Stammersdorf: Aus für traditionelle Weinfeste?

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keine Weinfeste mehr in Wiens schönster Kellergasse. Symbolbild: Vodicka.
keine Weinfeste mehr in Wiens schönster Kellergasse. Symbolbild: Vodicka.
Stein

Stammersdorf. – Es ist eine echte Hiobsbotschaft: Nach zwei Jahren Pause für die Stammersdorfer Weinfeste ist auch das Mailüfterl wieder abgesagt. Aber nicht nur das: Den drei beliebten Festen im Floridsdorfer Weinort droht nun das endgültige Aus.

Regulär wäre Anfang Mai wieder das Mailüfterl in der Stammersdorfer Kellergasse an der Reihe: Doch wie Gerhard Spitzer (Bild) vom Veranstalter ‘Lebenswertes Floridsdorf’ bestätigt, musste neuerlich abgesagt werden. Zu hoch sind aktuell die Corona-Zahlen, zu unabschätzbar die Entwicklung in den nächsten Wochen. Spitzer: „Wir bräuchten ein aufwendiges Zugangssystem mit Kontrollen, das ist unmöglich zu stemmen.“

Die Weintage feierten 2016 25 Jahre-Jubiläum. Die letzte Veranstaltung vor der zweijährigen Corona-Pause waren die Stürmischen Tage im Oktober 2019.

Pandemie, Auflagen, Nachwuchs – Weinfeste mit Problemen

Die Pandemie erschwert die Umsetzung solcher Veranstaltungen. Auch weil in Wien meist strengere Regelungen als etwa bei einem Feuerwehrfest in Niederösterreich gelten. Die Besucherzahlen sind mit bis zu 25.000 in Stammersdorf auch wesentlich größer. Bei den Weintagen im Sommer im Ort sind die vielen Zutrittsmöglichkeiten noch schwerer kontrollierbar.

Die neuerliche Absage des Mailüfterls macht die Situation nicht leichter, bestätigt Spitzer: „Es melden sich viele Standler und fragen, wann und ob es wieder weitergeht. Weil wir das selber nicht wissen, sehen die sich natürlich nach Alternativen um.“ Nicht nur deshalb sind die Weinfeste nun überhaupt in Gefahr. Spitzer: „Es ist derzeit mehr als ungewiß, ob wir noch einmal eines der Weinfeste durchführen können!“

Gerhard Spitzer. Bild: Chillipictures.
Gerhard Spitzer. Bild: Chillipictures.

Denn auch für viele der Sponsoren und Werbepartner ist derzeit keine rosige Zeit. Mehrere sind bereits abgesprungen, neue nicht in Sicht. Dabei ginge es für eine Veranstaltung von dieser Größenordnung, Mailüfterl oder Stürmische Tage haben wienweite und überregionale Bedeutung, um ein vergleichsweise knappes Budget von etwa 30.000 Euro. Pro Jahr geht es also um maximal 100.000 Euro. Viel Geld für einen Einzelnen, im Vergleich zu anderen Großveranstaltungen (auch in Wien) lächerlich wenig. Das zeigt auch, mit wieviel Einsatz unzählige Freiwillige bislang mit an Bord waren und die Weinfeste im idyllischen Stammersdorf ermöglichten.

Ein weiterer Faktor: Dem Verein ‘Lebenswertes Floridsdorf’ fehlt der Nachwuchs oder wie es Spitzer ausdrückt: „Die Alten wollen und können nicht mehr mit dem gleichen Elan.“ Im Raum steht damit auch, dass ein neues junges und engagiertes Team übernehmen könnte.

Was niemand laut sagen will: Ausgerechnet das Engagement einiger Heurigenwirte bzw. Lokalbetreiber könnte zumindest in Einzelfällen schon mal üppiger sein. Wer sich schon einmal gefragt hat, warum die Kellergasse meist ein gutes Stück vor dem Senderparkplatz abgesperrt ist: Viele der oberen Betriebe wollen nicht mitmachen bzw. sich den finanziellen Beitrag nicht leisten.

Und wie sehen das die Stammersdorfer Weinbauern und Heurigenwirte? Deren Obmann Poldi Klager (im Bild mit Bezirksvorsteher Georg Papai) sieht „die Zukunft der Weinfeste hoffentlich positiv. Aber man muss das die Herren Veranstalter fragen. Offenbar hat der Herr Gemeinderat Spitzer mit den Kurzparkzonen zu viel zu tun und für uns keine Zeit.“ Eine Durchführung der Feste von den Winzern selbst schließt Klager aus: „Wenn ein Veranstalter, der organisatorisch eng mit dem Rathaus verbunden ist, die Weinfeste nicht derhebt, weil es in Wien so viele Vorschriften gibt, wie soll es ein kleiner Weinbauverein in Stammersdorf schaffen?“

Beuzirksvorsteher Georg Papai (links) und Stammersdorfs Winzer-Chef Poldi Klager. Bild: Chillipictures.
Beuzirksvorsteher Georg Papai (links) und Stammersdorfs Winzer-Chef Poldi Klager. Bild: Chillipictures.

Papai hält die Weinfeste für „eine Marke und ein Floridsdorfer Identifikationsmerkmal. Ich wäre traurig, gäbe es keine Weinfeste mehr. Aber manche Winzer sind ja bei den Festen gar nicht mit dabei. Es braucht definitiv mehr Eigeninitiative und Taten seitens der Winzer. Sonst wird es schwierig.“ -Hannes Neumayer