Jonas-Platz wird kein ‘Wohlfühlort’

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Symbolbild Bahnhof Floridsdorf. Bild: Vodicka.
Symbolbild Bahnhof Floridsdorf. Bild: Vodicka.

Kaum ist der Lockdown beendet, geht auch die Diskussion um den Franz-Jonas-Platz wieder los. Braucht es ein Alkoholverbot am Bahnhof Floridsdorf? Wohlfühlort wird der Vorplatz des Bahnhofs Floridsdorf keiner mehr. Das zeigte sich in der Sekunde des Lockdown-Endes. Bücher-Flohmärkte, Keiler, Alkohol- & Drogenkranke – alle sind wieder da. Sehr zum Leid vieler Öffi-Nutzer und Betriebe.

Sie alle können unzählige Geschichten von Polizeieinsätzen, Schreiduellen, Anpöbelungen, etc. erzählen. Letztes Highlight: Mitten im Durchgangsbereich ließ ein Mann die Hose runter, um sich von einem Freund mit Sonnencreme einschmieren zu lassen. Nicht nur die dunklen Ecken werden zu großen und kleinen Geschäften genutzt. Die Bilder wollen wir unseren Lesern ersparen. „Speziell ab 16 Uhr wird es hier unerträglich“, so ein Geschäftsbetreiber. Die einzelnen Grüppchen verteilen sich von der Schloßhofer Straße bis zur Franklinstraße. Je näher zum Taxi-Standplatz desto schlimmer die Situation. Verschiedene Gruppen machen sich hier bei schönem Wetter alkoholunterstützt einen schönen Tag – je später die Stunde, desto ‘schöner’ der Tag. Übrigens: Die Betrofffenen sind nicht obdachlos, wie Sozialdienste bestätigen.

Stein

Ein beispielhafter Vorfall vom 13. Juni: Ein sichtlich alkoholisierter Mann attackierte eine indische Familie vor dem Eis-Kiosk und
beleidigte anschließend einen Zeugen rassistisch. Eine Beobachterin: „Es eskaliert hier mehrmals täglich. Personen schlagen sich gegenseitig, urinieren in den Brunnen und viel Schlimmeres. Die Polizei kommt und sagt oft, ‘wir können nichts machen’. Wir brauchen aber eine Lösung: Ein Alkoholverbot und am besten eine Polizeistation am Jonas-Platz!“

55.000 Menschen nutzen den fünftgrößten Bahnhof Österreichs täglich. „Die Alkoszene feiert fröhliche Urständ: Ein Alkoholverbot am Bahnhof Floridsdorf ist notwendiger denn je!“, meint FPÖ-Gemeinderat Wolfgang Irschik. Er sieht den Jonas-Platz auch als Kriminalitäts-Hotspot mit über 3.000 Einsätzen im Jahr 2019: „Auch Jugendbanden und Kleinkriminelle okkupieren den Platz. Frauen und ältere Menschen fürchten um ihre Sicherheit.“

In der Floridsdorfer Bezirksvertretung gab es am 16. Juni neuerlich einen mehrheitlichen – auch von der SPÖ mitgetragenen – Beschluss für ein Alkoholverbot. Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ) „Wir unterstützen den Antrag. Mein persönliches Gefühl sagt, die Probleme nehmen wieder zu. Ich habe aber keine einzige Beschwerde bekommen und auch in den Berichten von der Polizei, etc. gibt es keine Auffälligkeiten.“

FPÖ-Klubobmann Karl Mareda wünscht sich nun „eine rasche Verordnung “ für ein Alkoholverbot. Bürgermeister Michael Ludwig und Sozialstadtrat Peter Hacker lehnen das aber bislang immer ab.

Kleinigkeiten wären leicht zu lösen: Ein Verbot der oft wirklich lästigen (und zu vielen) Keiler im Ein-/Ausgangsbereich. Gratis-Zeitungen nur im Bahnhof. Alle Bücherflohmärkte halten den ihnen zugewiesen Platz ein und verstellen die Wege nicht mit ihren Kisten.

Taubenplage. Die ÖVP ortet außerdem eine Taubenplage am Jonas-Platz. Klubobmann Bankl will jetzt wissen, welche Maßnahmen gesetzt werden, um die Population zu kontrollieren. Auch vom Team Strache gibt es einen Antrag zur „Lösung des Vogelfäkalien-Problems“.
-Hannes Neumayer