Streifzug mit dem Nikolo

899
Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.

Meine lieben „Fluaridsduafa“!
Zum Abschluss des 8. Jahres, in dem ich Euch wieder mit allerlei hoffentlich Interessantem begleiten durfte, möchte ich an einen Heiligen erinnern, der Euch allen in Eurer Kindheit und auch darüber hinaus in Gestalt eines meist älteren, aber zumindest mit bedächtiger Milde auftretenden Mannes begegnete.

In unseren Tagen sind ihm manche übereifrige Gesellschaftsveränderer zu Leibe gerückt und man versucht, ihn aus Kindergärten oder Schulen zu verbannen.

Ja, es ist der Heilige Nikolaus von Myra, für den ich heute eine Lanze brechen möchte. Geboren soll er in Patara in Lykien so um 280 n. Chr. worden sein, sein Todestag war ein 6. Dezember, wobei allerdings das Jahr in unterschiedlichen Quellen stark differiert, wie auch von seinem Leben überhaupt Weniges belegt ist. Jedenfalls wirkte er in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als Bischof von Myra, etwa 100 km südwestlich von Antalya.

Nach der Priesterweihe mit bereits 19 Jahren soll er Abt des Klosters Sion geworden sein. Im Jahre 310 wurde er im Zuge der Christenverfolgung gefangengenommen und gefoltert. Später hat er nach Berichten 325 n. Chr. am Konzil von Nicäa teilgenommen und dort den christlichen Presbyter Arius aus Alexandrien geohrfeigt, woraufhin man ihn verhaftete, aber gegen Ende des Konzils wieder rehabilitierte.

Bekanntheit erlangte Nikolaus aber durch zahlreiche Legenden, die sich um ihn rankten. Belegt ist jedenfalls, dass er sein ererbtes Vermögen unter Bedürftigen verteilte, woran heute noch der Brauch seines Verteilens von Gaben erinnert. Darstellungen seiner Person zeigen ihn meist mit den Insignien seiner Bischofswürde, der Mitra und dem Krummstab, sowie mit einem Messgewand bekleidet. Auch in mehreren Stadtwappen unter anderem in Deutschland und der Schweiz findet man sein Bildnis.

Sein Begleiter im Brauchtum, welches sich von Bayern über ganz Österreich, Südtirol, Ungarn und Tschechien bis hin zum rumänischen Banat erstreckt, ist der Krampus – hierzulande gern „Kramperl“ genannt – als Widerpart, der neben dem guten Nikolo als Projektion des Bösen auftritt.

Es beruhigt mich, dass gegen Nikolo-Verbote durchaus Widerstand in der Öffentlichkeit wahrzunehmen ist, dem ich mich hiermit persönlich anschließe, um auch für christliches Brauchtum moderne Toleranz einzufordern.

In diesem Sinne wünsche ich Euch, meine Lieben, einen schönen 6. Dezember, einen besinnlichen Advent und auch schon ein Frohes Fest und einen guten Jahreswechsel! Euer Gerald Pichowetz