Johannes Sachslehner ist quasi Wiederholungstäter. Nach Villen und Hotels entlockt er diesmal zwölf Wiener Plätzen ihre Geheimnisse.
Plätze waren in Wien immer ein Ort für Märkte, Zusammenkunft, Veränderung und heftiger Diskussion. Paradebeispiel wäre der Karlsplatz, „dem bis heute das gewisse Etwas fehlt“, so Sachslehner. Oft sind Plätze auch Austragungsort stadtplanerischer und politischer Diskurse: Aktuell etwa auch vermeintlich geschützte Ensembles wie der Khleslplatz oder immer wieder der Leopoldauer Platz – mit 750 Metern übrigens der längste Platz Wiens.
Sachslehners Auswahl deckt Klassiker wie den Stephansplatz und Am Hof ab, aber auch Orte jenseits des Rings wie Sankt-Ulrichs-Platz und Sobieskiplatz. Oder den italienischten der kleinen Wiener Plätze, den Franziskanerplatz (Bild). Einst stand hier das Büßerinnenkloster für Prostituierte, die ihren Lebenswandel ändern wollten. Das ging solange gut, bis es am Ende einen Sittenverfall mit wahren Orgien führte. Der Platz ging an die Franziskaner, die 1611 eine neue Kirche errichtet haben. Aufgrund des enormen Andrangs an adeligen Besuchern musste Platz geschaffen werden, das nahe Oellersche Stiftungshaus wurde abgerissen – der Franziskanerplatz entstand.
Sachslehner entlockt auch der einst berühmten Marienstatue ,Maria mit der Axt‘ (spätgotische Madonna mit Kind) ihre Geheimnisse und schlägt stadtplanerisch die Brücke: Im Jahr 1908 wollte man eine Verkehrsablenkungsstraße vom Laurenzerberg über den Franziskanerplatz bis zur Akademiestraße schaffen und ganze Häuserensembles abreißen. Protest stoppte das Projekt.
Die Platzportraits sind gespickt mit Detailinfos und dennoch kurzweilig geschrieben. Jeder Platz ein Geheimnis – Wiener Plätzen auf der Spur. Johannes Sachslehner. 224 Seiten, 32 €, Styria Verlag.


















