Von Löwen, Walen und Bürgermeistern

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Wiener Naturgeschichten. Bild: Böhlau.
Wiener Naturgeschichten. Bild: Böhlau.
Stein

Die ‘Wiener Naturgeschichten. Vom Museum in die Stratosphäre.’ erzählt ein neues Buch. Dabei spielen Löwen, Wale, Eisgewinnung auf der Alten Donau und ein Wiener Bürgermeister eine Rolle. Thomas Hofmann und Mathias Harzhauser gehen auf ihrer Reise in die Luft, unter die Erde und aufs Wasser.

„Das habe ich noch nicht gewusst“, sollen die Leser beim Schmökern denken, geben die Autoren als Ziel vor. Und so ging es den Autoren beim Recherchieren selbst – was bei den renommierten Autoren gar nicht so einfach ist. Hofmann hat etwa 2020 ‘Es geschah in Transdanubien” veröffentlicht.

Die ‘Wiener Naturgeschichten’ sind das Panoptikum menschlicher und tierischer Akteure. Das bunte Sammelsurium an
Wiener Geschichten bringt zahlreiche neue und ungewöhnliche Facetten der Natur in der einstigen Reichs-, Haupt- und Residenzstadt ans Licht.

Die Lebensgeschichte eines Bürgermeisters, der als Schmetterlingsforscher Weltruhm erlangte, ein gestrandeter Wal als Attraktion im Prater, der schlussendlich im Museum landete. Im Juli 1876 gab es heftige Erdstöße, „dass wir von den Stühlen zu fallen befürchteten“ und eine „Aufforderung zur Beobachtung der periodischen Natur-Erscheinungen in der Vegetation“. Ein Universitätsprofessor, der auf den Weltuntergang wartete, ein Museumsdirektor, der 400.000 Fische sammelte, ein Polizist als passionierter Vogelkundler – die Zugänge zur Wiener Natur könnten kaum vielfältiger sein.

Eisgewinnung auf der Alten Donau war bis ins 20.  Jahrhundert  üblich. Bild: Böhlau.
Eisgewinnung auf der Alten Donau war bis ins 20. Jahrhundert üblich. Bild: Böhlau.

Ein eigenes Kapitel beschäftigt sich etwa mit Löwen in Wien. Echten wie ausgestopften – nicht nur einmal die Geschichte ein und desselben Tieres. Oder die Geschichte des Höhlenlöwenskeletts im Hochparterre des Naturhistorischen Museums. Oder die
Geschichte des Zoowärters Carl Rudowsky. Der arbeitete Ende des 19. Jahrhunderts im lange nicht mehr existierenden ‘Thiergarten am Schüttel’ im 2. Bezirk. Am 1. Jänner 1900 wollte er sich selbst leicht illuminiert zum Dompteur ausbilden. Löwin Sarah war schlecht gelaunt und hatte – wie in Zeitungsberichten zu finden war – auch Fastentag. Rudowsky bezahlte mit dem Leben.

Auch der Wal(Fisch) hat in Wien lange Tradition. Davon zeugt die gleichnamige Gasse in der Innenstadt. Die ist nach einem Gasthaus ‘bey den Wallfisch’ benannt, wie im 19. Jahrhundert gleich in mehreren Vororten (siehe Bild). 1838 war erstmals ein Walskelett zu bestaunen: Wie es dazu kam und was alles passierte, erfahren die Leser in ‘Wiener Naturgeschichten’.

Erinnerungstafel. Bild: Böhlau.
Erinnerungstafel. Bild: Böhlau.

Ob im Museum, auf öffentlichen Plätzen, in Archiven oder beim Spaziergang durch die Wiener Innenstadt, die Autoren, beide profunde Kenner Wiens, fördern Ungeahntes zu Tage. Sie erstaunen und begeistern durch unkonventionelle Zugänge. Die Ergebnisse ihrer Recherchen, garniert mit Querverbindungen zur Kulturgeschichte der einstigen Reichshaupt- und Residenzstadt, erzählen sie in erstaunlichen Geschichten.

Wiener Naturgeschichten. Vom Museum in die Stratosphäre. Thomas Hofmann, Mathias Harzhauser. 233 Seiten, zahlr. farb. Abb., gebunden; ISBN: 978-3-205-21383; Böhlau Verlag Wien.