„Plötzlich ist so viel Platz frei …“

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„Also an fehlenden Parkplätzen mangelt es dem Floridsdorfer Markt auf keinen Fall mehr“, postete Bezirksvorsteher Georg Papai zu diesem Bild auf Facebook. Bild: Privat/Facebook.
„Also an fehlenden Parkplätzen mangelt es dem Floridsdorfer Markt auf keinen Fall mehr“, postete Bezirksvorsteher Georg Papai zu diesem Bild auf Facebook. Bild: Privat/Facebook.
Stein

Seit etwas mehr als drei Wochen gilt nun auch in Floridsdorf das Parkpickerl. Wir haben uns in den Grätzeln umgehört: Gibt es einen Effekt? Wie sehen die Anrainer die Pickerl-Einführung?

Positive Rückmeldungen kommen rund um das Bezirkszentrum: Egal ob Pilzgasse und Leopoldauer Straße, Frömmelgasse oder etwa rund um die Kirche am Kinzerplatz. Viele Anrainer sind begeistert. Tenor: „Plötzlich ist bei uns so viel Platz frei …“ Elends langes Kreisen zur Parkplatzsuche gehört untertags und vielerorts auch am Abend der Vergangenheit an.

Manche Straßenzüge wirken phasenweise sogar komplett verwaist: Etwa die Jedleseer Straße Richtung Floridsdorfer Hauptstraße. Oder ganz extrem: Die obere Alte Donau. Hier stauten sich die Pendler oft bis zum Birner oder weiter. Jetzt wirken die vereinzelt parkenden Autos fast schon deplatziert.

Unsicherheit gibt es noch in vielen Siedlungsgebieten wie Stammersdorf, Strebersdorf oder Schwarzlackenau (im Bild: neue Markierungen in der Voltelinistraße: An den gelben Linien ist Parkverbot!). Aber auch hier wollen sich einige die Parkpickerlkosten sparen und stehen nun in ihren Einfahrten statt auf der Straße. Es sind aber auch solche Gebiete, in denen es die meisten Proteste gegen das Parkpickerl gibt, weil Anrainer einfach keine Parkplatznot hatten. Motto: „Was brauchen wir bei uns ein Parkpickerl?“ Wie mehrmals berichtet sind es aber auch Gassen, in denen das Abstellen von Autos gar nicht erlaubt ist.

Neue Markierungen in der Voltelinistraße in der Schwarzlackenau. Bild: DFZ.
Neue Markierungen in der Voltelinistraße in der Schwarzlackenau. Bild: DFZ.

Fakt ist: Viele Firmenautos und Pendler verparken nun nicht mehr großflächig den Bezirk. Ein angenehmer Nebeneffekt, mit dem offenbar nicht so viele Bewohner gerechnet haben: Weniger parkende Autos bedeutet auch weniger Verkehr zu den Parkplätzen oder um welche zu suchen. Sehr oft hört man jetzt: „Es ist plötzlich so ruhig hier!“ Weniger Lärm und Abgase werden wahrgenommen.

Kaum Änderungen gibt es in den Einkaufsstraßen rund um den Spitz. Weil man hier jetzt mit Pickerl 90 Minuten Zeit hat. Völlig enstpannt geht es – noch – am Parkplatz bei der U6-Station Neue Donau am Bruckhaufen zu. Gut möglich, dass hier und andererorts Binnenpendler noch auf den Geschmack kommen.

Unsicherheit wo man denn eigentlich was darf, gibt es rund um den Schlingermarkt: Entlang der Ladenzeile vom Lötschhof bis zur Schleifgasse (und zwei Parkplätze bei der Ausfahrt zur Brünner Straße) gelten als Einkaufsstraße (mit Pickerl 90 Minuten Parken mit ‘Uhr’ erlaubt). Der Rest zählt zur flächendeckenden Kurzparkzone. Ausnahme: Direkt am Marktplateau etwa bei der Müllinsel gibt es eigene Regeln. Es heißt also: Aufpassen.

Der Senderparkplatz ist Parkpickerl-frei. Bislang konnte aber kein Ansturm von Pickerl-‘Flüchtlingen’ beobachtet werden. Der große Donauturmparkplatz im 22. Bezirk wird bekanntlich Überlappungszone: das wird aber erst ab Juli gelten. Die ÖVP verlangt überhaupt großzügige Überlappungszonen entlang der Grenze zum 22. Bezirk. Übrigens sollen sich etwa 15.000 Pendler aus anderen Bundesländern in den neuen Parkpickerl-Bezirken angemeldet haben, um auch ein Pickerl zu bekommen.

Natürlich sind nicht alle begeistert. In Stammersdorf hält Winzerobmann Poldi Klager „die Kurzparkzone für die nächste Gnackwatschen. Die Gastronomie ist am Boden, wir sind alle fertig. Die Stimmung in der Gastro in Floridsdorf ist nicht Null, sondern minus 100. Die Kurzparkzone dauert bis 22 Uhr, der letzte Bus in Stammersdorf fährt um 20.30 Uhr. Das ist kontraprodutiv, viele Gäste weichen nach Niederösterreich aus.“ Unterstützung kommt von der ÖVP: Sie will, dass rund um Heurige in Stammersdorf, Strebersdorf und Jedlersdorf spätestens ab 17 Uhr frei geparkt werden darf.

Die erste Bilanz von Bezirksvorsteher Papai fällt positiv aus: „Vor der Pickerl-Einführung gab es viel Kritik, jetzt überwiegt das Lob. Wir müssen uns die Entwicklung – zum Beispiel am Wochenende oder mit Binnenpendlern – aber genau ansehen.“ Sollte der Effekt anhalten, werden schon von mehreren Seiten Wünsche geäußert, was mit dem vielen Platz passieren soll …
-Hannes Neumayer