„Wiener Waisenkind ist vielleicht griffig …“

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Bezirksvorsteher Georg Papai. Wallentin.
Bezirksvorsteher Georg Papai. Wallentin.
Stein

Die DFZ konfrontiert Bezirksvorsteher Georg Papai mit den Fragen der Bürgerbeteiligung ‘Unser Floridsdorf’. ‘Unser Floridsdorf’ heißt der Bürgerbeteiligungsprozess zur Stadtentwicklung in Zentral-Floridsdorf um die Brünner Straße. Die DFZ hat Bezirksvorsteher Georg Papai zu den oft genannten Wünschen der Bürger befragt.

Sämtliche Planer haben die Barrieren, etwa Bahngleise, im Bezirk und schlechte Querverbindungen angesprochen. Wo würden Sie hier ganz konkrete Möglichkeiten für Verbesserungen sehen?

Papai: Floridsdorf ist seinerzeit aus dem Zusammenschluss von sieben Dörfern entstanden. Dass unsere Hauptverbindungswege allesamt zum Stadtzentrum hin ausgerichtet sind, ist daher historisch bedingt. Natürlich braucht es Querverbindungen zwischen den beiden so großen Bezirken diesseits der Donau. Mein Amtskollege in Donaustadt und ich drängen in Gesprächen mit den Wiener Linien darauf, bei Öffis Verbesserungen zu erzielen. So sind zum Beispiel die laufenden Intervallverbesserungen beileibe kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter Verhandlungen. Ein – leider teures – Projekt wäre vom Donaufeld eine zusätzliche Verbindung Richtung Schlingermarkt zu schaffen.

Viele Online-Teilnehmer haben die nicht vorhandenen, schlechten oder sogar gefährlichen Radwege angesprochen. Gerade hat die Donaustadt ein eigenes Radwegpaket bekommen. Floridsdorf ist für Radfans mittlerweile das Wiener Waisenkind: Wann gibt es neue Radwege?

„Wiener Waisenkind“ ist vielleicht eine griffige Formulierung, die aber an der Wirklichkeit vorbeischrammt. Ich halte nichts davon, Bezirke populistisch gegeneinander auszuspielen. Tatsache ist, dass der Straßenraum in ganz Wien begrenzt ist, in der Regel von links und rechts stehenden Häuserreihen. Der Anspruch an eine moderne Straße hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Verschiedene Gruppen beanspruchen immer mehr Raum für sich. Ein über Jahrzehnte gleich gebliebener Straßenquerschnitt soll dem heutigen Zeitgeist entsprechen. Das kann beim besten Willen nicht immer gelingen!

Gerade in der Brünner Straße bemühen wir uns schon seit Jahren, eine Lösung zu finden, um einen baulich getrennten Radweg – für mich die absolut sicherste Lösung für Radfahrer – umzusetzen. Die Gespräche sind auf einem guten Weg.

Ebenfalls viel gewünscht: Bessere Öffi- Verbindungen.

Die im aktuellen Regierungsprogramm für Wien enthaltene Vision eines Schnell-busses zwischen Floridsdorf und Donaustadt versuche ich, stark voranzutreiben. Durch die Entscheidung der Stadt Wien, die neue U-Bahn Linie U5 zu bauen, ist logischerweise die Umsetzung einer verlängerten U6 in weitere Ferne gerückt und wäre aktuell Kaffeesudlesen.

„Das Parkpickerl ist eine große Chance um den freiwerdenden Raum für Grünflächen, Gehsteige und Radwege zu nützen“, sagen Viele. Sehen Sie das auch so und haben Sie konkrete Ideen?

Ziele der Einführung des Parkpickerls in Floridsdorf sind, dass Menschen wieder die Chance haben, einen Parkplatz in jenem
Bezirk, in dem sie wohnen, zu finden. Und auf lange Sicht das Mobilitätsverhalten in Wien zugunsten CO2-freundlicherer Alternativen, als der private PKW es ist, zu wandeln. Wie ein Blick auf unsere Straßen zeigt, wird dieses Ziel jedenfalls erreicht.

Natürlich ergeben sich dadurch viele neue Möglichkeiten: Beispielsweise das Einzeichnen von legalen, StVO-konformen Abstellflächen in engen Siedlungsstraßen. Auch das Verparken von Kreuzungsbereichen und das damit verbundene Verstellen von Sichtachsen wird in Zukunft mehr und mehr der Vergangenheit angehören. Die Überprüfung der Einhaltung der – auch schon bislang gültigen, aber nicht immer beachteten – Bestimmungen der STVO wird auf ein neues Level gestellt. Davon werden gerade Fußgänger profitieren.

Selbstverständlich sollen neue Baumscheiben und Grüninseln im Straßenraum entstehen, Gehsteige verbreitert, Sichtachsen an Kreuzungen verbessert und mein Projekt „50 neue Bänke für Floridsdorf“ weitergeführt werden.

Gibt es Pläne für Begegnungszonen?

Der Versuch eine Begegnungszone am Franz-Jonas-Platz einzurichten wird derzeit nicht weiter verfolgt. Die schon ältere Studie zum Bezirkszentrum rund um den Spitz wird den Bezirksräten nochmals präsentiert. Gäbe es rund um das Amtshaus eine Verkehrsberuhigung, ist die Frage, wo drückt es den Verkehr hin, die Autos werden ja nicht weggezaubert …“

Auch oft genannt von Bürgern: Es braucht mehr unversiegelte Flächen und Bäume – speziell im Bezirkszentrum. Der Pius-Parsch-Platz etwa begeistert nicht Alle.

Seit ich im Amt bin, habe ich mein Motto „Jedes Jahr ein neuer Park“ umgesetzt und sogar übererfüllt. Diese Handschrift lässt sich auch erkennen, wenn man unser Bezirkszentrum von der Vogelperspektive her betrachtet, was im Internet ohne großen Aufwand möglich ist.
Der Pius-Parsch-Platz ist eine Örtlichkeit, die allen – auch international gültigen – Anforderungen an einen modernen, urbanen Platz gerecht wird. Mit der Zeit verblasst die Erinnerung, aber vor seinem Umbau im Jahr 2019 war der Pius-Parsch-Platz bloß ein Parkplatz für ungeordnet abgestellte PKWs. Nicht mehr und nicht weniger.

Es hat sich aus meiner Sicht so einiges zum Guten getan: Ob neues Sitzplatzkonzept vor dem Amtshaus, Franklinstraße Neu oder der neue Platz an der Brünner Straße vor dem Markt, immer war die Schaffung einer höheren Aufenthaltsqualität, mehr Grünräume und Wasser im öffentlichen Raum wichtig. Ich kann den Floridsdorfern versprechen, dass wir auch in Zukunft Grünräume erhalten und neue schaffen wollen. Interview: Hannes Neumayer