Streifzüge durch eine ungewöhnliche Adventzeit

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Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Stein

Meine lieben „Fluaridsduafa“! Wiederum stehen uns leider eine ungewöhnliche Adventzeit und ein nicht ungetrübtes Weihnachtsfest bevor. Es sind Zeiten mit großen Herausforderungen für alle von uns, die viele vor eine harte Probe stellen.

Ein Vergleich mit den Biblischen Plagen ist aber ebenso wenig angebracht wie ein Vergleich mit Kriegsweihnachten oder mit der legendären Weihnachtsansprache Leopold Figls am 24. Dezember 1945.

Wir leben nämlich noch immer in einer Zeit, in der wir es größtenteils selbst in der Hand haben, wie wir in dieser Krise leben. Es macht schon einen Unterschied, ob wortwörtlich „nichts da“ ist, oder ob es für Manche befristet um einen relativ geringfügigen Verzicht auf nicht dauerhaft lebenswichtige Dinge geht.

Vor 70, 80 Jahren tönten aus den Radioapparaten Lieder, die Hoffnung auf bessere Zeiten verbreiten sollten, wie etwa „Nach Regen scheint Sonne…“ oder „Steh’ auf, liebes Wien…“ und „Wenn der Steffel wieder wird, so wie er war…“. Vielleicht fehlt diese Psychotherapie heute, aber auf Englisch würden diese Texte auch nicht so wirken wie damals.

In der Adventzeit lauschten wir noch in den Sechziger Jahren im Schwarz-Weiß-Fernsehen Karl Heinrich Waggerl, als er aus seinen Büchern vorlas, Heinz Conrads kramte weihnachtliche Texte von Trude Marzik und Josef Weinheber hervor und aus dem Radio tönten auch noch deutsch gesungene Weihnachtslieder.

Die „Stille Zeit“ ist zur hektischesten Zeit des Jahres geworden, die Zeit der Schlacht um die besten Umsätze. Es ist fast unmöglich geworden, in einer Großstadt den ursprünglichen Gedanken des Weihnachtsfestes zu erleben, ohne dem Konsum anheim zu fallen.

Ich rate Euch, nehmt gelegentlich ein der Jahreszeit angepasstes Buch zur Hand, eines unserer oben erwähnten Dichter oder eine Weihnachtsgeschichte von Selma Lagerlöf oder auch die berühmte Geschichte von Charles Dickens und lasst Euch auf eine Zeitreise ein. Ihr werdet staunen, was Eure Phantasie für Bilder zeichnen kann!

Bleibt mir vor allem gesund, passt auf Euch auf und bleibt mir auch 2022 weiterhin gewogen! Ich wünsche Euch ein
besinnliches und friedliches Weihnachtsfest und ein Gutes Neues Jahr,
Euer Gerald Pichowetz