Streifzüge durch die Raffinerie-Geschichte

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Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Stein

Meine lieben „Fluaridsduafa“! Ich berichte Euch heute vom weiteren Schicksal der Floridsdorfer Raffinerie. Nach dem Ausscheiden von Dr. Friedrich Pilz wurde das Unternehmen zum „Centraldepot für Petroleumproducte von Hochstetter & Comp.“ und erlitt am 24.Februar 1873 neuerlich einen schweren Brandschaden. Man befasste sich in der Folge auch mit dem Handel amerikanischer Petroleumprodukte und reduzierte die Zahl der Arbeiter auf maximal 20.

Unter neuer technischer Leitung konnte ab 1878 mit neuen Verfahren ein Aufschwung erzielt werden, und ab den 1880er Jahren verarbeitete man auch galizisches und rumänisches Erdöl. Stetige Betriebserweiterungen waren die Folge, was 1886 auch zur Umwandlung in die „Actiengesellschaft der Wien-Floridsdorfer Mineralölfabrik“ führte. Übrigens kann man im Eisenbahnmuseum Schwechat noch einen original beschrifteten Kesselwagen von damals bewundern.

Ein gewinnbringendes Erzeugnis war auch Schmieröl, etwa für den Eisenbahnbetrieb, welches so wie Floridsdorfer Benzin und Petroleum einen ausgezeichneten Ruf erlangte. Das erzeugte Benzin kam auch als „Floridsdorfer Fleckwasser“ auf den Markt. Der Betrieb florierte nun verständlicherweise bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, und man brachte es bis auf etwa 320 Arbeiter und 50 Angestellte.

Ein jähes Ende brachte 1918 der Zerfall der Donaumonarchie und der damit verbundene Verlust der Liefer-Ölfelder in Galizien. 1923 blieb schließlich kein anderer Weg übrig als eine Zusammenarbeit mit dem „Royal Dutch Shell“ Konzern, die 1929 in der Vereinigung mündete. Es entstand die „Aktiengesellschaft der Shell- Floridsdorfer Mineralölfabrik“, die 1938 in deutschen Besitz und 1945 unter sowjetische „USIA“-Verwaltung kam.

Der für eine Mineralölfirma seltsam anmutende Name „Shell“ geht auf ein 1833 im Londoner Eastend gegründetes Kuriositätengeschäft zurück. Marcus Samuel verkaufte großteils Muscheln, die zur Dekoration oder als Sammlerobjekte im Viktorianischen England sehr beliebt waren.

Seine Söhne erweiterten das Geschäft später zum Im- und Export sowie zum Transportunternehmen von Kerosin, und schließlich auch zur Raffinerie. Der Name des väterlichen Geschäfts wurde aus sentimentalen Gründen beibehalten.
Von 1955 bis 1970 verarbeitete die „Shell-Austria AG“ bis zur Schließung und Demontage weiterhin Erdöl.


Euer Gerald Pichowetz