Montag, 18. Mai, 2026
Start 4/2026 So wurde Wien geplant!

So wurde Wien geplant!

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Grafik aus dem Planungsatlas zum Donaufeld. Bild: Planungsatlas.
Grafik aus dem Planungsatlas zum Donaufeld. Bild: Planungsatlas.

Wie und wann wurde eigentlich ein Großteil des heutigen Wiener Stadtgebietes ge- und verplant? Nach welchem Muster wurden Straßenzüge angelegt und die Bebauung festgelegt? Antworten auf den prägenden Abschnitt 1867 bis 1918 gibt der neu erschienene Planungsatlas.

Das großformatige Mammutwerk (über 520 Seiten) liefert Einblicke in Entwicklungen von Planungskonzepten für den Zeitraum zwischen 1867 und 1918. Während es viele Analysen, Werke und Bücher zum Wandel der kleinen, von Festungsbauten eingeschlossenen, barocken Residenzstadt, zur Umgestaltung des Glacis und des Entstehens der Ringstraße und ihrer Prachtgebäude gibt, gilt das weit weniger für die Vororte und Vorstädte. In der geografischen Festlegung auf mehr oder weniger das gesamte heutige Stadtgebiet liegt auch eine der Qualitäten des Planungsatlas.

Übersichtlich gegliedert in vier geografische Einheiten und darin in die einzelnen Bezirke, werden Planungsgebiete anhand vieler Originalquellen vorgestellt. Jeweils ab ihrer Zugehörigkeit zu Wien. „Wien ist eine Stadt, die konzentrisch erweitert wurde, nicht im orthogonalen Raster, der für viele Gründungsstädte oder Kolonialstädte typisch ist“, wie Renate Banik-Schweitzer in ihrem ,Planungsatlas Wien 1867–1918‘ bemerkt. Wurde zunächst oft streng nach dem ,Manhattan‘-Typ rastererartig geplant (etwa beim Handelskai), wurden später „zur leichteren Erschließung des hügeligen Geländes im Westen der Vorortbezirke nach 1883 zunehmend auch gebogene Straßenverläufe akzeptiert“.

Wichtigste Quelle für das Buch ist der Nachlass des ehemaligen Wiener Stadtbaudirektors Heinrich Goldemund (1863 bis 1947).

Die dritte Erweiterung des Wiener Gemeindegebietes erfolgte in den Jahren 1904 und 1910 mit der Einverleibung der Großgemeinde Floridsdorf – noch mit vielen Gemeinden des heutigen 22. Bezirks: „Wien lag nicht mehr nur am Donaukanal, sondern der Donaustrom floss mitten durch das erweiterte Stadtgebiet.“ Goldemund in seinen im Buch zitierten Erinnerungen: „Auch die Ideen des Wald- und Wiesengürtels und reichliche öffentliche Gartenanlagen in diesem Gebiete durchzuführen waren, neben der Hauptidee, der Schaffung eines Hauptindustriegebietes für Wien, die Grundlinien für die Regulierung dieses Stadtteils.“ Außerdem sollte es an den Randzonen oasenartig große Flächen für Gemüseanbau geben, um den Wiener Markt „in ausreichenden Mengen mit diesen wichtigen Nahrungsmitteln“ zu beliefern.

Neben einer ausgezeichneten Einleitung, bietet das großformatige Buch unzählige wenig bekannte Skizzen und Pläne und durch Originalquellen einen großartigen Einblick in die Gedankenwelt der Planer und Behörden. -Hannes Neumayer

Info: Renate Banik-Schweitzer: Planungsatlas Wien 1867–1918 – Lokale Regulierungspläne und zeitgenössische Analysen. – Birkhäuser, 2025.