Auf den ‘Schienenspuren’ der Nordwestbahn

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Ferdinand Lesmeister, Direktor des Bezirks- museums, mit einer Fotografie des damaligen Bahnübergangs direkt beim heutigen Museum. Foto: DFZ.
Ferdinand Lesmeister, Direktor des Bezirks- museums, mit einer Fotografie des damaligen Bahnübergangs direkt beim heutigen Museum. Foto: DFZ.
Stein

Die Eisenbahnfreunde werden wieder emsig in das Floridsdorfer Bezirksmuseum pilgern: Am 18. September startet die neue Ausstellung ‘150 Jahre Nordwestbahn’.

Beleuchtet wird der Abschnitt vom Nordwestbahnhof bis Strebersdorf, zu dem unlängst auch ein neues Buch erschienen ist. Die Strecke führte ab 1. Juli 1872 im Gesamtbetrieb (Personen- und Güterverkehr) vom Tabor im 2. Bezirk, zur heutigen Nordbrücke, mündete unweit der Prager Straße (‘Am Nordwestbahnhof’ existiert noch heute als Straßenname) in eine bestehende Trasse, die bis dahin fast nur für Rangierzwecke genutzt wurde. Im heutigen Floridsdorf wurden die Bahnhöfe Jedlesee, Jedlersdorf und die Station Strebersdorf errichtet.
Schon um 1867 bestand der Plan, eine Bahnlinie von Kolin über Iglau nach Wien zu schaffen. Damit sollte auch eine Verbindung von Nordwest- und Mittelböhmen über Reichenberg und Görlitz in den deutschen Raum hergestellt werden. Die Reichshauptstadt Wien würde so Anschluss an die Nordseehäfen Hamburg und Bremen haben. Die Süd-Norddeutsche-Verbindungsbahn (SNDVB) erhielt 1868 die Konzession für die Nordwestbahn (ÖNWB).

Die ÖNWB konstituierte sich am 26. Juli 1870 als „k.k. privilegierte Aktiengesellschaft“ mit einem Stammkapital von 24 Millionen Gulden. Ausgegeben wurden insgesamt 89.089 Aktien mit einem Nominalwert von 200 Gulden. 1870 wurde die Trasse geplant, am 1. November 1871war die Teilstrecke Znaim – Wien fertigestellt. Die ÖNWB-Strecke endete aber schon in Stockerau. Die von Floridsdorf kommende Flügelbahn der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn (KFNB) in Stockerau wurde deshalb aufgekauft.

Die Bauarbeiten beim Nordwestbahnhof im 2. Bezirk gestalteten sich schwierig, da „Am Tabor“ wegen der sumpfigen Aulandschaft große Aufschüttungen notwendig waren, um vor Donau-Hochwassern zu schützen. Die Bahnhofshalle von 39 m Breite überspannte fünf Gleise, deren Bahnsteige außerhalb dieser mit Flugdächern ausgestattet waren. Mit der Eröffnung der Nordwestbahnbrücke über die Donau ab 1. Juni bzw. 1872 konnte auch der Nordwestbahnhof für Güter- bzw. Personenverkehr in Betrieb genommen werden. Somit konnte der Gesamtverkehr durchgehend vom Nordwestbahnhof über Jedlersdorf bis Znaim sichergestellt werden. Bei den heutigen Kleingärten in der Koloniestraße gab es eine Werkstätte, bei der Lokomotivgasse exisitieren noch Arbeitergebäude.

Durch Bombenangriffe im 2. Weltkrieg wurde der Bahnhof schwer beschädigt. Doch wurden von hier aus schon 1945 auch die Züge der Nordbahn abgefertigt, da die Donaubrücke der Nordbahn durch Sprengung unbenützbar war. Die Nordwestbahnbrücke konnte dagegen bald wieder befahren werden. So wurden die Züge der Nordbahn ab 1945 auf der, im Volksmund als „Russenschleife“ bezeichneten Kreuzung zum Nordwestbahnhof geführt.

Die Nordwestbahnbrücke nahm bis 1959 auch den Verkehr der Nordbahn auf, erst dann war die Nordbahnbrücke mit den anschließenden Streckenteilen wiederhergestellt. Nach der endgültigen Stilllegung des Nordwestbahnhofs als Personenbahnhof am 30. Mai 1959 wurde die Nordwestbahnbrücke von 1962 bis 1964 in eine Straßenbrücke – die Nordbahnbrücke – umgebaut.