Streifzug zur Schönen Blauen Donau

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Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.

Meine lieben „Fluaridsduafa“!
Wenn Ihr „in die Stadt“ zu fahren habt, wird Euch nichts Anderes übrig bleiben, als irgendwo unsere Schöne Blaue Donau zu überqueren. Zu diesem Behufe stehen heute einige bequem zu benützende Brücken zur Verfügung, während in früheren Jahrhunderten dieses Unterfangen ein einträgliches Geschäft für Fährmänner war.

Diese Brücken hatten, auch was ihre Namen und ihre Verwendung betrifft, eine wechselvolle Geschichte.

Eine von Ihnen trägt seit den Fünfziger Jahren (wieder) würdevoll den Namen unseres Bezirkes, die „Floridsdorfer Brücke“. Zwischenzeitlich musste sie sich ja auch als dem sowjetischen Marschall Rodion Jakowlewitsch Malinowski gewidmet deklarieren, nachdem sie am 8. April 1874 zunächst als „Kaiser-Franz-Josephs-Brücke“ das Licht der Welt erblickt hatte.

Die Donauüberquerung war an dieser Stelle ab 1439 über eine hölzerne Jochbrücke vonstatten gegangen, bis zur Donauregulierung noch in mehreren Teilabschnitten. Die „Kaiser-Franz-Josephs-Brücke“ bot jedoch lediglich eine 6,7 Meter breite Fahrbahn, die dem nach der Eingemeindung Floridsdorfs wachsenden Verkehrsaufkommen nicht mehr genügte. So wurde in Anwesenheit dero allergnädigsten Kaisers am 28. Juni 1913 der Grundstein zu einem Neubau gelegt.

Aber kriegsbedingt konnte der Bau erst 1924 fertiggestellt und am 25. Juni, nun als „Floridsdorfer Brücke“, eröffnet werden. Ihr vorläufiges Ende kam in der Nacht vom 13. zum 14. April 1945, als sie von den vor der sowjetischen Armee zurückweichenden Truppen der Deutschen Wehrmacht gesprengt wurde. Bilder von Menschenmassen, die danach über ein Flickwerk aus Resten der Brückenbogen und Holzstegen die Donau überquerten, kennt Ihr sicher. Am ersten Jahrestag der „Befreiung Österreichs“ bekam der Neubau den Namen „Malinowski-Brücke“ und wurde am 19. Mai 1946 – wieder einmal – eröffnet.

Die Rückbenennung auf den heutigen Namen hat der Wiener Gemeinderat schließlich am 18. Juli 1956 beschlossen. Dann kam der Reichsbrücken-Einsturz am 1. August 1976, in dessen Folge auch große Mängel an einem Brückenpfeiler unserer Brücke eine sofortige Sperre am Tag vor dem Heiligen Abend 1976 erzwang. Der bislang letzte Brückenneubau konnte am Oktober 1978 dem Verkehr übergeben werden.

Verbringt einen erholsamen Sommer und bleibt mir gesund, Euer
Gerald Pichowetz.