Mittwoch, 16. September, 2026
Start 8-9/2026 Warum ist Stammersdorf Hitzepol?

Warum ist Stammersdorf Hitzepol?

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Stadtklimaanalysekarte 2020. Grafik: Stadt Wien.
Stadtklimaanalysekarte 2020. Grafik: Stadt Wien.

40 ° am 3. August, 41 ° am 4. und 5. August. Stammersdorf wurde in diesem Sommer zum österreichweiten Hitze-Hotspot. Aber warum ausgerechnet Stammersdorf? Und: was tun?

Die Messstelle der Geosphere Austria befindet sich in der Zwerchbreitelngasse, in der Nähe der Stammersdorfer Kellergasse – also schon mehr oder weniger mitten in den Weinbergen. Der Laie denkt, da muss es doch in der Innenstadt noch heißer sein, oder? Der Teufel steckt im Detail: Zwar gibt es bestimmte Normen, Messstationen müssen z.B. zwei Meter über Bodenniveau sein, etc.. Doch Wind und vor allem Beschattung spielen eine Rolle. Die Station im 1. Bezirk bekommt mehr Schatten ab, als jene in Stammersdorf. Und ausgetrocknete Böden können vergleichsweise ähnlich viel Hitze abgeben wie Betonböden.

„Klimatologisch ist weniger das Auftreten einzelner Temperaturrekorde von Bedeutung als vielmehr das insgesamt außergewöhnlich hohe Niveau der Lufttemperatur. Die Lufttemperatur kann aufgrund lokaler Prozesse und Gegebenheiten auch auf relativ engem Raum um mehrere Zehntelgrade variieren“, sagt die Geosphere Austria.

Fakt ist: Zwischen den Jahren 1961 und 1990 erlebte Wien durchschnittlich 9,6 Hitze-tage (mit mehr als 30 °) im Jahr . Von 1991 bis 2010 waren es durchschnittlich schon 15,2. Ab 2018 sind es 39; 42; 24; 28; 34; 33; 49; 33 und heuer bereits 35. Die Klimaanalysekarte der Stadt Wien von 2020 (Bild) zeigt recht deutlich, wo es im 21. Bezirk besonders aufheizt.

Floridsdorfer hatten es selbst für Wiener Verhältnisse einerseits besser: Gewässer und somit Abkühlung sind für viele Bezirksbewohner sogar zu Fuß, jedenfalls in wenigen Minuten erreichbar. Andererseits haben wir es schlechter: „Wer mit Straßenbahnen unterwegs ist, muss in Floridsdorf in zwei von vier Fällen damit rechnen, auf keine klimatisierte Bim zu treffen“, meint Grünen-Bezirksrat Erwin Toth. Zum Glück sind mittlerweile die U6-Garnituren klimatisiert …

Was kann der Bezirk tun? SPÖ-Bezirksvorsteher Georg Papai will seinen Weg mit neuen und mehr Bäumen, Asphaltaufbrechen und Wasser im öffentlichen Raum fortsetzen.

Für die Grünen ist das zu wenig. Deshalb beantragen sie in der kommenden Bezirksvertretungssitzung eine Baumpflanzungsoffensive. Heinz Berger, Klubobmann der Grünen: „Unter Bäumen kann es bis zu fünf Grad weniger haben.“ Eine weitere Idee: Gießpatenschaften intensivieren. Da die Wiener Stadtgärten oft nicht wissen, wo sie im Sommer zuerst gießen sollen, können Anrainer nahe Straßenbäume mit Wasser versorgen. Berger: „Viele Menschen fragen bei uns nach, wie sie in ihrem persönlichem Umfeld aktiv werden können, das ist eine gute Möglichkeit.“ In der kommenden Sitzung der Bezirksvertretung stellen die Grünen außerdem Anträge für ein Grüngleis in Stammersdorf und für eine Baumreihe auf der Jedlersdorfer Straße ab Harnreitergasse.

Dringend notwendig wäre ein Programm zur Klimatisierung von Schulen, Kindergärten und Pensionistenheimen. Oder etwa eine
Initiative zum Bau von Wartehäuschen. Dabei sollte man flexibler sein und nicht wie in der Fultonstraße auf eine zu geringe Gehsteigbreite verweisen. Und beim 2027 startenden Umbau des Bahnhofs Floridsdorf, sollte man ganz genau auf die Klimatauglichkeit achten! -Hannes Neumayer