeing. Bild: Gloria Theater.

Christoph Fälbl gehört im Gloria Theater fast schon zum Inventar. Die DFZ hat mit ihm über seine Freundschaft zu Gerald Pichowetz und das Theaterleben in Corona-Zeiten gesprochen.

Einen Künstler muss man 2020 zunächst fragen: Wie geht es in Corona-Zeiten?

Fälbl: Ich bin ein Glückskind, auch weil ich bei Gerald im Gloria Theater spielen kann. Das ist wirklich ein großes Glück!
Das Problem ist: Nicht einmal die für uns zuständige Frau Staatssekretärin sagt, geht’s ins Theater, Kabarett oder Museum, wenn ihr euch unterhalten wollt. Jedes Theater versucht alles menschenmögliche: Im Theater sitzen die Leute, haben Masken auf, es wird Fieber gemessen und die Zuschauer sind sehr diszipliniert. Ins Theater zu gehen, ist sicherer als Einkaufen zum Billa! Aber die Leute fürchten sich natürlich, wenn die Regierung jeden Tag sagt: bleibt daheim!“

Ändert sich die Reaktion des Publikums, wenn nur jeder zweite Platz besetzt werden kann?

Natürlich. Du bist beim Gerald gewohnt, dass sich die Leute ‘um’d Erd hauen’. Man lernt als Schauspieler wieder demütig zu sein. Es tut mir für Gerald leid, dass nicht mehr Zuschauer möglich sind.

Im Gloria Theater gehörst Du schon zum Stammpersonal …

Ich habe vor zwei Jahren zum Gerald gesagt, ich würde gerne mehr Theater spielen. Weil beim Kabarett ist es immer fad, so
allein in der Garderobe. Und der Gerald ist so ein guter Freund, dass er einfach sagt: Na, dann spielst bei mir!

Echte Freundschaften sind in der Schauspielbranche ja nicht gerade die Regel…

In der Branche ist es schwer Freunde zu haben. Du bist bei einer Produktion vier Wochen intensiv zusammen und dann geht jeder wieder seine eigenen Wege. Gerald und ich telefonieren auch, wenn wir nicht miteinander arbeiten. Wenn ich ein Solo-Kabarett vorbereite, lese ich es Gerald vor. Da ist ein unglaubliches Vertrauen da. Und außerdem:  Es macht wahnsinnigen Spaß mit ihm!
Ich hab ihm auch gesagt, Gerald, schau’ auf deine Gesundheit. Wenn Du einmal nicht spielen kannst, ruf mich an: Ich spiel’ alles für Dich, ich spring’ bei allem ein!

Du spielst Kabarett und am Gloria Theater Komödien. Gehörst Du zu den Schauspielern, die vom ernsten Fach träumen?

Nein, weil ich unterhalte die Leute gerne. Ich sehe meine Aufgabe gerade jetzt so: Ich will die Leute zwei Stunden vom Alltag ablenken und keine Message loswerden oder mir anmaßen, den Leuten zu sagen, was sie zu tun haben.

Komödie und Unterhaltung werden immer stiefmütterlich behandelt: Kein einziges Kabarett in Wien wird subventioniert. Weil: Das ist ja Unterhaltung und nicht Kunst. Dabei ist es die höchste Kunst, Leute zum Lachen zu bringen! Weil jeder hat einen anderen Humor und genau das ist das Spannende!” Interview: H. Neumayer

Drei Männer im Schnee