Seit 1977 ist der Heurige Helm auf der Stammersdorfer Straße ein fixer Teil der Weinkultur im Norden des 21. Bezirks. Damit wird mit Ende Oktober Schluss sein. Nicht nur wegen Nachwuchssorgen, sondern auch wegen der unzähligen Stolpersteine der Behörden.
Statt ihrem Gasthaus (,Poulardenstation‘) an der Brünner Straße, eröffneten die Eltern von Robert Helm 1977 den Heurigen in der Stammersdorfer Straße 121. Später geführt von der „leidenschaftlichen Wirtin“ Sabine Helm, unterstützt von den beiden Töchtern. Heuer ist mit 1. November Schluss. Für immer.
Fragt man nach den Gründen, ist zwar zunächst durchaus auch vom Pensionsalter die Rede, dann aber rasch von den unzähligen Hürden in der Gastronomie: Das Parkpickerl vertrieb nachweislich Gäste, immense Kostensteigerung gibt es auch bei der Kellertechnik und von der schwierigen Personalsuche kann wohl nahezu jeder Gastronom ein Lied singen: „Ohne die Kinder wäre es schon lange nicht mehr gegangen. Ich habe das immer mit Herz und Seele getan. Aber ich will nicht mit 85 noch in der Küche stehen, sondern lieber meine Enkel sehen“, sagt
Sabine Helm.
Speziell in den letzten Jahren haben den Helms Abgaben und Auflagen zugesetzt. Unzählige Anzeigen wegen Lärmbelästigung und Polizeieinsätze vertrieben Gäste: „Wir hatten früher Hochzeiten und Geburtstagsfeste. Dann ging es los, dass wir schon bei der Ankündigung eines Frühschoppens sechs Seiten lange Auflagen inklusive Lärmmessungen, die wir machen sollten, bekommen haben. Wenn wir das nicht machen, entziehen sie uns die Betriebsanlagengenehmigung, wurde uns gedroht“, ist Helm noch heute fassungslos.
Höhepunkt: An einem Abend gab es Harmonikamusik, plötzlich stand ein Trupp von sechs Polizisten in voller Montur in der Tür. Offenbar gab es eine Anzeige. Die Kontrolle war zwar bald ergebnislos beendet, aber dennoch ärgerlich.
Irgendwann war es der berühmte Tropfen (Wein) zu viel, der das Fass zum überlaufen brachte: „Es ist eh schon ein Groscherlgeschäft. Aber so wird es immer schwieriger und irgendwann verlierst Du den Spaß …“

Auch einen Helm-Wein wird es nicht mehr geben, der 24er Jahrgang war der letzte. Der Weingarten wird aber noch weiter selbst bewirtschaftet. Ein ganz kleines Schlupfloch lässt sich Sabine Helm noch: „Zunächst ein riesiges Dankeschön an all unsere Gäste, ihr habt die Zeit für uns unvergesslich gemacht. Und wir haben ja auch den Keller in der Kellergasse. Vielleicht machen wir ja dort noch fallweise was oder bei einem der Feste …“ -Hannes Neumayer
„Heurigensterben in Stammersdorf ist eine Lüge“
Sperrt ein Heuriger zu, spricht mancher sofort vom Heurigensterben. Zumindest für Stammersdorf tritt dem der örtliche Weinbauvereinsobmann Leopold Klager energisch entgegen: „Es gibt in Stammersdorf kein Heurigensterben, das ist eine Lüge.“ In Summe gibt es laut Klager 26 Betriebe (14 in den Weinbergen, sieben im Ort und fünf in der Kellergasse): „Wir haben sogar drei Neuzugänge und in Summe in Stammersdorf mehr Weinbaubetriebe als die restlichen Orte rund um den Bisamberg!“















