Magdalenenhof: „Stadtrat und Forstamt häkerln uns!“

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Hinter verschlossenen Türen schlummert seit elf Jahren das Jagschloss Magdalenenhof. Bild: DFZ.
Hinter verschlossenen Türen schlummert seit elf Jahren das Jagschloss Magdalenenhof. Bild: DFZ.

Elf Jahre steht nun das hübsche Jagdschloss Magdalenenhof am Bisamberg leer. Im April 2021 hat die DFZ exklusiv berichtet, dass Bezirksvorsteher Georg Papai die Stadt gebeten hat, nochmals zu überprüfen, ob nicht doch eine Nutzung durch die Stadt Wien möglich wäre. Das ist 17 Monate her. Passiert ist: Nichts! Vom zuständigen Forstamt aus dem Ressort von Stadtrat Jürgen Czernohorszky hieß es vor Monaten: „Bitte noch etwas Geduld!“

Die haben die Fans des schmucken Schlösschens mittlerweile verloren. ÖVP-Gemeinderat Erol Holawatsch (Bild links) schießt scharf: „Freundlich formuliert: Stadtrat Czernohorszky und das Forstamt häkerln uns. Was soll da bitte 17 Monate dauern? In der Privatwirtschaft würden die Verantwortlichen für so viel Unfähigkeit hochkantig gefeuert. Aber vielleicht ist den Herrschaften der Stadt Wien Floridsdorf auch nur wieder einmal vollkommen gleichgültig!“ Während das Forstamt auf die Komplexität (Finanzbedarf, Senderstraßengarantie) verweist, fordert Holawatsch die Stadt Wien auf, „entweder bis Ende September ein eigenes Nutzungskonzept vorzulegen oder bis Jahresende den Verkauf abzuschließen“.

Stein

PS: Das Büro des Stadtrates und das Forstamt haben auf die Anfrage der DFZ innerhalb von 10 Tagen nicht reagiert.

MEHR INFOSS

Erol Holawatsch (ÖVP). Bild: Monihart.
Erol Holawatsch (ÖVP). Bild: Monihart.

Schloss ohne Gespenst, aber mit Geschichte
Bierbrauer Rudolf Dengler (1873 – 1937, Enkel von Anton Bosch) ließ die Villa 1911/12 von Architekt Paul Hoppe für seine Mutter errichten. Die starb bereits 1914. 1928 erwarb die Gemeinde Wien das Gebäude. In beiden Kriegen diente die Villa als Soldatenunterkunft. Die Villa war Wohnung, Jausen- und Backhendelstation, Balkangrill und „Pension“ für schöne zweisame Stunden. Im Jahre 1986 zog mit Familie Sarsam der bislang letzte Pächter in die Villa ein und es wurde ein Seminarbetrieb mit angeschlossenem Restaurant aufgebaut. Es war das erste Restaurant Wiens mit vegetarischer Kost aus eigenem Anbau im naturnahen Garten. Ab 1993 wurde das stilvolle und idyllische Ambiente für Hochzeiten, private Veranstaltungen, Feste und Feiern sowie als Filmkulisse genutzt. Das Sarsam-Projekt zur Revitalisierung des Magdalenenhofes unter dem Titel „Garten Bisamberg” wurde abgelehnt, die Familie musste 2011 ausziehen. Mehr zur Geschichte: 100 Jahre „Villa Magdalenenhof” von Prof. Dipl. Ing. Erich Gusel auf: www.magdalenenhof.com

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