Streifzüge durch das Zeitalter der Gasbeleuchtung

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Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Stein

Meine lieben „Fluaridsduafa“!

Ich möchte Euch heute wieder in die Vergangenheit unseres Bezirkes entführen und Euch diesmal über die Entstehung des Gaswerks Leopoldau erzählen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann in London das Zeitalter der Gasbeleuchtung. Man hatte nach Jahrzehnten die technischen Verfahren der Gewinnung von Gas aus Kohle so weit entwickelt, dass nun die englische Hauptstadt vollständig im Gaslicht erstrahlte. Die neue Errungenschaft verbreitete sich in Windeseile über den Erdball, und ein neuer
Beruf, der des „Gaslaternenanzünders“ war geboren.

Wie im Lokomotivwesen waren es wieder die Engländer, die ihre Technik auch nach Wien brachten. Die „Imperial-Continental-Association“ betrieb seit 1840 eine Gasanstalt in Fünfhaus, ihr folgten Anstalten in Döbling (1857), Floridsdorf (1870) und in Baumgarten (1878). Danach konstituierte sich die „Österreichische Gas- und Beleuchtungs-AG“ und errichtete 1884 die Gasanstalt Wienerberg sowie 1899 das Gaswerk Simmering. Alle zusammen erzeugten jährlich etwa 126 Millionen Kubikmeter Gas. Über die Floridsdorfer Gasanstalt, die am Gelände des heutigen Schlingermarktes stand, habe ich Euch bereits früher berichtet.

Durch den Bevölkerungszuwachs und die Stadterweiterung stieg der Gasbedarf rasant. Von 95 Mio. Kubikmeter 1895 auf über 160 Mio. im Jahr 1910. Der für 1912 vom Studien- und Baubüro vorausberechnete Bedarf von 180 Mio. Kubikmeter war nun mit den bestehenden Anlagen nicht mehr zu decken. So wurde die Erzeugung schließlich kommunalisiert und neu organisiert. Die Verträge mit den beiden bisherigen Produzenten wurden nicht mehr verlängert, und es wurde in diametraler Lage zum größten Gaswerk in Simmering ein zweites Gaswerk in Leopoldau errichtet.

Der Standort war sowohl für die Anlieferung der Mährisch-Ostrauer Kohle mit der Nordbahn, als auch für die nun von zwei Seiten mögliche Verteilung in das nun vereinigte Gasrohrnetz von großem Vorteil. Ein zusätzlicher Gasbehälter wurde in der Brigittenau beim Donaukanal errichtet. Mit der Gaserzeugung begann man in Leopoldau am 17.12.1911, und die feierliche Eröffnung erfolgte zu Weihnachten durch den damaligen Bürgermeister, Dr. Josef Neumayer.

So viel für heute, bleibt mir auch 2021 gewogen und vor allem: „Bleibt gesund!
Euer Gerald Pichowetz