
Mit fast zehn Jahren Verspätung ist es soweit: Vom Spitz weg entsteht auf der Brünner Straße ein Zweirichtungsradweg. Die DFZ hat zum Baustart nochmals alle Informationen zusammengetragen.
Zu Beginn ein kleiner Rückblick: 2017 berichtete die DFZ mit dem Titel „Aufstand gegen Vassilakous Radweg“ über einen fix und fertig geplanten Radweg auf der Brünner Straße. Der Aufstand der Wirtschaftskammer und im Bezirk der SPÖ wie der FPÖ hatte Erfolg. Der unter der Ägide der damaligen Stadträtin Maria Vassilakou (Grüne) forcierte Radweg wurde nie errichtet. Treppenwitz der Geschichte: Der jetzt von der Mobilitätsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) vorgestellte Plan ist wesentlich radfahrer-freundlicher als jener 2017!
Oder – je nach Sichtweise – autofahrer-feindlich. Oder ganz anders formuliert: Dem geänderten Mobilitätsverhalten der Floridsdorfer und deren Wünschen angepasst. Jedenfalls: in Summe gehen wohl circa 55 Parkplätze verloren. Auf der rechten Seite der Brünner Straße sind es 65. Aber auf der linken Seite werden gegenüber des Eisgeschäfts der Peruginis und bei der Bücherei laut Plan 14 neue Parkplätze geschaffen.
Radweg Brünner Straße: Die Details:
Auf der Brünner Straße wird zwischen Am Spitz und Karl-Schäfer-Straße ein baulich vom Autoverkehr getrennter Zweirichtungsradweg gebaut. „Damit kann die Stadt Wien eine große Lücke im Radwegenetz im Herzen von Floridsdorf schließen, wo es bisher großteils keinerlei Radinfrastruktur gibt“, so Sima. Der 1.060 Meter lange Radweg soll im Süden komfortabel und direkt an den neuen, breiten Zweirichtungsradweg auf der Floridsdorfer Hauptstraße anschließen. Das sind von der Floridsdorfer Brücke über den Spitz und die Klinik Floridsdorf bis zur Shuttleworthstraße zwei Kilometer Radweg.

nach der Weisselgasse aussehen. Bild: zoom.vp / Mobilitätsagentur.
Für die rund 80 betroffenen Betriebe wird das laut Wirtschaftskammer eine „erhebliche Herausforderung“: Denn auf der rechten Straßenseite wird es keine Ladezonen mehr geben. Für Lieferungen müssen die gegenüberliegende Seite, die Angerer Straße oder neue Ladezonen in Seitengassen benutzt werden. Übrigens: Nicht ein einziger Wirtschaftstreibender hat die Möglichkeit für eine Stellungnahme wahrgenommen.
Der Taxi-Standplatz bei der Trafik im Schlingerhof wird wohl in die Peitlgasse bei Blumen Regina verlegt. Die VOR-Busstationen werden, weil laut Betreiber ohnehin nicht benötigt, ersatzlos aufgelassen. Rad- und Motorradplätze kommen in Seitengassen. Beim Lötsch-Hof rückt man in den Grünstreifen, hier wird es weiter einige Parkplätze geben.
Insgesamt werden auf der linken Seite 23 neue Bäume gesetzt und knapp 300 m2 neue Grünflächen geschaffen. Fünf Bäume wird es gleich nach dem Holzmann geben. Zusätzlich wird die Fahrbahn saniert und es kommen Gehsteigvorziehungen. Die eineinhalb Spuren bei der Katsushikastraße werden auf eine verschmälert, der rote Radstreifen stadteinwärts kommt weg.
Die Vorarbeiten auf der linken Straßenseite sind bereits gestartet, in wenigen Tagen soll es einen Spatenstich mit Sima geben. Die Arbeiten finden in mehreren Bauphasen statt: Beim Eisgeschäft erst ab Oktober, um nicht durch Baustellenlärm und Staub das Saisongeschäft zu vermiesen. Die Peruginis rechnen langfristig dennoch mit einem Umsatzrückgang. Sie haben eine Abgrenzung vor ihrem Eissalon, ähnlich wie vor Schulen beantragt, um Konflikte mit dem Radweg zu vermeiden. Die Gesamtkosten betragen 6,6 Mio. Euro, aufgeteilt auf drei Jahre.

Übrigens: Durch Alternativrouten mit echten baulich getrennten Radwegen parallel zur Brünner Straße etwa durch die Gerichtsgasse oder die Schleifgasse würden am Ende sogar mehr Parkplätze verloren gehen.
Geplant ist außerdem vom neuen Radweg in der Prager Straße bei der Kreuzung mit der Hermann-Bahr-Straße eine Verbindung zur Gerichtsgasse zu schaffen. Ein kurzes Stück in der Leopold-Ferstl-Gasse ist fertig.
Experten verweisen bezüglich der Parkplätze darauf, dass jene auf der Brünner Straße fast ausschließlich in einer Kurzparkzone liegen oder Ladezonen seien: Also ohnehin keine Dauerabstellplätze. Und beim Umbau der Schleifgasse gingen vor zwei Jahren auch 60 Parkplätze verloren – großen Aufschrei gab es keinen.
Auch für Einsatzkräfte werden keine Beeinträchtigungen erwartet. Im äußersten Notfall kann eine Feuerwehr oder Rettung einen Radweg nutzen, über parkende Autos können sie nicht fahren!

FPÖ-Gemeinderat Thomas Kreutzinger ortet „eine Parkplatzvernichtung der Extraklasse in Floridsdorf. Einen Mehrwert für Bürger und Wirtschaftstreibende im Bezirk kann ich nicht erkennen.“

Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ, Bild links) sieht „Sicherheit und Lückenschluss“ als Ziel der Bezirksrsadwegoffensive: „Die 2025 fertiggestellte Leopoldauer Straße ist ein gutes Beispiel dafür. Die Brünner Straße wird heuer diesem Beispiel folgen!“
Details gibt es auch in unserer aktuellen Podcast-Folge unter podcast.dfz21.at -Hannes Neumayer













