Wo darf nicht gebaut werden?

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Stammersdorf auf Floridsdorf. Bild: Robert Sturm - cordbase.com
Stammersdorf auf Floridsdorf. Bild: Robert Sturm - cordbase.com

Neues Leitbild für Grünraum: Welche Gebiete Floridsdorfs sind wie gut geschützt.

Kaum ein Thema beschäftigt Floridsdorfer so sehr wie der jahrelange Bauboom im 21. Bezirk. Umgekehrt soll noch heuer das ‘Leitbild Grünräume neu’ im Gemeinderat beschlossen werden. Wir haben nachgefragt: Wo soll definitiv nicht gebaut werden? Und wie sicher ist das?

Befasst man sich mit Grünraumschutz in Wien, wird es rasch unübersichtlich: Landschaftschutzgebiet, Natura 2000, Biosphärenpark, Ramsar-Gebiet, SWW-Widmung in der Flächenwidmung, etc. – und jetzt auch noch das ‘Leitbild Grünräume neu’. Da durchzublicken ist nicht leicht.

Welche Flächen sind geschützt?

Bezirksvorsteher Georg Papai betont immer, dass seit 2015 ein Drittel der Fläche Floridsdorfs als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist. Die großen Landschaftsschutzgebiete in Floridsdorf sind die Donauinsel (nur nördlich der Floridsdorfer Brücke!), die vom Marchfeldkanal durchquerten Felder zwischen Jedlersdorf, Stammersdorf und Strebersdorf, der Grüngürtel vom Bisamberg über die Brünner Straße hinaus bis Gerasdorf. Weiters eine Fläche rechts des Heeresspitals bis Draugasse und von hier ein Streifen südlich führend bis Donaufelder Straße.

Von den 4444,3 Hektar Bezirksfläche sind 41,5 Prozent als Grünflächen ausgewiesen (43,6% Bauflächen, 14,9% Verkehrsflächen). Als Vergleich: Durch das größte Stadterweiterungsprojekt im 21. Bezirk, das Donaufeld, werden 60 Hektar verbaut. Noch ein Vergleich: In Mariahilf gibt es 2,1% Grünflächen.

Leitbild Grünräume. Quelle: Stadt Wien.
Leitbild Grünräume. Quelle: Stadt Wien.

Wann ist eine Fläche am besten geschützt?

Mit einer SWW (Wald- und Wiesengürtel)-Flächenwidmung und gleichzeitig Teil des Landschaftsschutzgebietes. Welche Gebiete das sind, kann man unter wien.gv.at (Stadtplan & Umweltgut) nachsehen. Die wenigen Ausnahmen: Es gibt im Landschaftsschutzgebiet Flächen mit Bauwidmung. Hier braucht es eine Sonderbewilligung der MA22. Nicht im Landschaftsschutzgebiet sind die meisten Parks. Was bedeutet das neue Leitbild? Im Prinzip fällt der Plan der rot-grünen Wien-Regierung in die Kategorie ‘Doppelt hält besser’.

Die große Schwäche: „Verbindlichkeit suchen wir vergeblich“, kritisiert Elisabeth Olischar (ÖVP), „alles in allem reiht sich dieses in die lange Liste der Masterpläne, Leitbilder und Fachkonzepte ein, die die Stadt erstellt: ohne Verbindlichkeit, ohne genaue Definition, ohne konkrete Vision.“ Inhaltlich werden im Leitbild Zonen definiert, in denen künftig eine Siedlungsentwicklung ausgeschlossen ist: ‘Wiener Immergrün’ – ist dauerhaft geschütztes Grün. Die Floridsdorfer Grünen haben den Antrag gestellt, dass dieser Streifen weiter bis zur Alten Donau führt. Außerdem gibt es Zukunftsgrün, wandelbares Grün (Sportstätten) und grüne Reserve.

Heinz Berger von den Floridsdorfer Grünen: „Eine Fläche muss mehrfach geschützt werden, damit sie möglichst sicher vor Verbauung sein kann.” Papai: „Man darf nicht den Eindruck erwecken das Leitbild bietet einen stärkeren Schutz. Es ist eine Vision der nächsten hundert Jahre. Und es hat vielleicht zusätzlich abschreckende Wirkung für Bauträger!” Beschlossen soll das Leitbild noch 2020 werden.

Für Floridsdorfer praktisch viel wichtiger: Wo wird in Zukunft gebaut?

Derzeit stehen gleich mehrere große Stadterweiterungsgebiete vor der Fertigstellung: Siemensäcker, ROIGK- & Schicht-Gründe und Gaswerk Leopoldau. An größeren Flächen ist danach noch das Donaufeld geplant – hier sollen gesamt 6.000 Wohnungen gebaut werden. Vorerst ist nur der östliche Teil gewidmet. In ein Gewerbegebiet soll ein Teil der Felder nördlich und westlich des Gaswerks Leopoldau umgewandelt werden. Weitere größere Stadtentwicklungsgebiete im 21. Bezirk sind nicht bekannt. Fakt ist: es gibt außerdem einen Rückgang beim Bedarf an neuen Wohnungen.

Zur Klarstellung: Keine weiteren Stadterweiterungsgebiete heißt nicht keine Neubauten. Am Strebersdorfer Mühlweg sind noch einige Lücken in der Verbauung der letzten Jahre; es gibt Überlegungen flache Fachwerkszentren abzureißen und neu mit Wohnbau zu errichten. Der Interio an der Brünner Straße will eine Wohnwidmung, ebenso wie die neuen Eigentümer der Shell-Gründe in Leopoldau. Die Liste könnte man endlos fortsetzen und wäre wohl einige tausende Wohnungen lang. Viele Flächen werden schlicht nicht als Baugrund wahrgenommen. Bestes Beispiel: Die geschotterte Fläche rechts vom Eingang des Floridsdorfer Bahnhofs hat eine Bauwidmung. -Hannes Neumayer