Streifzüge in Jedlesee

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Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.

Meine lieben „Fluaridsduafa“!
Ihr seid hoffentlich alle gut durch den Sommer gekommen und konntet Euch auch gemäß Euren Vorstellungen gut erholen. Unser Vokabelschatz wurde heuer ja laufend erweitert, wir lernten unter anderem Vakzine kennen, wir erfuhren etwas über die Reproduktionszahl und zuletzt über den Unterschied zwischen 3-G und 1-G.

Aber genug davon hier in dieser Kolumne, denn ich möchte Euch heute und nächstes Mal über eine jüngst verschwundene „Institution“ aus Jedlesee berichten, über „den Nahrada“. Der im Jahr 2000 verstorbene Kommerzialrat Franz Nahrada hat die Geschichte seiner Familie und ihres Hotels ausführlich erzählt.

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Und diese Geschichte beginnt mit dem im Jahr 1861 geborenen und mit 20 Jahren als gelernter Schmied vom böhmischen Wurzau (Vrzov) nach Wien übersiedelten Franz Nahrada, dem Großvater des Kommerzialrats. Die Kaiser Ferdinand Nordbahn erfreute sich seiner Dienste und bot ihm in ihren Eisenbahnerhäusern in Groß Jedlersdorf auch eine passende Unterkunft, in der 1887 bald nach seiner Hochzeit mit dem ehemaligen Dienstmädchen Karoline Procs auch der erste Sohn Franz das Licht der Welt erblickte.
Im Jahr 1904 schuf sich die Familie mit geborgtem Geld ein zweites Standbein mit dem Bau eines einstöckigen Hauses in der Schulzgasse 9, in dem sie eine kleine Gastwirtschaft einrichtete, die von Karoline geführt wurde, während Vater und Sohn ihren Berufen nachgingen. Franz junior arbeitete bereits als Mechaniker bei Siemens-Schuckert in der Engerthstraße.

Dieser Fleiß und die Wohnungsnot, durch die auch Bettgeher das Familieneinkommen vermehrten, ließen die Schulden rapide schrumpfen und auch das Gasthaus war bald eine weithin bekannte Adresse. Besonders die Landsleute aus Böhmen und Tschechien kehrten gerne bei den Nahradas ein und auch der Turnverein „Die Sokols“ logierte hier.

Während Franz junior 1905 sein „Sträußerl“ bekam – er hatte seinen Wehrdienst abzuleisten -, sah Franz senior die Chance und kaufte ein großes Grundstück an der Jedleseer Straße, gegenüber von ausgedehnten Militäreinrichtungen. Und 1913 lud er erneut Schulden auf und errichtete dort ein zweistöckiges Wohnhaus mit Kaffeerestaurant und Hotel. Der „Karolinenhof“ war geboren! Über die weiteren Entwicklungen berichte ich Euch demnächst.
Bleibt mir gesund, meine Lieben! Euer Gerald Pichowetz