Schleifgasse soll zur Promenade werden

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Auch die Grünen präsentierten 2020 einen Entwurf zur Neugestaltung der Schleifgasse (von der Angerer Straße aus gesehen). Bild: Grüne Floridsdorf.
Auch die Grünen präsentierten 2020 einen Entwurf zur Neugestaltung der Schleifgasse (von der Angerer Straße aus gesehen). Bild: Grüne Floridsdorf.

Die Schleifgasse (vom Markt Richtung Bahnhof) wird neu gestaltet. Und Eines lässt sich jetzt schon sagen: Die Zukunft wird weitgehend autofrei. Zumindest was die Zahl der Parkplätze betrifft.

Mittels Bürgerbefragung wurden 3.350 Haushalte angeschrieben. Die Ergebnisse wertet die Gebietsbetreuung (GB) aus. Bezirksvorsteher Georg Papai über das Feedback: „Bäume und Sitzgelegenheiten sind stark nachgefragt. Parkplätze sind demnach nicht das wichtigste Assett.“ Im GB-Büro kann man sich auch die drei vorgeschlagenen Szenarien ansehen. Fix ist: In jeder Variante gibt es weniger Parkplätze. Für Floridsdorfer Verhältnisse radikal weniger.

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Die Schleifgasse ist nur 200 Meter lang, die Pläne sorgen aber für Diskussion. Die Intentionen beschreibt Fabian Mayrhofer, Projektleiter bei der GB: „Wir beobachteten, dass man hier kaum schlendert, sondern Meter macht – auf dem Weg in die Arbeit, zum Einkaufen oder zur U-Bahn. Einen gemütlichen Verweilort zum Sitzen und Plaudern oder Gelegenheiten zum unterwegs Spielen sucht man derzeit vergebens. Dafür soll nun Platz geschaffen werden.“

Platz auf Kosten der Parkplätze. Die Gebietsbetreuung hat erhoben, wie sich die Stellplatzauslastung seit Einführung des Parkpickerls im März entwickelt hat. Bilanz: In der Schleifgasse sind nun von 60 Parkplätzen 14 bis 16 frei. Im umliegenden Grätzl wesentlich mehr. Auch Marktkunden finden nun leicht einen Stellplatz. Vorher war das Grätzl dicht verparkt.

Allen vorgestellten Szenarien gemeinsam ist das Motto ‘Alles auf einer Ebene’ ähnlich einer Begegnungszone. Mehr Aufenthaltsflächen, mehr Bäume, weniger Parkplätze. In der ‘Light’-Variante gäbe es statt sechs, dann 24 Bäume und statt 60 nur noch neun Parkplätze. Dafür Bänke, bessere Fuß- und Radwege, etc. Eine Verlängerung der (Pius-Parsch-) Promenade vom Bahnhof zur Angerer Straße.

Visualisierung aus den Voruntersuchungen für die Umgestaltung. Bild: KaLo/BV21.
Visualisierung aus den Voruntersuchungen für die Umgestaltung. Bild: KaLo/BV21.

In der ‘Variante +’ sind es gesamt 21 Bäume und 22 Stellplätze – mehr Park- und weniger Aufenthaltsfläche. Und in der ‘Intensiv’-Variante 24 Bäume und 16 Stellplätze. In allen Szenarien darf die Schleifgasse weiter befahren werden (das Tempolimit ist offen), was auch derzeit schon hauptsächlich die Anrainer machen. Bei einer Umgestaltung werden eventuell gleich die Ecken mit der Weisselgasse miteinbezogen. Details müssen beachtet werden: Der Gehsteig entlang des Lötsch-Hofs gehört Wiener Wohnen.

Egal, welches Szenario es letztlich wird: Für Floridsdorfer Verhältnisse ist das ein mutiges Konzept. Wurde doch bislang um jeden Parkplatz verbissen gekämpft. Und Radwege oder Mehrzweckstreifen komplett sinnbefreit ‘reingezwängt’, wie auf der Leopoldauer Straße und der Rußbergstraße. Selbst im Parkplatz-freundlichsten Szenario gingen 38 von 60 Stellplätzen verloren. Das sind 64 %, die sich auf 85% in der Variante light erhöhen. Papai: „Da das Parkpickerl offenbar funktioniert, kann man den Mut haben, den Raum zu nutzen. Und zwar so, wie es die Floridsdorfer wünschen.“

Bezirksvorsteher Georg Papai in der Schleifgasse. Bild: BV21.
Bezirksvorsteher Georg Papai in der Schleifgasse. Bild: BV21.

Der zielgruppenspezifische Aufschrei ist dennoch vorprogrammiert. Die FPÖ stellt klar, dass letztlich die Anrainer entscheiden, ist aber wenig glücklich über die angebotenen Auswahlmöglichkeiten. Klubobmann Karl Mareda: „Es kann nicht sein, dass nur Szenarien mit mehr als 50% Parkplatzverlust präsentiert werden. Auch der Ist-Zustand sollte ein mögliches Szenario sein. Die Art der Bürgerbeteiligung ist nordkoreanisch und skandalös.“

Papai (Bild) meint, „in einem wachsenden Bezirk wie Floridsdorf erlangen öffentliche Räume immer größere Bedeutung. Auch ein Straßenraum wie die Schleifgasse muss unterschiedliche Anforderungen und Funktionen erfüllen. Ich sehe viel Potential, das ich gemeinsam mit den Anrainern und den Gewerbetreibenden ausschöpfen möchte!“
Los gehen soll es 2023. Auch eine Kostenschätzung für die Neugestaltung der Schleifgasse liegt bereits vor: Eine Million für Straßenbau, 300.000 Euro für Grünraumgestaltung, plus Beleuchtung, etc. Übrigens wurde auch die Möglichkeit einer Fußgängerzone geprüft, aber von der MA46 abgelehnt. Wird eine der drei Szenarien ‘Alles auf einer Ebene’ umgesetzt, wäre die Schleifgasse de facto eine Begegnungszone. So will das aber zumindest offiziell niemand bezeichnen. -Hannes Neumayer