Streifzug zur Leopoldauer Straße

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Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.

Meine lieben „Fluaridsduafa“!
Wenn Ihr Euch an der ehemaligen Kreuzung Angerer Straße – Leopoldauer Straße – Patrizigasse – Freytaggasse, die seit einigen Jahren die Form eines Kreisverkehrs hat, umseht, so wird Euch die Statue eines Heiligen ins Auge stechen, der hier recht einsam auf einer Säule vor dem Haus Leopoldauer Straße Nummer 2 steht und auf das Verkehrsgeschehen blickt. Doch welchem Umstand hat der Heilige Patricius es zu verdanken, dass hier ein Bildnis seiner zu finden ist?

Als die ganze Gegend östlich des Vereinigungspunktes der Reichsstraßen nach Böhmen und nach Mähren noch mehr oder weniger einer Wildnis ähnelte, begab es sich im Jahre 1772, dass der kaiserliche Jäger Otto Ferdinand Herzog, späterer Forstmeister zu Ebersdorf, an dieser Stelle von Räubern und Wilddieben überfallen wurde. Er konnte den Angreifern aber entkommen und
stiftete zum Dank hierfür mit Genehmigung des Grundherrn Stift Klosterneuburg eine Statue des Heiligen Patricius. Dieser war der Legende nach zu Beginn des 5. Jahrhunderts im Alter von 16 Jahren von Sklavenhändlern aus seiner britischen Heimatstadt nach Irland entführt worden, konnte nach sechs Jahren fliehen und wurde schließlich Missionar, wofür man ihn bis heute als irischen Nationalheiligen verehrt.

Stein

Die Originalstatue war etwa 75 cm groß und stand auf einer 2,5 Meter hohen Säule. Der Heilige Patricius hielt ein Horn in seiner rechten Hand und zu seinen Füßen befand sich eine kindliche Engelsgestalt. Anlässlich der Erbauung des Hauses Leopoldauer Straße 2 im Jahr 1861 wurde die Säule abgetragen, wobei die Statue schwer beschädigt wurde. Man ließ eine neue Statue anfertigen und platzierte sie in einer Nische am Eck des Hauses. Viele von Euch werden sich noch an die im Haus befindliche Fleischerei des Rudolf Schuller erinnern. Dieser verkaufte das Haus 1972 an die Gemeinde Wien, behielt die
Statue zunächst und veräußerte sie fünf Jahre später ebenfalls an die Gemeinde um ÖS 25.000,-.

Heute steht eine auch optisch abgeänderte Nachbildung hier, während die Vorgängervariante restauriert im Floridsdorfer Bezirksmuseum zu bewundern ist. Die Patrizigasse ist nach der Statue benannt, und im Wohnhaus wenige Meter Richtung Donaufelder Straße gab Prof. Herbert Seiter, langjähriger Wegbegleiter Heinz Conrads, bis in die 70er Jahre Klavierunterricht.
Ich wünsche Euch wunderschöne Sommermonate, bleibt mir gesund!,
Euer Gerald Pichowetz