Welches Produkt ist dieser „SALE“?

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Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Stein

Meine lieben „Fluaridsduafa“!
Dieser Jahrhundertsommer, der wohl auch den seligen Rudi Carrell („Wann wird’s mal wieder richtig Sommer…?“) zufriedengestellt hätte, hat mir Gelegenheit gegeben, mich wieder einmal etwas mehr mit dem Konsum von Medien zu beschäftigen.

Vielleicht hätte ich es nicht tun sollen, denn ich verbrachte bald mehr Zeit mit dem Nachschlagen von englischsprachigen Begriffen und Abkürzungen, als mit dem Lesen und Verfolgen der dargebotenen Nachrichten.

Ich habe mir ja schon vor vielen Jahren vor Schaufenstern die Frage gestellt, welches Produkt dieses „SALE“ ist, für welches besonders zu Zeiten der Saison-Schlussverkäufe in unterschiedlichsten Auslagen geworben wurde und wird. Da war es um 10%, dort um 20% verbilligt. Da ich aber nie Zeit hatte, mich im Geschäft zu erkundigen, habe ich es bis heute nicht erfahren.

Bei „Tomaten“, „Blumenkohl“ oder „Sahne“ hat mich meine Frau frühzeitig aufgeklärt, worum es sich dabei handelt, aber bei der „Taskforce“ hat es schon etwas länger gedauert, bis ich erfuhr, dass dies kein militärisches Flugzeug ist. Nichts gegen die englische Sprache, aber immerhin hat Österreich bisher auch mit Begriffen aus der Landessprache ganz gut überleben können. Und ein Krisenstab oder eine Einsatzgruppe leisten keine schlechteren Ergebnisse.

Ein „Night Race“ zur „Prime Time“ im kunstbeschneiten Winter oder ein spannendes „Q3“ mit „VSC“ könnten manchem Sportreporter sogar die Möglichkeit geben, sein vielleicht nicht so gutes Deutsch durch ebensolches Englisch zu übertünchen, wobei er jedoch bei Englisch auf mehr Nachsicht beim Konsumenten zu stoßen erwarten kann.

Neulich hatte ich den notgedrungenen Besuch eines selbständigen Technikers, der mir zusammen mit seiner Rechnung auch seine Visitenkarte übergab. Er war aber offenbar kein Techniker, denn sein Beruf war mit „CEO“ vermerkt. Das behandelte Gerät funktioniert gottlob trotzdem wieder. Mit „Sales Managern“ habe ich übrigens schon ungern gesprochen, als sie noch Vertreter waren.

Und jetzt werden auch noch die Speisekarten um viele uns fast seit Jahrhunderten wohlbekannte Gerichte mit klingenden Namen beraubt. Vom Mohr im Hemd bis hin zum Zigeunerschnitzel wird umgetauft, und Eiernockerl traut sich eh schon kaum ein Wirt mehr anzubieten. Aber das hat andere schwer nachzuvollziehende Gründe.
Red’ ma wieder Deutsch!
Euer Gerald Pichowetz