Die Winterspiele 1964 in Innsbruck waren nicht die ersten Olympischen Bewerbe in Österreich. Im Februar 1931 waren in Mürzzuschlag die Winterspiele der 2. Olympiade der Sozialistischen Arbeiter-Sport-Internationale (SASI) abgehalten worden, vom 19. bis 26. Juli 1931 war Wien Veranstaltungsort der Sommerbewerbe. Dabei traten 25.000 Sportlerinnen und Sportler in 18 Sportarten und insgesamt 117 Bewerben an, vom Fußball bis zum Schach. Und der Startschuss fiel in – Floridsdorf.
Das sportliche Zentrum der Wiener Arbeiter-Olympiade können wir noch heute bewundern: Das 1928 begonnene und gerade noch rechtzeitig fertig gewordene Praterstadion samt Stadionbad. Dort wurden die Massenfestspiele ebenso wie die zentralen sportlichen Bewerbe – in der Leichtathletik, im Fuß- und Handball und natürlich im Schwimmen – abgehalten. Doch nicht nur das Stadion, sondern die ganze Stadt stand lang im Zeichen des Sportfests, von den Aufmärschen auf der Ringstraße bis zu den Gemeindebauten, in denen – schließlich war gerade die große Wirtschaftskrise – ein Großteil der 70.000 Besucher aus der ganzen Welt bei Gastfamilien untergebracht wurden.
Von Mathias Marschik
Floridsdorf war jedoch nicht nur wegen der Besucher, die etwa im Schlingerhof unterkamen, Teil von Olympia. Denn der erste Bewerb der Spiele, das Straßenrennen der Radfahrer „Rund um Wien“ über 140 Kilometer, wurde beim „Kilometerstein 6“ auf der Prager Reichsstraße, also vor dem Eisenbahnerberg, gestartet. Schon vor sechs Uhr morgens hatten sich viele Fahrer eingefunden und flohen vor dem strömenden Regen ins nächste Wirtshaus, vermutlich zum „Gambrinus“. 140 Fahrer hatten genannt, doch war ein Teil zu spät in Wien eingetroffen, ein Teil verzichtete wegen des strömenden Regens kurzfristig auf die Teilnahme. So begaben sich nur 35 Fahrer zum Start.

Die Strecke führte über Langenzersdorf, Stockerau, Tulln und über den Riederberg nach Purkersdorf und dann über Liesing zum Ziel in Schwechat. Erst bei Tulln ließ der Regen kurz nach, um vor dem Ziel wieder heftig einzusetzen. Durch die Wolkenbrüche waren die Verhältnisse auf den meist nur geschotterten Straßen katastrophal. Schlammverschmiert und pitschnass kamen die Fahrer nach etwa viereinhalb Stunden ins Ziel. Durch Karl Hamedl, Karl Kühn und Alois Gneist gab es am Ende gleich einen dreifachen Erfolg für Österreichs Farben, dem etliche weitere Siege bei den Radbewerben folgten, aber vor allem auch im prestigeträchtigen Fußballturnier, das im Finale gegen Deutschland gewonnen wurde.
Wien kann sich also seit 1931 mit vollem Recht als „Olympiastadt“ bezeichnen und Floridsdorf ebenso klar als „olympisches Terrain“, auf dem die Arbeiterspiele sogar ihren Anfang genommen haben. Und angesichts der aktuellen Entwicklungen der Olympischen Spiele, vom „Sport-washing“ über den Nationalismus bis zum Starkult (und natürlich zum Doping) ist die Frage schon erlaubt, ob man sich an manchen Elementen der Arbeiterolympiade, die das Mitmachen, die Gemeinschaft und die Freude an Sport und Bewegung in den Mittelpunkt stellte, nicht wieder ein Beispiel nehmen sollte.















