Stammersdorfer Kellergasse: Traditionell, aber verkehrsberuhigt

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v.l.n.r. Mag.a Magdalena Hubauer/GB*, Bezirksvorsteher Georg Papai, DI Sabine Gehmayr/GB*. Bild: BV21.
v.l.n.r. Mag.a Magdalena Hubauer/GB*, Bezirksvorsteher Georg Papai, DI Sabine Gehmayr/GB*. Bild: BV21.
Stein

Neuer Versuch für eine Aufwertung der Stammersdorfer Kellergasse. Bezirksvorsteher Papai hat gemeinsam mit der Gebietsbetreuung eine Befragung gestartet und sucht „Wünsche, Ideen, Anregungen und Möglichkeiten, um Verbesserungen zum Wohle aller zu erzielen“. Im Mittelpunkt: Der Verkehr und die unzähligen Raser.

Die Stammersdorfer Kellergasse ist bis weit über die Bezirksgrenzen bekannt und eine der beliebtesten Heurigengegenden Wiens. In den zahlreichen Kellern heißt es immer wieder „Ausg’steckt is“ und auf den beschaulichen Terrassen genießt man bei
einem Glas Wein einen großartigen Blick über die Hauptstadt. Gerade an schönen Tagen am Wochenende sind auf der holprigen Strecke unzählige Besucher unterwegs.

Die Kellergasse steht städteplanerisch vor großen Herausforderungen, sagt Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ). Das Ensemble „Stammersdorfer Kellergasse“ ist flächendeckend Schutzzone, ihr charakteristisches Erscheinungsbild soll erhalten bleiben. Außerdem bewahrt die Widmung als Wald- und Wiesengürtel die Struktur der Kellergasse. Andererseits wird der gepflasterte Hohlweg stark vom Durchzugsverkehr befahren.

Denn die Kellergasse ist auch die Hauptroute nach Hagenbrunn. Krottenhofgasse oder ‘In den Gabrissen’ sind als Ausweichroute kaum geeignet oder sogar verboten. Die Umwege führen dann über die Brünner Straße oder sogar rund um den Bisamberg.
Speziell am Morgen und ab etwa 15 Uhr präsentiert sich die Stammersdorfer Kellergasse als stark frequentierte Verbindung zwischen Niederösterreich und Wien – vor allem für Pendler ist sie ein beliebter Schleichweg und Alternative zur Brünner Straße. Und das sind – leider – auch Raser. Vor allem wenn die erlaubten 30 km/h der Maßstab sind. Bei einer offiziellen Messung 2012 hielten sich von täglich von rund 2.800 Fahrzeugen nicht einmal 19 Prozent exakt an das Tempolimit. Ein Heurigenwirt zur DFZ: „Nicht einmal der Bus hält sich an die Geschwindigkeitsbeschränkung.“

Die aktuellen Messungen von 2021 relativieren das Bild: Offenbar fahren viele Autofahrer knapp über den erlaubten 30 km/h, rasen aber nicht: Ende Mai, Anfang Juni fuhren 34.000 Fahrzeuge im Schnitt 31 km/h. 73% fuhren maximal 33 km/h, weiter 23% maximal 40 km/h. Gemessene Höchstgeschwindigkeit: 93 km/h. Raser mit über 50 km/h sind je nach Fahrtrichtung eine Minderheit von 0,33 bzw 0,12 %. Im Schnitt sind 50 Autos in der Stunde (pro Richtung) unterwegs.

Stammersdorfer Kellergasse: Großangelegte Befragungen

Im Sommer 2021 gab es nun örtliche Analysen aller relevanten Rahmenbedingungen, um mögliche Handlungsspielräume zu erörtern. Dann erhielten 183 Eigentümer, lokale Unternehmer, Landwirte sowie Pächter in der Stammersdorfer Kellergasse einen Fragebogen zu ihrer Interessenslage. „Der Rücklauf war überdurchschnittlich hoch“, freut sich Sabine Gehmayr, Leiterin der Gebietsbetreuung Stadterneuerung (GB). Im Oktober führte das Team der GB vertiefende Interviews mit Interessierten und eine Straßenumfrage durch.

Die Stimmungslage zeigt: Es herrscht viel Konsens darüber, was die Kellergasse ist und braucht. Der Großteil der Befragten sprach sich für eine Entschleunigung des Verkehrs und eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität aus. „Bitte schaut, dass die Leute hier wieder gemütlich durchspazieren können!“, brachte es ein Anrainer auf den Punkt.

„Die Erreichbarkeit, die Ruhe, die Nostalgie, die Natürlichkeit, eine gute Kombination aus Alt und Neu. Keinesfalls eine zu starke Modernisierung. Altes neu beleben!“, forderte eine andere Befragte.

Ideen gibt es viele – aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Neben neuen Freiräumen für die Direktvermarktung und den Ab-Hof-Verkauf sehnen sich viele danach, dass man die traditionelle Heurigen- und Weinkultur besser erleben kann. Mehr Zusammenarbeit vor Ort: mit traditioneller Weinproduktion, kleinen Familienbetrieben und gemeinsame Feste und Feiern. Zusammengefasst: Eine laute, enge, unsichere und stark beanspruchte Durchzugsstraße beruhigen. Mehr Aufenthaltsqualität und Sicherheit.

Lösungsansätze gibt es viele: Eine komplette Sperre, etwa mit Balken nach der Senderstraße, wird nicht gehen. Vorgeschlagen sind Temporäre Fahrbahnverengungen, mehr Radarmessungen und die Polizeikontrollen (auch des LKW-Fahrverbots ab 3,5 Tonnen).
Realistischte Variante: Ein Sperre der Kellergasse am Wochenende, dann dürfte nur der Bus fahren. Das funktioniert ja auch bei den beliebten Weinfesten, die 2022 nach zwei Jahren Corona-Pause hoffentlich wieder stattfinden. Buslinie und Heurigenexpress sollen bekannter gemacht werden.

Planungswerkstatt und Ausstellung

Im Frühjahr 2022 organisiert die GB* eine Planungswerkstatt und eine Info-Ausstellung im GB*Stadtteilbüro am Schlingermarkt mit bisherigen Überlegungen und Ergebnissen. 2023 sollen erste Umsetzungsmaßnahmen folgen. „Mir ist es wichtig, bei diesem Prozess auf die unmittelbar Betroffenen, die Anrainerinnen und Anrainer zu hören: Die Zukunft der Kellergasse lässt sich nicht vom Reißbrett aus planen“, sagt Papai. -Hannes Neumayer