
Jetzt ist es fix: Mit Beginn 2028 wird der Steinitzsteg für Radfahrer und Fußgänger für vier Jahre komplett gesperrt. Heute wurden die Ausweichrouten über die Floridsdorfer Brücke mit zwei neu zu bauenden Radwegen im 21. und 21. Bezirk präsentiert. So soll der Zeitverlust im niedrigen Minutenbereich gehalten werden.
Die in Zuständigkeit der ASFINAG liegende Nordbrücke ist als Autobahn mit 110.000 KFZ pro Tag eine der am stärksten befahrenen Donauquerungen Wiens. Sie wurde Anfang der 1960er Jahre errichtet und muss nun im Sinne der Verkehrssicherheit generalsaniert werden, die letzte Instandsetzung ist über 30 Jahre her. Damals wurde der parallel führende Steinitzsteg vom Bund als Ausweichroute für den KFZ-Verkehr errichtet und danach vereinbarungsgemäß an die Stadt Wien zur Nutzung als kombinierter Rad- und Fußgängerbrücke übergeben. Auflage war, den Steinitzsteg im Bedarfsfall von notwendigen Sanierungen der Nordbrücke wieder der ASFINAG zur Verfügung zu stellen, was ab 2028 schlagend wird. Richtig ist aber auch: Der Steinitzsteg sollte nach sden Arbeiten in den Neunzigern wieder abgerissen werden, die Bezirksvorsteher der Bezirke 20 und 21 sorgen mit ihrem Einsatz für den Erhalt. Für Fußgänger und Radfahrer.
Der Exklusivbericht der Floridsdorfer Zeitung über die geplante Totalsperre im November 2024 sorgte für Schockwellen, speziell bei Radfahrern. Stadt Wien und ASFINAG haben nun in intensiven Gesprächen und Planungen gemeinsam eine Ersatzradverbindung über die Floridsdorfer Brücke konzipiert. Dafür werden ab 2027 zwei neue, baulich getrennte Radwege auf der Adalbert-Stifter-Straße im 20. Bezirk und auf der Floridsdorfer Hauptstraße im 21. Bezirk errichtet und ans bestehende Radwegenetz angebunden. Damit wird die Route über die Floridsdorfer Brücke aufgewertet, die dann auch über die Zeit der Sanierung hinaus eine attraktive Verbindung zwischen den Bezirken darstellt. In Floridsdorf ist das im Prinzip die Abfahrt von der Floridsdorfer Brücke: Die Berg- und Talfahrt durch den Wasserpark ist in 18 Monaten Geschichte.
Stadt Wien und ASFINAG haben im Vorfeld sämtliche Alternativen zur Nutzung des Steinitzstegs eingehend geprüft. Die beste Lösung für eine Alternativroute führt Radfahrer*innen künftig über die Floridsdorfer Brücke – alle anderen Varianten bringen keine Vorteile oder sind schlicht nicht finanzierbar. Zu berücksichtigen gilt: Der Steinitzsteg überwindet gleichzeitig eine Vielzahl von Barrieren. Von Osten nach Westen sind dies:
- die sechsspurige Donauuferautobahn (A22) inklusive Rampen,
- die Neue Donau,
- der Donau Hauptstrom, der von der Schifffahrt genutzt wird,
- die von der S45 und dem Güterverkehr genutzte Donauuferbahn mit mehreren Neben- und Ladegleisen sowie
- die Rampen des Autobahnknoten Nussdorf.
Dazwischen existieren teils meterhohe Lärmschutzwände und steile Böschungen, die ebenfalls Barrieren darstellen. Ein weiterer Brückenneubau wäre aufgrund dieser zahlreichen zu querenden Hindernisse hoch komplex und würde 70 bis 90 Mio. Euro kosten – das ist in Zeiten akuten Spardrucks nicht umsetzbar. Eine Pontonbrücke stellt ebenfalls keine praktikable Lösung dar, da diese wegen des Donauschiffsverkehres nur über die Neue Donau führen könnte – und selbst wenn man den Hauptstrom z. B. mit einer Fähre überwindet, würden Lärmschutzwand, Gleise und Autobahnrampen unüberwindliche Barrien darstellen, die umfahren werden müssten. Eine Fähre ist zudem mit langen Wartezeiten verbunden, mit der geplante Alternativroute über die Floridsdorfer Brücke ist man deutlich schneller am Ziel.
Öffis dürfen nicht ausgebremst werden
Ein Offenhalten des Steinitzstegs für Radler*innen während der Sanierung ist keine Option: Eine KFZ-Verkehrsführung ohne Nutzung des Steinitzstegs würde zu einem dramatischen Rückstau und einer umfassenden Verdrängung des Autoverkehrs auf die umliegenden Bezirke führen. Das betrifft dann massiv die Öffis: Straßenbahnen und Busse würden ausgebremst – ein No-Go für die Stadt Wien. Und auch die Idee, den Steinitzsteg nur mit einer KFZ-Fahrspur und einem Fahrstreifen für den Rad- und Fußverkehr zu nutzen, ist keine Alternative: Rad- und Fußverkehr müssten aus Sicherheitsgründen durch Betonleitwände vom KFZ-Verkehr getrennt werden, die Bildung einer Rettungsgasse wäre im Notfall unmöglich. Außerdem wäre auch hier der Rückstau und die Verdrängung des Autoverkehrs in die Bezirke massiv, inklusive Behinderung des öffentlichen Verkehrs.
Komfortable neue Radwegverbindung zwischen 20. und 21. Bezirk
Die alternative Radroute zum Steinitzsteg wird über die Floridsdorfer Brücke führen. Dazu wird im 20. Bezirk auf der Adalbert-Stifter-Straße ein neuer, baulich getrennter Zwei-Richtungs-Radweg errichtet. Dieser verbindet den bestehenden Radweg auf der Floridsdorfer Brücke mit dem 2023 erbauten, komfortablen Zwei-Richtungs-Radweg entlang von Lorenz-Müller-Gasse und Heiligenstädter Brücke. Von dort geht es entweder weiter in Richtung 19. Bezirk über den neuen Radweg in der Gunoldstraße oder über die neuen, breiten Radfahrrampen von der Heiligenstädter Brücke hinunter zum Donaukanalradweg.
Auf der Floridsdorfer Seite wird die Radroute über einen neuen, baulich getrennten Zwei-Richtungs-Radweg auf der Floridsdorfer Hauptstraße bis zu Jedleseer Straße führen und dort an die neu errichteten Radwege auf der Floridsdorfer Hauptstraße anschließen. Ab dort geht es weiter zum neuen Radweg auf der Prager und dem kurz vor Baustart befindlichen Radweg auf der Brünner Straße. Dieses Leuchtturmprojekt verbindet wiederum mehrere Radwege der Radwegoffensive der vergangenen Jahre in Floridsdorf miteinander, etwa Angerer Straße, Leopoldauer Straße und Prager Straße. Außerdem wird eine direkte Abfahrt von der Floridsdorfer Brücke auf die Uferwege auf der linken Seite der Neuen Donau schaffen werden. Dafür wird am Rollerdamm das Fahrradfahren erlaubt werden. Dadurch muss ich als Radler:in nicht auf der Jedleseer Straße fahren.
Insgesamt entsteht mit den neuen Radwegen eine baulich getrennte, sichere und komfortable Radwegverbindung zwischen 20. und 21. Bezirk bzw. vom Donaukanal bis auf die Donauinsel bis in das Zentrum von Floridsdorf und darüber hinaus.
„Baustellen sind leider nie angenehm, aber oft notwendig – vor allem, wenn es um die Sicherheit geht. Da die ASFINAG einen Rechtsanspruch hat, den Steinitzsteg für die notwendigen Sanierungsarbeiten zu nutzen, braucht es eine Ersatzroute. Uns war es ein zentrales Anliegen, eine hochwertige und sichere Alternative für den Radverkehr zur Verfügung zu stellen. Gemeinsam mit der ASFINAG, den angrenzenden Bezirken Brigittenau und Floridsdorf sowie den Dienststellen der Stadt ist dies gelungen. Die Ersatzradverbindung über die Floridsdorfer Brücke wird mit den neuen Radwegen in der Floridsdorfer Hauptstraße und der Adalbert-Stifter-Straße Sicherheit und Komfort bieten und das Radwegenetz Wiens dauerhaft erweitern und verbessern. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten, die hier sehr intensiv alle Alternativen geprüft und die beste herausgearbeitet haben, und natürlich auch bei der ASFINAG, die die neuen Radwege erfreulicherweise mitfinanziert“, erklärt Wiens Mobilitätsstadträtin Ulli Sima.
Der Bezirksvorsteher von Floridsdorf Georg Papai betont: „Neues kann erst entstehen, wenn davor leider auch Phasen der Belastung durchgestanden werden. Die Nordbrücke muss nun einmal instand gesetzt werden. Mit der vorliegenden Lösung ist es gelungen, die bestmögliche Variante zu finden, um eine funktionierende Ersatzroute für Radfahrer*innen anzubieten. Gleichzeitig schaffen wir damit die Voraussetzungen dafür, dass das Floridsdorfer Bezirkszentrum nicht im zusätzlichen Autoverkehr erstickt.“

„Mit rund 110.000 Fahrzeugen täglich gehört die Nordbrücke zu den meistbefahrenen Donauquerungen Wiens. Nach etwa 30 Jahren ist eine umfassende Generalsanierung notwendig, um die Sicherheit und Leistungsfähigkeit dauerhaft zu gewährleisten“, stellt ASFINAG-Geschäftsführer Andreas Fromm klar.
„Mir ist in diesem Zusammenhang wichtig, dass die Brigittenauer Radfahrer*innen auf ihren Wegen in und aus dem 20. Bezirk hinaus möglichst wenige Benachteiligungen erleiden müssen. In der Brigittenau setzten wir in erster Linie auf einen beschleunigten Öffentlichen Verkehr und im gleichen Maß auf Verkehrssicherheit. Es ist für mich von großer Bedeutung, dass die sehr unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer*innen das Gefühl haben, nicht gegenüber anderen hintangehalten zu werden. Ich glaube, die vorgestellte Lösung ermöglich es allen – nach einer Eingewöhnungsphase – mit ihrer bevorzugten Art von Mobilität voranzukommen“, so die Brigittenauer Bezirksvorsteherin Christine Dubravac-Widholm.
Zusätzliche Fahrzeit beträgt im Durchschnitt 2,5 Minuten
Wie bei baustellenbedingten Umleitungen üblich, kann eine etwas längere Fahrzeit nicht gänzlich vermieden werden. Die Alternativroute ist so ausgelegt, dass der Umweg so kurz wie möglich gehalten wird und gleichzeitig Leistungsfähigkeit und Sicherheit gewährleistet sind. Die zusätzliche Fahrzeit für Radfahrende bewegt sich – je nach Quelle und Ziel – zwischen 0 und 8 Minuten. Dazu fünf Beispiele gemessen anhand des VOR-Radroutenplaners:
1) Verbindung Prager Straße/Sinawastingasse –Donaukanal/Heiligenstädter Brücke
- Route über Steinitzsteg: 3.6 km, 16 Minuten
- Über Floridsdorfer Brücke und Adalbert-Stifter-Straße: 3.9 km, 17 Minuten (Bestand, noch ohne neue Radwege)
2) Verbindung Nußdorf – Donauinsel flussabwärts: Nußdorfer Markt zum Schulschiff
- Route über Steinitzsteg: 3 km, 13 Minuten Fahrzeit
- Über die Alternativroute Floridsdorfer Brücke: 2.9 km, 13 Minuten
3) Verbindung Skatehalle Floridsdorf – Friedensbrücke
- Route über Steinitzsteg: 8.5 km, 35 Minuten
- Über Floridsdorfer Brücke: 9.2 km, 38 Minuten
4) Verbindung Krottenbachstraße 30 (Radweg) – Klinik Floridsdorf
- Route über Steinitzsteg: 7 km, 30 Minuten
- Route über Floridsdorfer Brücke und neuen Radweg Brünner Straße: 7,1 km 30 Minuten
5) Verbindung Nußdorf – Friedhof Jedlesee
- Route über Steinitzsteg: 5 km, 21 Minuten
- Route über Floridsdorfer Brücke: 6.3 km, 27 Minuten






Komplexe Sanierung von 2028 bis 2031
Die Sanierung der Nordbrücke ist ein komplexes Vorhaben. Die Nordbrücke ist eine Stahlverbundbrücke. Diese Brücken haben als Tragkonstruktion Stahlträger und Stahlverstrebungen. Die Stahlhauptträger der Brücken müssen nun verstärkt werden. Die bestehenden Stahlteile haben zudem eine veraltete Beschichtung. Diese Beschichtung wird entfernt und durch neue und bessere, dem Stand der Technik entsprechende, ersetzt. Auf der Brückenoberseite werden die Abdichtung und der Asphalt sowie die Randbalken, die gesamte Brückenausrüstung (Fahrzeugrückhaltesysteme, Geländer und Brückenentwässerung) und die Straßenbeleuchtung und die Beschilderungen erneuert.
Bei der Sanierung werden auch die direkt anschließenden Rampen bearbeitet. Dabei werden schadhafte Betonstellen an den Pfeilern und Widerlagern instandgesetzt, die Brückenlager werden teilweise getauscht bzw. saniert und die Fahrbahnübergänge getauscht.
Nordbrücke bleibt während der Sanierung für KFZ befahrbar
Das hohe Verkehrsaufkommen und die Konstruktion der Nordbrücke erfordern es, während der Sanierung die zwei Fahrspuren Richtung Floridsdorf von der Nordbrücke auf den Steinitzsteg zu verlegen. Die beiden Fahrspuren der Richtungsfahrbahn Brigittenau auf der Nordbrücke werden in der Bauphase 1 (2028 – 2029) auf die Gegenfahrbahn verlegt. In der Bauphase 2 (2030 – 2031) werden die beiden Fahrspuren der Richtungsfahrbahn Brigittenau wieder wie im Bestand auf den dann bereits sanierten Brückenteil der Nordbrücke gelegt, dann wird auf der zweite Brückenhälfte gearbeitet.
Nach der Nutzung des Steinitzstegs durch die ASFINAG wird dieser wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand für die Nutzung als Geh- und Radweg gebracht und der Stadt übergeben.
Grüne Wien kritisieren präsentierte Umleitung als unzureichend
Die Stadt Wien hat heute ihre Ersatzroute für die jahrelange Sperre des Steinitzstegs präsentiert. Für die Grünen Wien ist klar: Eine Umleitung über die Floridsdorfer Brücke ist keine gleichwertige Lösung für eine der wichtigsten Donauquerungen im Norden Wiens. Das ist umso unverständlicher, als die Stadt nach der Kritik im Vorjahr selbst eine hochwertige Alternativroute versprochen hatte. „Der Steinitzsteg ist keine Freizeit-Nebenroute, sondern eine zentrale Verbindung für Alltagswege, Schulwege und klimafreundliche Mobilität im Norden Wiens. Wer diese Verbindung über Jahre kappt, benachteiligt und Radfahrende sowie Fußgänger:innen, die dann große Umwege in Kauf nehmen müssen. Der Autoverkehr hingegen darf auf dem bisherigen Radweg fahren“, so Kilian Stark, Mobilitätssprecher der Grünen Wien. „Die Stadt Wien darf sich nicht damit zufriedengeben, den Autoverkehr möglichst reibungslos umzuleiten und Radfahrende mit zweitbesten Lösungen abzuspeisen. Für Menschen, die täglich mit dem Rad unterwegs sind, zählen sichere, direkte und verlässliche Verbindungen – nicht schön gerechnete Umwege“, so Stark weiter.
Neue Radwege rund um die Floridsdorfer Brücke sind grundsätzlich sinnvoll, ersetzen aber nicht die direkte Donauquerung über den Steinitzsteg. In dieselbe Kerbe schlägt Heinz Berger, Klubobmann der Grünen Floridsdorf: “Die Ausweichrouten sind für den Fußverkehr ein absoluter Witz: Der Umweg von Jedlesee nach Döbling kostet fast eine halbe Stunde”.
Die Grünen fordern daher eine ernsthafte Nachbesserung des Konzepts: Die Stadt muss alle Optionen für eine möglichst durchgehende, sichere und direkte Querung für den Fuß- und Radverkehr prüfen und transparent darlegen. „Wer Klimaziele ernst nimmt, darf aktive Mobilität bei Baustellen nicht unter den Tisch fallen lassen. Radfahrende und Fußgänger:innen brauchen bei der Nordbrücken-Sanierung denselben Stellenwert wie der Autoverkehr“, so Stark und Berger abschließend.












