Donnerstag, 11. Juni, 2026
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Lebensmittelaugabe in der Scheydgasse als Anker für Armutsbetroffene

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Volkshilfe in der Schedgasse. Symbolbild. Bild: VHW/John Kücükcay.
Volkshilfe in der Schedgasse. Symbolbild. Bild: VHW/John Kücükcay.

Dienstagfrüh, kurz nach acht Uhr. In der Scheydgasse 21–25 in Floridsdorf bildet sich bereits eine Schlange bei der Volkshilfe. Die Menschen kommen aus allen Teilen der Stadt hierher. Was sie eint: Sie sind auf Lebensmittelunterstützung angewiesen. Was sie erwartet, ist mehr als ein Paket, es ist lebensnotwendig. Bezirksvorsteher Georg Papai und Nationalratsabgeordneter Paul Stich machten sich mit der VHW-Geschäftsführerin Tanja Wehsely ein Bild von der der Lebensmittelausgabe in der Scheydgasse gemacht – und von den Grenzen des Möglichen.

Jeden Dienstag – außer an Feiertagen – öffnet die Volkshilfe Wien ab 8 Uhr die Türen ihrer Lebensmittelausgabe in Floridsdorf. Rund 250 Pakete werden pro Woche bereitgestellt, an besonders stark besuchten Tagen steigt die Zahl auf bis zu 400 Personen. „Es kam auch schon vor, dass Menschen mit leeren Händen wieder gehen mussten, das schmerzt uns besonders“, so Tanja Wehsely, Geschäftsführerin der Volkshilfe Wien. Berechtigt sind Wiener*innen, deren Einkommen an oder unter der Armutsgefährdungsgrenze liegt – für einen Einpersonenhaushalt sind das derzeit rund 19.932 Euro im Jahr. „Armut in Wien ist real – und sie nimmt zu. Die Lebensmittelausgabe ist für viele Menschen ein Anker. Wir stehen für diese Menschen ein, weil niemand zwischen Miete und Essen wählen sollte“, so Wehsely.

Zwei hauptamtliche Mitarbeiter der Volkshilfe Wien koordinieren den Betrieb, unterstützt von drei Zivildienstleistenden, bis zu sechs Freiwilligen sowie Trainingsarbeitskräften aus den sozialökonomischen Betrieben vor Ort. Der Sicherheitsdienst sorgt in den frühen Morgenstunden für einen geordneten Ablauf – denn die Schlange bildet sich oft schon lange vor acht Uhr. „Ich bin von der Arbeit hier schwer beeindruckt – von der Fülle an Aufgaben und davon, mit welcher Würde und Professionalität das geschieht. Ich bin froh über diese Form der gelebten Solidarität in Floridsdorf“, so der Floridsdorfer Bezirksvorsteher, Georg Papai.

Bezirksvorsteher Georg Papai mit der VHW-Geschäftsführerin Tanja Wehsely. Bild: VHW/John Kücükcay.
Bezirksvorsteher Georg Papai mit der VHW-Geschäftsführerin Tanja Wehsely. Bild: VHW/John Kücükcay.

Die Pakete enthalten Grundnahrungsmittel wie H-Milch, Spaghetti, Reis, Mehl, Hülsenfrüchte und Pflanzenöl. Der Wert eines Pakets liegt aktuell bei rund 20 Euro. Zusätzlich bietet die Tafel Österreich wöchentlich rund 250 Kilogramm frisches Waren an, die vor Ort ausgeteilt werden – vor allem Kartoffeln, Karotten und Zwiebeln – diesmal gab es palettenweise selbstverarbeitetes Apfelmus für die Kund*innen.

Essen durch Stiftungsmittel, Spenden und Sachspenden

Die Finanzierung der Lebensmittelausgabe setzt sich aus mehreren Quellen zusammen. Für 2026 stehen 200.000 Euro aus Stiftungsmitteln der MA 40 zur Verfügung. Ergänzt werden diese durch Spendenmittel der Volkshilfe Wien sowie Sachspenden: Die jährliche Aktion „Gemeinsam gegen Armut“ trägt rund zehn Tonnen Waren bei, was etwa 1.000 Pakete ergibt. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 13.268 Lebensmittelpakete ausgegeben – ein eindrucksvolles Zeugnis des Bedarfs, aber auch der Leistungsfähigkeit dieser sozialen Struktur.

„Lebensmittelausgaben wie diese sind ein Spiegel der gesellschaftlichen Realität. Wir brauchen sie – und wir müssen gleichzeitig alles tun, um die Ursachen von Armut strukturell zu bekämpfen. Bis es soweit ist, braucht es engagierte Menschen, die sich den Problemen annehmen, so wie es hier geschieht. Mit unseren kostenlosen wöchentlichen Sozialberatungen oder unseren Formaten wie der Floridsdorfer Küche – einem kostenlosen Nachbarschaftsessen – leisten auch wir dazu einen Beitrag“, so Paul Stich, SPÖ-Nationalratsabgeordneter aus Floridsdorf.

Seit dem 30. April 2024 betreibt die Volkshilfe Wien die Lebensmittelausgabe an ihrem Standort in der Scheydgasse 21–25. Der Umzug aus dem dritten Bezirk hat die Kapazitäten deutlich verbessert. Wer die Lebensmittelausgabe der Volkshilfe Wien unterstützen möchte, kann dies über Spenden oder die Teilnahme an Sammelaktionen tun. Mehr Informationen: www.volkshilfe-wien.at