„Floridsdorf braucht mehr Radwege: Daran arbeiten wir mit Hochdruck!“

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Stadträtin Ulli Sima im Sommer 2020 bei der Eröffnung des Alois-Heidel-Parks in Strebersdorf. Bild: Neupert.
Stadträtin Ulli Sima im Sommer 2020 bei der Eröffnung des Alois-Heidel-Parks in Strebersdorf. Bild: Neupert.

Interview: Die neue Stadtplanungs- & Mobilitäts-Stadträtin Ulli Sima im DFZ-Gespräch über Parkpickerl, Car-Sharing in Außenbezirken und Stadtentwicklung.

Stadträtin Ulli Sima hat in der SPÖ-NEOS-Stadtregierung neue Aufgaben übernommen. Für Floridsdorf besonders relevant: Stadtentwicklung und Mobilität. Im Interview mit DFZ-Chefredakteur Hannes Neumayer spricht Sima über neue Radwege, Verkehrsthemen und den Schlingermarkt.

Ein Plan für einen getrennt befahrbaren Radweg auf der inneren Brünner Straße liegt fertig in der Schublade – wird er umgesetzt?

Ulli Sima: Ich habe diese Woche alle Radfahr-Projekte, die in Planung sind, intensiv durchgearbeitet. Nun werde ich sie mit den jeweiligen BezirksvorsteherInnen durchbesprechen und dann konkrete Pakete schnüren. Klar ist, Floridsdorf braucht mehr Radwege!

Mir sind sichere Radwege ein großes Anliegen, wir haben im Regierungsprogramm jährlich 20 Millionen für den Ausbau des Radwegenetzes vereinbart und wir sind mit Hochdruck dran, die konkreten Projekte zu finalisieren.

Für das Bezirkszentrum verstaubt seit neun Jahren eine Verkehrsstudie zur Beruhigung des Gebiets rund um ‚Am Spitz‘. Können Sie sich vorstellen, dass es für das Bezirkszentrum eine Verkehrsberuhigung gibt?

Diese Studie ist mir in diesen ersten Wochen meiner Amtszeit im neuen Ressort noch nicht untergekommen, aber wenn es vom Bezirk Wünsche im Bereich Verkehrsberuhigung gibt, bin ich jederzeit gesprächsbereit.

Gleich daneben liegt der Bahnhof Floridsdorf. Zuletzt hat Stadtrat Hacker angeregt, den Franz-Jonas-Platz komplett neu zu gestalten. Was halten Sie von der Idee?

Ich will Plätze künftig generell anders gestalten, mit viel mehr Grün, mehr Cooling-Elementen. Denn die urbanen Hitzeinseln machen allen zu schaffen. Aber mir ist schon klar, dass gerade am Franz-Jonas-Platz nicht nur Hitzeinseln eine Herausforderung sind.

Stadträtin Ulli Sima im  Interview mit DFZ-Chef- redakteur  Hannes  Neumayer. Bild: Neupert.
Stadträtin Ulli Sima im  Interview mit DFZ-Chef- redakteur Hannes Neumayer. Bild: Neupert.

Die Planungen für eine wienweite Parkraumbewirtschaftung laufen: Wird die Lösung spezifische Probleme in Flächenbezirken – jahrzehntelanges nicht ganz legales Parken im Siedlungsgebiet, Binnenpendler z.B. von Stammersdorf ins Bezirkszentrum – berücksichtigen?

Auch hier starten jetzt die Gespräche: Alle 23 Bezirke unter einen Hut zu bringen, ist gar nicht so einfach. Selbstverständlich werde ich in allen Bereichen versuchen, bezirksspezifische Themen und Anliegen so gut wie möglich zu berücksichtigen.

Viele Floridsdorfer sind sauer, weil an jeder Ecke Stadterweiterung passiert, aber die Verkehrsinfrastruktur nicht besser wird, egal ob Rad, Auto, Fußgänger. Bauen ja, Infrastruktur nein?

Wir versuchen, laufend besser zu werden. Und ich bitte da ein wenig um Nachsicht, ich hab das Ressort erst vor wenigen Wochen von meiner Grünen Vorgängerin übernommen. Mein Team und ich arbeiten seit dem 1. Tag wirklich intensiv, aber ich kann nicht alle Probleme an einem Tag lösen.

Aber im Ernst: mir ist die Lage durchaus bewusst und es ist auch einiges geschehen in Floridsdorf, etwa im Bereich der Attraktivierung der S-Bahn, die Einführung einer neuen Linie 36B, die Verdichtung des 27A an der Bezirksgrenze zum 22.
Bezirk und auch die Verdichtung des 30A in der Frühspitze. Ganz wichtig: Die U6 haben wir auch attraktiviert, mit Intervallen von 2,5 Minuten in den Spitzenzeiten. Mehr geht technisch nicht.

»Für mich war es immer unverständlich, warum

es Car-Sharing jenseits der Donau nicht gibt.«

Stadträtin Ulli SIma

Keine neuen Radwege, kein City-Bike, Car-Sharing extrem eingeschränkt, wenig neue Öffis, der Bezirk mit Pendlern zugeparkt: Ist es nur ein Mythos, wenn sich Floridsdorfer da als Stiefkind der Stadtpolitik sehen?

Nein, Floridsdorf liegt mir sehr am Herzen! Ich habe in meiner Amtszeit als Umweltstadträtin eine Vielzahl von Projekten im 21. Bezirk umgesetzt: Viele Parkanlagen neugestaltet oder erneuert wie den Paul-Hock-Park, den Abenteuerspielplatz in der Tetmajergasse, den Alma Rose Park oder den Spielplatz auf der Lorettowiese. Die Franklinstraße wurde erst im letzten Jahr attraktiviert, mit neuen Sitzgelegenheiten, Wasserspiel, neuem Grün, neuen Bäumen. In Stammersdorf haben wir einen neuen Supermistplatz errichtet – um nur einige Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit zu nennen, was die Stadt im Bezirk mitfinanziert hat.

Sollten Sharing-Dienste verpflichtend das gesamte Stadtgebiet abdecken müssen?

Für mich war es immer unverständlich, warum es Car-Sharing jenseits der Donau nicht gibt, weil das sind doch genau die Bezirke, wo es am meisten gebraucht wird. Das möchte ich ändern!

Laut MA 23 bremst sich der Bevölkerungszuwachs ein: Ist in den kommenden Jahren überhaupt noch der Bedarf für dermaßen viele neue Wohnungen?

Wien setzt seit Jahren auf leistbares Wohnen, die Stadt wächst und der Bedarf an leistbaren Wohnungen ist da. Aber ja, die Lage verändert, ja entspannt sich momentan ein wenig und so wird der Bedarf laufend evaluiert. Im aktuellen Regierungsprogramm ist deshalb auch festgehalten, dass das ‘Widmungs- und Bauprogramm’ von bisher 10.000 Wohnungen reduziert werden soll, um die gewachsenen Strukturen in den Außenbezirken besser zu berücksichtigen.

Und ich verstehe jeden, der sagt, ich will vor meinem Fenster nicht unbedingt ein neues Haus – auf der anderen Seite beneiden uns andere Städte weltweit um unsere Wohnbaupolitik mit 2/3 gefördertem Wohnbau und somit leistbaren Wohnungen.

Im Donaufeld beginnt in wenigen Wochen Phase 1 des Baus des Stadterweiterungsgebietes – auf neun von insgesamt 60 Hektar. Können Sie sich vorstellen, den mittleren und westlichen Teil des Donaufelds nicht umzuwidmen und stattdessen ein nachhaltiges Ökologie-Landwirtschafts-Konzept umzusetzen oder sind die Pläne zur Verbauung aus ihrer Sicht in Stein gemeißelt?

Das Donaufeld ist bereits seit Anfang der 1990er als Stadterweiterungsgebiet ausgewiesen. Um ausreichend leistbaren Wohnraum zu schaffen, gilt es verschiedene Zielsetzungen abzuwägen. Aber ich sage ganz klar, dass es ohne zusätzliche Infrastruktur und neuen Grünräumen nicht gehen wird! Die BewohnerInnen müssen auch rasch Vorteile für sich erkennen.

In Floridsdorfer Siedlungsgebieten gibt es fast täglich Ärger wegen sogenannter Monsterbauten. Sogar trotz Baustopp, wie in der Nordrandsiedlung oder auch rund um die Strebersdorfer Straße in Jedlersdorf. Sind hier Maßnahmen geplant?

Für das Gebiet an der Strebersdorfer Straße wurde das Flächenwidmungsverfahren aufgenommen. Aus heutiger Sicht wird es noch im Jahr 2021 eine öffentliche Auflage geben. Mein Ziel als neue Planungsstadträtin ist ein hoher Grünraum-Anteil und mehr Frei- und Erholungsräume für die Bewohnerinnen und Bewohner: Ich will hohe Lebensqualität für alle.

Was ist 2021/22 am Schlingermarkt geplant?

Wir haben schon viele Maßnahmen gesetzt, wie Cooling-Offensiven, wir haben einen neuen Mistplatz am Markt geschaffen, haben Standler gekündigt, die nicht zur positiven Entwicklung des Marktes beigetragen haben. Wir unterstützen aktive StandlerInnen so gut es geht.

Ich bin gespannt, wie der neue Cooling-Spot im Sommer wirkt, wenn es wieder wirklich heiß wird und wir uns nach
Abkühlung sehnen – was man sich an Tagen wie diesen ja kaum vorstellen kann. Wir werden die Attraktivierung heuer fortsetzen, ich möchte die AnrainerInnen gezielter einbinden.

Detailfrage: Wird es auf der Prager Straße kurz vor der Stadtgrenze den schon lange auch von Anrainern geforderten Zebrastreifen geben?

Das wird gerade geprüft.