Pietätlos oder sinnvolles Service?

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Bild: DFZ.
Bild: DFZ.

Normalerweise ist Diskretion und Zurückhaltung ein wesentlicher Charakterzug von Bestattern. Doch derzeit rumort es hinter den Kulissen der – nicht wenigen – Floridsdorfer Bestatter gewaltig. Grund: Der Platzhirsch, die Bestattung Wien, eröffnete eine neue Filiale im 21. Bezirk. Und die ist direkt im zukünftigen Krankenhaus Nord an der Brünnerstraße angesiedelt.
Das Geschäft mit dem Tod ist in Floridsdorf wesentlich öffentlicher als andernorts: Eine Filiale der Bestattung Wien im Amtshaus, die Bestattungen Furtner und Ried am Beginn der Brünnerstraße, Aevum auf der Pragerstraße. Die Adresse der neuen Filiale ist vielleicht nicht ganz so prominent: Brünnerstraße 70, Stiege 2, Top 1, 1210 Wien. In einer Presseaussendung im Mai freute sich die Besattung Wien: „Die neuen Räumlichkeiten ermöglichen Produkte, Dienstleistungen und Informationen optimal zu präsentieren, z.B. durch einen Sarg- und Urnenschauraum.“
Wenig Freude haben die Mitbewerber mit dem Standort, direkt am Gelände des Krankenhaus Nord: „Unsere Standesregeln besagen: Keine Werbung in Krankenhäusern oder in Altenheimen. Diese Filiale ist genau vor dem Eingang: Von pietätvoll sind wir hier weit entfernt.“, so einer der Privatbestatter, die alle aus Angst vor Schwierigkeiten nicht namentlich genannt werden wollen. Einer der Privatbestatter berichtet außerdem: „Wir haben auch angefragt, doch uns wurde beschieden, alle Flächen seien vergeben und eine Bestattung außerdem nicht passend. Die Stadt Wien als Marktführer untergräbt hier die Standesregeln, weil sie ein einträgliches Geschäftsmodell nicht missen will. Das ist sicher nicht im Interesse der Kunden.“
Die Bestattung Wien will auf Anfrage kein Problem sehen, Pressesprecher Florian Keusch: „Die Filiale ist nicht am Krankenhausareal, sondern nur in der Nähe. Der Auftritt ist extrem dezent, es gibt keine Särge in der Auslage – wie bei anderen Bestattern.“ In einem prominent platzierten Jubel-Artikel in einer Zeitung im Juni, ließ man noch anderes verlauten. Da ist von einer Filiale „im Krankenhaus Nord“ die Rede, für die – laut Bestattung-Wien-Chef Jürgen Sild – die „zu erwartende hohe Frequenz aufgrund des Spitalsbetriebs“ spricht. Klingt makaber, ist andererseits realistisch.
Übrigens: Streng genommen liegt die Filiale im „mgzn“ (Medizinisches Gesundheitszentrum Nord), das der Gesiba und nicht dem Krankenanstaltenverbund (KAV) gehört. Dass die Gesiba als Eigentümer, ein Geschäft das mehr oder weniger am Areal des KAV liegt, ausgerechnet und offenbar ohne Ausschreibung an die Bestattung Wien vergibt – wohl nur Zufall. Alle Drei stehen (auch wieder mehr oder weniger) im Eigentum der Stadt Wien. Eine Anfrage beim KAV blieb übrigens unbeantwortet. H.N.