Revier-Wächter fischen nicht nur Fische

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Müllsammelaktion am Marchfeldkanal. Bild: DFZ.
Müllsammelaktion am Marchfeldkanal. Bild: DFZ.
Stein

Gerade in der Pandemie gibt es auch in Floridsdorf immer mehr Müll-Beschwerden. Die Folge: private Säuberungsaktionen. Sei es von Einzelpersonen oder den Trash-Busters letztes Jahr im Wasserpark. Als Revierverantwortliche für den Marchfeldkanal hat sich das 1. Wiener
Fischereimuseum gleich um rund zehn Kilometer Freizeitgebiet zu kümmern. Bei der jährlichen Ufer- und Gewässerreinigung Ende März waren wir mit dabei. Eine DFZ-Reportage über Müll-Vandalen, vermeintliche Gatschlacken und Nasen.

Begonnen hat alles vor etwa 20 Jahren. „Damals waren wir acht Leute, die sich zum Müllsammeln getroffen haben“, erzählt Emil Spevak. Die Aktion im Revier Marchfeldkanal hat sich ausgewachsen, findet mittlerweile zweimal im Jahr statt: Seit einiger Zeit sind die Floridsdorfer Pfadfinder dabei und die Wiener Feuerwehr reist gleich mit mehreren Fahrzeugen an, inklusive Feuerwehr-Nachwuchs und Tauchern (siehe großes Bild). Insgesamt waren heuer mehr als 100 Leute an der Säuberungsaktion beteiligt und haben sie zur größten zumindest in Floridsdorf gemacht. Mit dabei sind viele Anrainer, die ihr „verlängertes Wohnzimmer“ sauber halten wollen.

Alle Teilnehmer werden zum Auftakt um 8.15 Uhr mit Müllsäcken, Arbeitshandschuhen und Greifgeräten ausgerüstet. Vom
Fischereimuseum in der Schwarzlackenau (Einzingergasse 1a) schwärmen sie ins gesamte Revier aus. Und das ist gar nicht mal so klein, nämlich der gesamte Marchfeldkanal: Von der Schleuse noch auf Langenzersdorfer Gebiet über die Schwarzlackenau, Strebersdorf, Jedlersdorf und Stammersdorf bis zum Grenzweg. Was sie nach vier Stunden zurückbringen, macht einen fassungslos: Am Parkplatz beim Museum stapeln sich die Müllsäcke und auch einige besondere ‚Trophäen‘ sind dabei: Drei noch fahrtüchtige Räder, eine Bremsscheibe, ein Stahlkabel, Einkaufswagen und eine Geldbörse inklusive Ausweis – mutmaßlich Diebesgut.

Teilweise stammt der Müll von Betrieben im Industriegebiet Strebersdorf: Der Wind verweht oft leeres Verpackungsmaterial. Einkaufswagen oder Räder verdankt man wohl der einen oder anderen b’soffenen G’schicht. Ganze Wohnzimmereinrichtungen können besonders bösartigen und mutwilligen Zeitgenossen zugeordnet werden, die leider so gut wie nie erwischt werden. Der Rest, Alltagsmüll, stammt von achtlosen Spaziergängern, die zu faul sind ihre ‚Papierln‘ nach Hause zu tragen. „Mich überrascht immer wieder die Energie der Leute, die statt auf dem Mistplatz, ihr Gerümpel irgendwo im Grünen ablagern“, sagt Fischereimuseum-Obmann Robert Studer. „Was mich am meisten ärgert, sind die Leute, die ihre Gackerlsackerl in die Bäume schleudern oder auf einen Ast hängen. Es wäre toll, wenn wir am Marchfeldkanal mehr Sackerlspender und Mistkübel bekommen würden.“ In der Floridsdorfer Bezirksvertretung wurde gerade ein entsprechender Antrag eingebracht.

Fischereimuseum-Obmann Robert Studer im Museum. Bild: DFZ.
Fischereimuseum-Obmann Robert Studer im Museum. Bild: DFZ.

Das Fischereimuseum ist gleichzeitig auch Fischerverein und als solcher für die Hege und Pflege des Reviers verantwortlich. Studer und Spevak sind nicht nur Fischer, sondern als Schwarzlackenauer auch Anrainer und haben so doppelt Grund, auch ihr verlängertes Wohnzimmer sauber zu halten. Im Verein sind neue Fischer willkommen: Allerdings benötigt man gleich zwei amtliche Fischerkarten, die Wiener und die niederösterreichische. Das Revier ist rund zehn Kilometer lang. Studer (kleines Bild): „Der Marchfeldkanal ist übrigens keine
Gatschlacken wie manche Leute manchmal meinen, sondern ein großartiges Fischrevier.“ Mit seinen Kollegen achtet er auch darauf, dass nicht illegal gefischt wird. Denn fischen dürfen nur Vereinsmitglieder.

Der Fischbestand reicht von Aitel über Karpfen bis zum Zander: „Im Marchfeldkanal sind viele Fischarten, die in der Donau schon vom Aussterben bedroht waren, wie etwa die Nase.“ Letztere ist ein etwa 35 Zentimeter langer, lang gestreckter, ziemlich spindelförmiger Fisch. Mancher gefangene Fisch kann schon mal eine ordentliche Größe erreichen: Ein Hecht mit 13 Kilo, ein Zander mit 10 Kilo oder ein Karpfen mit 15 Kilo. Ob die zurück ins Wasser dürfen oder am Speiseteller landen, bleibt den Fischern überlassen.

Über besondere Fischfänge im Donauraum kann man sich im Fischereimuseum informieren, hier sind einige Präparate ausgestellt, das einen Besuch wert ist (jeden Sonntag, 9 – 12 Uhr). Es gibt Infos über die Entstehung des Marchfeldkanals vor rund 35 Jahren, Fischarten und welche Tiere hier sonst noch vom Bussard über Dachs und Fuchs bis zum Biber zu finden sind. Oder der Eisvogel, ein Hinweis auf die Revierqualität. Wenig beliebt bei Studer und Kollegen ist lediglich der Reiher, der fischt Fischers Fische nämlich quasi zum Eigengebrauch …
-Hannes Neumayer