Streifzug nach ,Stenmarsdorf‘

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Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.

Meine lieben „Fluaridsduafa“!
Eine der bloß noch an den Bezirksrändern vorzufindenden Gegenden in Floridsdorf, die in unserer bauwütigen und wachstumssüchtigen Zeit noch ihren dörflichen Charakter zu einem guten Teil bewahren konnten, ist Stammersdorf. Es ist auch der zuletzt nach Wien eingemeindete und somit zu Floridsdorf hinzugefügte Bezirksteil.

An die 1.000 Jahre soll es her sein, dass dieser Ort gegründet worden war, eine erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1150. Die frühen Ortsnamen findet man mit „Stenmarsdorf“, „Stamleinsdorf“, „Staemarsdorf“, „Steimarsdorf“ niedergeschrieben. 1203 scheint erstmals phonetisch erkennbar der Name „Stoumarsdorf“ auf, der auf den slawischen Personennamen „Stojmir“ zurückgehen soll.

Zu Pfingsten 1352 wird in der Urkunde, die die Schenkung eines Gutes durch Herzog Albrecht dem Lahmen an die Nonnen zu St. Clara zu Wien festhält, folgender Textteil niedergeschrieben: „Albert, Herzog von Österreich, leihet seinem getreuen Churtzlein, seinem Chamerer dem Längern, die 16 Pfund Geldes Wiener-Pfennig, die ihm sein getreuer Dyepold der Syrfeyer gelegen auf dem Sechstel des Urfahrs zu Uczensee und auf behausten Holden zu Stemesdorf, als Lehen zurückgegeben hat.“

Die Schreibweisen des Ortsnamens sind weiterhin in unterschiedlicher Form, jedoch schon deutlich erkennbar, etwa mit „Stamerßdorf“ (1574), „Stämmersdorf“ (1781) und schließlich ab 1866 als „Stammersdorf“ zu lesen. Der Ortskern weist noch heute die ursprüngliche Form eines Angerdorfes auf, genauer gesagt, eines Linsenangerdorfs.

So bezeichnet man die Anlage mit einer Straße, die sich um zentrale Gebäude auf einem linsenförmigen Platz mit Rasenfläche herum teilt. Oft befand sich hier auch ein Teich, da man bei Gefahr das damals sehr wertvolle Vieh dort zusammentrieb. Heute befindet sich an diesem Ort noch ein Gastronomielokal. Euer Gerald Pichowetz