Schnellbahn: Ab Herbst immer wieder Streckensperre für Sanierungen

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Schnellbahn in Floridsdorf. Bild: Fotostudio Vodicka.
Schnellbahn in Floridsdorf. Bild: Fotostudio Vodicka.

Die Ostregion wächst: Nirgendwo sonst in Österreich steigen die Fahrgastzahlen so stark wie hier. Um mit diesem Wachstum Schritt zu halten, muss auch das Öffi-Angebot ausgebaut und verbessert werden. Mit dem S-Bahn Wien Upgrade investieren die ÖBB, das Klimaschutzministerium und die Stadt Wien in die Zukunft der S-Bahn Nahverkehrsstrecken in und um Wien. Bis Ende 2027 wird die Wiener Stammstrecke modernisiert, die ersten Baumaßnahmen für die moderne, digitale S-Bahn starten im Herbst 2023.

Das Erfolgsmodell S-Bahn Wien ist heute nicht mehr wegzudenken. 1962 eröffnet, ist die S-Bahn Wien Stammstrecke für die Wiener:innen und die Pendler aus Niederösterreich eine wichtige Nahverkehrsader durch Wien und das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs über die Stadtgrenzen hinaus. Die Strecke verläuft zwischen Wien Meidling im Süden und Wien Floridsdorf im Norden der Stadt. Einzelne Abschnitte der S-Bahn Wien Stammstrecke werden bereits seit rd. 150 Jahren befahren – Zeit für ein umfassendes Upgrade.

An die 700 Züge rollen täglich über die beliebte rosa S-Bahn-Linie. Mit rund 250.000 Reisenden pro Werktag ist sie die meistbefahrene Nahverkehrsstrecke in Österreich. Doch auch das beste System stößt irgendwann an seine Grenzen. Die ÖBB-Infrastruktur AG richtet den Blick in die Zukunft. Um Bahnkund*innen auch weiterhin zuverlässig und komfortabel an ihr Ziel zu bringen, werden die Strecke sowie die bautechnischen Anlagen bis Ende 2027 umfassend modernisiert.

Maßnahmen:

  • Die digitale S-Bahn von morgen

Herzstück ist die Umstellung auf die digitale S-Bahn von morgen. Mit dem Zugsicherungssystem ETCS Level 2 (European Train Control System) wird die neueste Technologie für den Bahnbetrieb implementiert. Das System kontrolliert Fahrtrichtung und Geschwindigkeit von Zügen sowie deren Abstände zueinander. Damit werden die technischen Voraussetzungen für einen dichteren Takt von 2,5 Minuten zur Hauptverkehrszeit in Wien und kürzere Wartezeit geschaffen. Verspätungen lassen sich leichter aufholen und Störungen werden reduziert. Die Wartungsarbeiten und damit verbundene Einschränkungen für die Fahrgäste werden geringer.

  • Verlängerung von Bahnsteigen

Durch die Verlängerung von Bahnsteigen wird es in Zukunft möglich sein, moderne und längere Nahverkehrszüge einzusetzen. Längere Züge bieten mehr Platz und Komfort für Bahnkund:innen. Das Sitzplatzangebot steigt dadurch bis 2028 um 40 Prozent. Öffi-Fahren wird so noch attraktiver, wodurch der Umstieg auf die nachhaltige Bahn attraktiver wird.

  • Modernisierung von Bau- und Tragwerken

Durch die Modernisierung von Bau- und Tragwerken wie Viadukten, Brücken, Tunnel und Stützmauern wird die Strecke für die wachsenden Anforderungen zukunftsfit. Denn die Prognosen zeigen, die S-Bahn Wien Stammstrecke auch weiterhin die Nummer Eins unter den S-Bahn-Strecken bleibt. 

  • Erneuerung der Schieneninfrastruktur

Investitionen in neue Gleise, Weichen, Oberleitungen und die Errichtung neuer Abstell- und Wendeanlagen sichern langfristig einen sicheren und pünktlichen Bahnbetrieb.

Der Zeitplan

Die Erneuerung der S-Bahn Wien Stammstrecke erfolgt zwischen Herbst 2023 und Dezember 2027:

  • Abschnitt Floridsdorf bis Praterstern (Herbst 2023 bis Sommer 2026)

Die ersten Bauarbeiten starten im Herbst 2023 im Abschnitt Nord (Wien Floridsdorf – Wien Praterstern). In den Stationen werden Bahnsteige auf 220 Meter verlängert. Bei der Station Wien Handelskai wird ein neuer Haltestellenausgang errichtet und der Vorplatz modernisiert, bei Wien Traisengasse wird ein Ausgang verlegt. Arbeiten, die nicht bei aufrechtem Betrieb durchgeführt werden können, werden in den Sommermonaten gebündelt abgewickelt. Im Abschnitt zwischen Wien Floridsdorf und Wien Praterstern werden im Juli und August 2024, 2025 und 2026 keine Züge fahren. 

  • Abschnitt Praterstern bis Wien Meidling (Herbst 2025 bis Dezember 2027)

Die Hauptbauarbeiten finden zwischen Herbst 2025 und Herbst 2027 statt. In diesen zwei Jahren werden die Bau- und Tragwerke im Abschnitt Wien Praterstern bis Wien Hauptbahnhof erneuert. Viadukte, Brücken, Stützmauern und die Schieneninfrastruktur erhalten ein Upgrade, um für das Verkehrsaufkommen von morgen gerüstet zu sein. Zwischen September 2026 und Oktober 2027 ist dafür eine Streckensperre zwischen Wien Praterstern und Wien Hauptbahnhof erforderlich. Ende 2027 erfolgen dann noch im Abschnitt Wien Rennweg bis Wien Meidling die letzten Verbesserungsmaßnahmen an den Gleisanlagen. Die S-Bahn-Gleise sind in dieser Zeit nicht befahrbar. Die Südstrecke wird für den Fernverkehr weiterhin bis Wien Hauptbahnhof im Normalbetrieb befahrbar sein.

Rascher und sicherer Bau erfordert Streckensperren

Die Sicherheit der Fahrgäste hat oberste Priorität. Manche umfangreiche Bauarbeiten sind bei aufrechtem Bahnbetrieb nicht umsetzbar. Sie werden gebündelt und in möglichst kurzer Zeit abgewickelt. Das erfordert Streckensperren. Wo dies möglich ist, finden solche in den fahrgastärmeren Sommermonaten statt. Für die Hauptbaumaßnahmen zwischen Wien Praterstern und Wien Hauptbahnhof ist eine 14-monatige Sperre von September 2026 bis Oktober 2027 notwendig. 

Ersatzverkehrskonzept für individuelle Planungssicherheit

Um die Auswirkungen für Bahnkund*innen und Pendler*innen so gering als möglich zu halten, arbeiten die ÖBB, die Stadt Wien und die Wiener Linien in enger Abstimmung an der Erstellung eines umfassenden Ersatzverkehrskonzeptes. Auch andere Wiener Baustellen, die vielfältigen Mobilitätsformen der Bevölkerung und die Auswirkungen auf das Gesamtverkehrs-System werden dabei berücksichtigt. Ziel ist es, den betroffenen Kund*innen frühzeitige und individuelle Planungssicherheit zu bieten. Detaillierte Informationen zu den betroffenen Verbindungen, Ersatzverkehren oder Umsteigemöglichkeiten werden der Öffentlichkeit und den Medien rechtzeitig vor der ersten Sommersperre 2024 präsentiert. Kontaktmöglichkeiten und allgemeine Informationen zum S-Bahn Wien – Upgrade sowie dem Bauprojekt S-Bahn Wien – Stammstrecke sind auch auf der Website s-bahn.wien abrufbar. 

Mehr S-Bahn-Qualität auf 170 Kilometer Streckennetz

Neben der Modernisierung und Digitalisierung der Wiener Stammstrecke werden auch an der Nordbahn, der Nordwestbahn und der Südstrecke Bahnsteige verlängert und Abstell- und Wendeanlagen errichtet. Insgesamt werden mit dem Upgrade Optimierungen auf 170 Kilometern Streckennetz vorgenommen, die alle eng ineinandergreifen. Mit Anlagen und Systemen am neuesten Stand der Technik werden die Weichen für die Zukunft gestellt: Mehr S-Bahn-Qualität und eine erhöhte Zuverlässigkeit im Gesamtsystem für die Ostregion.

Bürgermeister Ludwig: Lebensqualität für Wien 

„Mit einem attraktiven Angebot werden die Menschen – insbesondere auch die Pendlerinnen und Pendler – zum Umsteigen auf die Öffis motiviert und je mehr Wege die Wiener­innen und Wiener, aber auch die Menschen, die zum Arbeiten in unsere Stadt kommen, mit den Öffis zurücklegen, desto besser für Umwelt und Klima“, erläutert Bürgermeister Michael Ludwig.