Dienstag, 6. Oktober, 2026
Start 10/2026 Stammersdorf: Familienbad schlägt Wellen

Stammersdorf: Familienbad schlägt Wellen

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Visualisierung für das Familienbad. Grafik: MA44.
Visualisierung für das Familienbad. Grafik: MA44.

Passend im Bademantel erschien Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ) gemeinsam mit dem neuen Wiener Bäder-Chef Rainer Hauswirth zur Bademantelsprechstunde. Ausgerechnet an der Wiese, auf der das neue Familienbad Stammersdorf entstehen soll. Es sollte kein Wohlfühltermin werden …

Zur Erinnerung: In der Edi-Finger-Straße soll auf 3.500 m² um knapp sechs Millionen Euro ein neues Familienbad, auch als Kinderfreibad bekannt, gebaut werden. Am aktuellen Standort in der Luckenschwemmgasse wird der Kindergarten gebaut, der eigentlich in der Edi-Finger-Straße vorgesehen war. 2026/27 wird das Bad in der Edi-Finger-Straße geplant, 2028 gebaut, 2029 eröffnet – so der Plan. Es sind ein Nichtschwimmer- und ein Lehrbecken, Rutsche, Duschen, WCs, Kabinen, ein Kinderspielplatz und Bäume geplant. In der Floridsdorfer Bezirksvertretung fiel ein Grundsatzbeschluss dafür – gegen Stimmen der FPÖ und ÖVP.

Da am aktuellen Standort des Familienbades ein dreimal so großer Kindergarten errichtet wird, würde „das bestehende Bad geschlossen“, so Papai, „und aus vielen Gesprächen weiß ich, die Stammersdorfer und Jedlersdorfer wollen weiter ein Familienbad“.

Bezirksvorsteher Georg Papai  (SPÖ) gemeinsam mit dem neuen Wiener Bäder-Chef Rainer Hauswirth bei der Bademantelsprechstunde. Bild: BV21.
Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ) gemeinsam mit dem neuen Wiener Bäder-Chef Rainer Hauswirth bei der Bademantelsprechstunde. Bild: BV21.

Jetzt wurde das Vorhaben vor Ort den Anrainern – wetterbedingt in einer Tiefgarage – präsentiert. Gut 70 erschienen. Die Stimmungslage? Sagen wir so: Es fand sich in eineinhalb Stunden nicht ein einziger, der für das Projekt wäre.

Die Bedenken der Anrainer in der Sackgasse: Lärmentwicklung und mehr Verkehr durch die ungenügende Anbindung durch den 30A, dadurch Entwertung ihres Eigentums. Vor 14 Jahren hatten die meisten kleine Kinder, da wäre ein Bad super gewesen, jetzt nicht – die Kinder sind schon Jugendliche.

Und die dürfen in die von Mai bis Mitte September (Kinder gratis, erwachsene Begleitpersonen 4,60 Euro) geöffneten Familienbäder gar nicht. Nur Jugendliche bis 14 Jahre, bis acht Jahre nur mit Erwachsenen, Erwachsene ohne Kind haben keinen Eintritt.

Die Argumente vom Bezirksvorsteher, gerade „in einem Wasserbezirk wie Floridsdorf ist es wichtig, dass die Kinder in einem Schwimmbecken schwimmen lernen“ überzeugten nicht. Hauswirths-Aussage – „ein Familienbad ist kein Elend“ – half auch nicht. Auch weil Fragen wie, wieviele Menschen werden täglich im Bad sein?, oder ist das nahe jetzige Bad überhaupt ausgelastet?, nicht beantwortet wurden. Papai Richtung Anrainer: „Ich verstehe grundsätzlich ihre Angst.“

Was die Betroffenen am meisten stört: „Wir wurden nicht gefragt, wir wollen aber mitreden. Prüfen sie das Projekt bitte nochmals“, so der Wunsch einer Anrainerin.

Unterstützung für die Anrainer kommt von ÖVP und FPÖ. „Auf einem Grundstück, dass drei Millionen wert ist, ein Projekt um sechs Millionen umzusetzen, dass dann nur vier Monate im Jahr verwendet wird, ist Irrsinn“, sagt FPÖ-Bezirksrat Karl  Mareda. Er stellt auch die Argumente des Bezirksvorstehers in Frage: „Wenn in einem ,Wasserbezirk‘ Familienbäder so wichtig sind: Warum gibt es dann im 22. Bezirk keines?“ Im Gemeinderat wird man eine Anfrage zur  Auslastung der Familienbäder stellen und fordert gratis Eintritt für Kinder bis 14 in allen Wiener Bädern.

Die ÖVP findet, dass es mit 5,8 Millionen Euro andere Projekte gäbe, von denen Floridsdorfer Familien deutlich mehr profitieren würden. ÖVP-Klubobfrau Victoria Mayer: „Das Familienbad stellt nicht nur eine enorme finanzielle Belastung für unseren Bezirk dar, sondern auch eine enorme Last für Bewohner. Außerdem kritisieren wir, dass die Anrainer nicht befragt worden sind. Aus diesem Grund lehnen wir den Bau ab.“

Papai sagt zu, mit den Behörden nochmals das Gespräch zu suchen, ob in der Edi-Finger-Straße nicht der Kindergarten gebaut und das Bad am bestehenden Standort erweitert werden kann. Er will aber „sicher keine Umfrage machen“.

Das Schlußwort soll ein anwesender etwa neunjähriger Bursche haben. Als ihn Hauswirth mit „Du freust Dich sicher auf das Bad“ anspricht, meint der: „Die Wiese soll bleiben, damit Kinder spielen können!“ -H. Neumayer