Kleine Tafel für eine große Dienstmagd

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Sinawastingasse nach 98 Jahren endlich mit Zusatztafel. Bild: DFZ.
Sinawastingasse nach 98 Jahren endlich mit Zusatztafel. Bild: DFZ.

Manche Dinge dauern lang. Manche eine Ewigkeit. 1927 (!) wurde beschlossen, bei der nach Anna Sinawastin benannten gleichnamigen Gasse bei der heutigen Nordbrücke eine Zusatztafel anzubringen. Jetzt ist es endlich passiert.

Es ist nur eine kleine Geste und hat kaum etwas gekostet. Und ist dennoch bedeutsam. Anna Sinawastin war eine Dienstmagd, oder wie man heute sagt: Haushaltsgehilfin. Und zwar bei der bekannten Floridsdorfer Familie Schwaiger: Die stellte den ersten Ehrenbürger und den vorletzten Bürgermeister, der in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts noch eigenständigen Gemeinde Floridsdorf. 1891 verstarb Sinawastin und vermachte ihren Nachlass von 3.950 Gulden einer Stiftung für verarmte alte Dienstbotinnen.

1901 wurde deswegen die Sinawastingasse am Ende der Schwaigergasse nach ihr benannt. Eine Ehre, die auf dem Gebiet des heutigen Wiens meist nur Habsburgerinnen oder edlen Spenderinnen zuteil wurde. Experte Peter Autengruber: „Das war sicher nicht die Norm, ungewöhnlich und eine absolute Ausnahme um 1900.“

1927 wurde die Sinawastingasse bis zum Hubertusdamm verlängert. Damals wurde beschlossen, eine Erläuterungstafel anzubringen und zwar mit folgendem Text: „Die im Jahre 1891 verstorbene Dienstmagd Anna Sinawastin vermachte ihren Nachlaß einer Stiftung für arme Haushaltsgehilfen.“ Im März 2023 veröffentlichte die DFZ eine Reportage zu Anna Sinawastin. Es folgte ein Antrag in der Bezirksvertretung. Und nun gibt es – spät, aber doch – eine Zusatztafel.

Heute bemüht sich die Stadt Wien sehr, Verkehrsflächen nach Frauen zu benennen. Es wird an der Zeit, dass die Sinawastingasse nicht nur in Floridsdorf weltberühmt ist, sondern auch in der ganzen Stadt ihre gebührende Anerkennung findet. Infos: www.sinawastin.dfz21.at
-Hannes Neumayer