Schilder-Initiative gegen Müll in der Natur, etc.

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v.l.n.r.: Kammerrat Markus Pannagl, Präsident Landwirtschaftskammer Wien Norbert Walter, Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky, Kammerrätin Anneliese Schippani, stv. Forstdirektor Herbert Weidinger (MA 49). Foto:Stadt Wien/Votava.
v.l.n.r.: Kammerrat Markus Pannagl, Präsident Landwirtschaftskammer Wien Norbert Walter, Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky, Kammerrätin Anneliese Schippani, stv. Forstdirektor Herbert Weidinger (MA 49). Foto:Stadt Wien/Votava.
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„Was für weniger als ein Prozent der Wiener Bevölkerung der Arbeitsplatz ist, ist für mehr als 99 Prozent der Wienerinnen und Wiener schnell erreichbarer Erholungsraum. Wer jedoch in der Bundeshauptstadt Landwirtschaft, Gartenbau und Weinbau betreibt oder als Jäger Verantwortung für die Wildtiere trägt, hat gänzlich andere Nutzungsinteressen als die Spaziergänger und Wanderer mit Kindern und Hunden. Damit beide Seiten Äcker, Weinberge, Wiesen und Wälder ihren Ansprüchen gerecht nutzen können, braucht es Verständnis für dasVis-à-vis. Um dieses Verständnis bemühen sich seit 2019 die LK Wien, die Stadt Wien und der Wiener Landesjagdverband, indem sie mit Infosignalethiktafeln aufklären und so das Bewusstsein für die Stadtlandwirtschaft, die Jagd und die Umwelt schärfen. Es ist sehr zu begrüßen, dass die Schilder-Initiative, die vor vier Jahren im Bezirk Donaustadt begonnen hat, nun auf ganz Wien ausgeweitet wird“, erklärte dazu Wiens Landwirtschaftskammer-Präsident Norbert Walter.

Der Bioanteil in der Wiener Stadtlandwirtschaft nimmt seit Jahren stetig zu. Wiens Lebensqualität hänge aber auch mit einem Grünraumanteil von über 50 Prozent zusammen: „Große Teile des grünen Wiens sind für die einen Arbeitsplatz, für die anderen hingegen Raum für Freizeit und Erholung“, so Czernohorszky.

Um hier möglichen Konflikten aus dem Weg zu gehen, werben die Stadt Wien, die Landwirtschaftskammer Wien und der Wiener Landesjagdverband seit rund fünf Jahren mit „Infosignalethiktafeln“ erfolgreich um Verständnis bei Spaziergängern und Freizeitsportlern. „Diese Aktion wird nun in ganz Wien ausgerollt und trägt wesentlich dazu bei, das friktionsfreie Zusammenleben von nichtbäuerlicher Bevölkerung und Stadtlandwirtschaft abzusichern!“

„Wenn es zwischen der erholungssuchenden Bevölkerung und der Landwirtschaft bzw. der Jagd zu Konflikten kommt, ist das oft auf fehlendes Wissen über die Notwendigkeiten, Abläufe und Arbeitsprozesse in diesen Bereichen zurückzuführen. Hier sollen die Infosignalethiktafeln Aufklärung schaffen und somit das Verständnis fördern. Vielen ist beispielsweise nicht bewusst, dass ein Hund die notwendige Ruhe der Wildtiere erheblich stören kann. Es ist oft auch unbekannt, dass Hundekot in der Wiese oder weggeworfene Zigarettenstummel in den Feldern die Böden vergiften und das Futter verderben. Und auch die Gefahren für Dritte beim Maschineneinsatz auf den Feldern oder im Wald werden vielfach unterschätzt. Daher wollen wir mit diesen Hinweistafeln einen schonenden Umgang mit der agrarisch und jagdlich geprägten Wiener Landschaft fördern. Ein gutes Miteinander funktioniert nur, wenn dabei auch wichtige Regeln beachtet werden und sich alle fair verhalten“, so Dipl.-Ing. Herbert Weidinger stv. Forstdirektor der MA 49 Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien.

Insgesamt wurden im gesamten Wiener Produktionsgebiet bereits 326 Tafeln aufgestellt, um ein besseres Miteinander von Landbewirtschaftenden, Jäger und Erholungssuchenden zu erzielen. Die Infosignalethiktafeln setzen nicht auf den erhobenen Zeigefinder, sondern auf positive Verstärkung von gewünschtem Verhalten. Sie sind nicht belehrend, sondern belohnend. Indirekt wird damit über Zusammenhänge und Notwendigkeiten informiert.

Worauf weisen die Tafeln hin?

  • Littering vermeiden (Müll, Zigarettenstummel)
  • Hunde an die Leine nehmen, Hundekot einsammeln („Sackerl“), Wild schonen
  • Landwirtschaftlich bewirtschaftete Flächen: Wege nicht verlassen, nichts pflücken (Weintrauben, Obst, Blumen, Gemüse etc.)
  • Temporäre Hinweise bei Maschineneinsatz beachten (Ernte, Düngung, Waldarbeiten, Pflanzenschutz etc.)

„Mit diesen Tafeln rufen die Standlandwirtschaft und die Jägerschaft auch zu mehr Respekt vor der Natur und vor fremdem Eigentum auf. Respektlosigkeit, oft auch aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit beginnt, wenn Spaziergeher quer durch bewirtschaftete Äcker marschieren, um eine Abkürzung zu nehmen oder wenn Wanderer Weintrauben, Obst und Gemüse pflücken, und endet mit dem Ablagern von Müll in Feldern, Wiesen oder im Wald. Solche Konfliktsituationen sollen durch diese Aktion vermieden werden“, so Walter abschließend.