Kino, Theater, Varieté in Floridsdorf

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Biograph-Theater, das erste Kino in Floridsdorf. Foto Bezirksmseum.
Biograph-Theater, das erste Kino in Floridsdorf. Foto Bezirksmseum.
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Neue Ausstellung im Bezirksmuseum über Biograph-Theater, Poppenwimmer, Weltbild-Kino und Gisela Säle.

„Kino, Theater, Varieté in Wien“ ist der Titel der neuen Ausstellung im Floridsdorfer Bezirkmuseum. Auf über 20 Tafeln ermöglichen Bilder, Texte und Objekte eine Rückschau auf Unterhaltungsmöglichkeiten in vergangener Zeit. Der Zutritt ist kostenlos. Absoluter Pflichtbesuch!

Heute gibt es im 21. Bezirk nur noch ein fixes Kino, im SCN. Früher gab es fast in jedem Floridsdorfer Ortsteil eines. Zum Beispiel das Floridsdorfer Biograph-Theater, das 1907 in der heutigen Hermann-Bahr-Straße (damals Franz-Josef-Straße 5) eröffnete. Im ersten Floridsdorfer Kino wurden in vier Vorstellungen pro Tag meist kürzere Filme gezeigt. Direktor Val sah sich bald mit Vorwürfen der umliegenden Gasthäuser konfrontiert, die über Geschäftsrückgänge klagten. Die ‘Floridsdorfer Zeitung’ (Ja, die gab es damals wirklich schon!) brachte in der Rubrik ‘Humor der Woche’ den Vorschlag, dass beim Kauf einer Kinokarte Wurst oder Bier vom nächsten Wirten oder Greissler vorzuzeigen sei!

Der Erfolg war so enorm, dass das ‘Biograph’ bald auf 396 Sitzplätze expandierte. Im September 1907 wurden in nur sechs Tagen 8.747 Karten verkauft! 1909 wurde der Pianist durch das Orchester Wulitz ersetzt. Allerdings sorgte die Eröffnung des Weltbild-Kinos in den ehemaligen Gisela-Sälen für zu große Konkurrenz, bereits im Herbst 1911 schloss das Biograph Theater. Im Vereinshaus Kino (Brünner Straße 20) wurde 1911 mit regelmäßigen Filmvorführungen begonnen. 1912 wurde das Ton-Kino in ‘Prisma’ umbenannt und musste mangels Erfolg erst 1972 einem Supermarkt (neben dem Perugini) weichen.

Original-Fassade des Weltbild-Kinos. Bild: Bezirksmuseum.
Original-Fassade des Weltbild-Kinos. Bild: Bezirksmuseum.

Besonders beliebt war das Poppenwimmer, oder schlicht ‘Popperl’ genannte Kino (Weltbild-Biograph-Theater) am heutigen Hoßplatz. Es hielt sich bis gegen Ende der 70er Jahre und wurde noch bis 1985 von Henriette Kreibich betrieben.

Ebenso berühmt war das ‘Weltbild’ auf der Prager Straße. Auch davon zeugen unzählige Anzeigen ab 1911 in der Floridsdorfer Zeitung. Zu Beginn war das Kino auch außen richtig ‘schmuck’, viele kennen es aber mit der später schlichteren Fassade – dort, wo heute die Nordbrückenabfahrt auf die Prager Straße trifft. 1907 zuerst in den Gisela Sälen eröffnet, kostete eine Karte 20 Heller. Gleich viel, wie ein Kilo Brot. 1910 folgte der Neubau auf der Prager Straße, der moderne Saal fasste 693 Personen. Auch Künstler wie die Floridsdorfer Soubrette Fritzi Rolly, der Sänger Turl Wiener oder der weltberühmte Hypnotiseur und Magier Hanussen gastierten hier. Nach dem zweiten Weltkrieg öffnete das Weltbild als erstes Wiener Kino wieder und zeigte Willy Forsts ‘Burgtheater’.

Die ehemalige Mitbesitzerin Stephanie Haumer erinnerte sich in den Siebzigern an diese Zeit zurück: „Das war ja damals nicht so wie heute. Es gab keinen Strom. Für jede Vorstellung musste man nachfragen, ob für die Dauer der Filmvorführung genug Energie geliefert wurde. Der Generator stand in der Schwaigergasse. Da musste man immer hin. Und in der ersten Zeit musste ich sogar die Filme zu Fuß und in Tragtaschen von den Verleihfirmen in der Neubaugasse abholen.” Am 26. März 1979 fand die letzte Vorstellung statt.

Anzeige in der Floridsdorfer Zeitung. Bild: DFZ.
Anzeige in der Floridsdorfer Zeitung. Bild: DFZ.

850 Plätze fassten die Tonlichtspiele Floridsdorf – bzw. das Arbeiterheim-Kino. An gleichem Standort steht heute das Haus der Begegnung. Dafür eröffnete 1968 in der Prager Straße das ‘Gloria Kino’, quasi als Nachfolger. In der Ausstellung finden Interessierte auch Infos zum Stammersdorfer Tonkino, Lichtspiele Strebersdorf, Volkswehr Kino und dem Hollywood Megaplex im SCN.

Thema der von Dr. Gabriele Dorffner gestalteten Ausstellung (bis 6. März) sind nicht nur die Kinos, sondern auch Theater und Varieté. Die bekanntesten Etablissements waren der Bartsch Saal, die Volkslesehalle und die Gisela Säle. Überreste der Letzteren wurden bis 2019 vom Gloria Theater benutzt und erst vor wenigen Monaten Opfer eines nicht genehmigten Abrisses.

Bezirksmuseum, Prager Straße 33, 1210 Wien. Geöffnet: Dienstag, 15 – 17 Uhr, Sonntag, 10 bis 12 Uhr.
Kontakt: Telefon 0664/55 66 973 ;
bm1210@bezirksmuseum.at