Ziesel stoppen Bauprojekte am Marchfeldkanal

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Der Naturfotograf Harald Illsinger hält die Zieselpopulation in Floridsdorf immer wieder fest. Bild: Urban Nature/Illsinger.
Der Naturfotograf Harald Illsinger hält die Zieselpopulation in Floridsdorf immer wieder fest. Bild: Urban Nature/Illsinger.
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Viele Jahre währt nun bereits der Streit zwischen Bauträgern und Umweltschützern um die Stammersdorfer Ziesel am Marchfeldkanal. Jetzt hob das Verwaltungsgericht die Naturschutzbewilligung auf und stoppte das Bauvorhaben. Ein Erfolg der Umweltorganisation VIRUS, der indirekt auch auf weitere Projekte Auswirkungen hat.

In einer Aussendung freut sich VIRUS über die erfolgreiche Beschwerde gegen das Wiener Magistrat: Das Verwaltungsgericht Wien hat den Naturschutzbescheid für fünf weitere Bauplätze, der im Ziesellebensraum nördlich des Stammersdorfer Heeresspitals geplanten Bauten, aufgehoben (Anmerkung: Das Urteil betrifft nicht bereits fertige Bauten). Virus-Verfahrenskoordinator Wolfgang Rehm: „Den possierlichen Zieseln und weiteren betroffenen streng geschützten Arten bleibt somit bis auf weiteres die Zerstörung ihres Lebensraums erspart.“
Die bewilligungswerbenden Bauträger hätten es verabsäumt, ihr Begehren ausreichend zu begründen. „Kurios ist, dass von den Bauträgern erst beim Verwaltungsgericht jene Ausnahmebewilligungen beantragt worden sind, die von der Umweltschutzabteilung des Wiener Magistrats als Verwaltungsbehörde vorauseilend bewilligt worden waren. Dies zeigt, wie hier bisher gearbeitet worden ist,“ kritisiert Rehm.

Für die Ziesel sei es „höchste Eisenbahn“ gewesen. Der Ziesellebensraum links des Marchfeldkanals ist durch Bauprojekte seit 2016 bereits eingeschränkt, die landesweit berühmte Zieselbrücke wäre nicht ausreichend angenommen worden: „Abgesehen davon brauchen Ziesel einen offenen Lebensraum – die Flächen jenseits der Brücke sind gar nicht geeignet.

Was das konkret für die noch geplanten Bauprojekte bedeutet, ist offen: Die MA22 könnte Rechtsmittel einlegen, die Bauträger könnten komplett neu einreichen. Jedenfalls bedeutet das für die Projekte der Bauträger, die sich ohnehin schon über viel zu lange dauernde Verfahren beschweren, eine erhebliche Verzögerung.

Spannend sind die Auswirkungen auf andere Wiener Projekte. Bei VIRUS hofft man „auf eine Signalwirkung“. Eines dieser Projekte ist das Donaufeld. Hier ist die Umweltschutzabteilung MA22 nun schon bald ein Jahr beim Erstellen der naturschutzrechtlichen Bewilligung. Die sollte eigentlich längst da sein. Hinter den Kulissen ist von fehlenden Ausgleichsflächen zu hören. Nach dem Ziesel-Urteil wird die MA22 wohl extra genau sein.

Der Termin für eine Besiedelung des östlichen Donaufelds hat sich mittlerweile um ein weiteres Jahr nach hinten verschoben. Zwischen Bauträgern und der – je nach Sichtweise engagierten bzw. lästigen – Bürgerinitiative herrscht (und das ist vorsichtig formuliert) dicke Luft. Inklusive wechselseitiger Vorwürfe, illegale Handlungen zu setzen. Für Bauträger ist das nur eine Front, neben den rasant steigenden Rohstoffpreisen. Speziell weil von den circa 1.600 geplanten Wohnungen gute 90% auf geförderten Wohnbau entfallen, ist das keine Lapalie.