Streifzüge zur Müllergeschichte

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Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.

Meine lieben „Fluaridsduafa“! Einen Wahlkampf haben wir hinter uns, einen Wahlkampf haben wir vor uns, einer folgt in Wien im nächsten Jahr. Und bei allen ist das Thema Energie ein Teil der großen Sprüche, die da, von Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit berichtend, auf uns hereinbrechen. Ein Thema, welches seit Erfindung der Dampfmaschine in Etappen Erfindergeist und Fortschritt vorantrieb. Nach dem Dampf kamen Strom, Treibstoffe und die Atomkraft.

In unserer Heimat war es ein besonderer Strom, der dem Müllergewerbe bis ans Ende des 19. Jahrhunderts die Existenz sicherte, nämlich der Donaustrom. An seinem Ufer war im Lauf der Jahre eine malerische Kolonie von Mühlen entstanden, die sogar Ausflügler anzog, die hier
ihre Seele baumeln ließen.

Diese Schiffsmühlen waren baulich kaum von einander zu unterscheiden, ein Steg führte zum Stegschiff, an welches das Hausschiff mit dem Mühlhaus anschloss. Mit diesem mit Balken verbunden war das Weitschiff, dazwischen lief das große unterschächtige Schaufelrad. Die ganze Anlage war durch starke Ketten und dicke Seile mit den am Ufer eingerammten Uferpflöcken, den sogenannten „Büffeln“ verbunden und abgesichert.

Ein Plan von Zwischenbrücken aus dem Jahre 1821 weist allein in dieser Gegend insgesamt 36 Mühlen aus, in der Blütezeit des Gewerbes zählte man am linken Stromufer gar deren 60. Ihre Zahl schwankte aber durch die immer wiederkehrenden, oft verheerenden Hochwässer teils recht stark. Eine Hochblüte erlebte das Gewerbe der Strommüller durch den Krieg gegen die Preußen 1866 wegen der stattlichen staatlichen Aufträge. Die volkstümlichen Müllerkirtage zeugten vom Wohlstand, den die Müller mit üppigen Einladungen durchaus zu teilen bereit waren.

Das böse Erwachen kam aber kaum ein Jahrzehnt später mit der Donauregulierung, die die Mühlräder ihrer Kraftnahrung beraubte, sodass auch die letzten Ufer-Standplätze 1898 von der Donauregulierungskommission gekündigt wurden. Nur wenige Müller konnten übersiedeln und auf Dampf- oder elektrischen Betrieb umstellen. 1926 gab es an der Wagramer Straße und in der Floridusgasse drei solcher Mühlenbetriebe.

Kommt mir gut über den Sommer und bleibt gesund, meine Lieben! Euer Gerald Pichowetz