Wie ‘frei’ bleibt das Donaufeld?

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Donauefld, wie es nicht mehr lange aussehen wird. Foto: Robert Alder.
Donauefld, wie es nicht mehr lange aussehen wird. Foto: Robert Alder.

Überblick: Auf neun von 60 Hektar Stadterweiterungsgebiet ist 2021 Baustart / Kann der Rest gerettet werden?

Vor zwei Jahren lautete der Titel der DFZ-Reportage „Besuchen sie das Donaufeld, solange es noch steht“. Heuer wird es für das Gebiet zwischen Alter Donau, Fultonstraße, Donaufelder Straße und Dückegasse ernst. Die ersten Container, laut Baufirma nur als Werbemaßnahme, stehen bereits.

60 Hektar umfasst das Stadterweiterungsgebiet. Erst ein kleiner, östlicher, Teil – circa 9 Hektar – wurde gewidmet. Zur Erinnerung: Gegen die Empfehlung des Bezirks. In einer hitzigen Diskussion waren am 14. Juni 2017 SPÖ und Grüne für den vorgelegten Flächenwidmungsentwurf. Die Mehrheit, FPÖ, ÖVP, WIFF und NEOS, hat abgelehnt. Im Gemeinderat haben SPÖ und Grüne die Flächenwidmung entgegen der Empfehlung der Floridsdorfer Bezirksvertretung beschlossen.

Übersichtsplan. Aus: DAS DONAUFELD MACHEN. PERSPEKTIVEN EINER STADTENTWICKLUNG. Quelle: GB*21.
Übersichtsplan. Aus: DAS DONAUFELD MACHEN. PERSPEKTIVEN EINER STADTENTWICKLUNG. Quelle: GB*21.

Die acht Projekte der ersten Phase stehen fest: Bis 2023 entstehen‘An der Schanze’ 1.400 neue Wohnungen in acht Projekten. Die Hälfte der Wohneinheiten wird als günstige SMART-Variante errichtet. Plus ein Studentenheim. Allerdings muss die Umweltabteilung der Stadt Wien (MA22) noch eine naturschutzbehördliche Bewilligung ausstellen: Erst am 10. Dezember ist ein Ansuchen „um naturschutzbehördliche Bewilligung für die Bebauung einzelner Flächen am Donaufeld“ gestellt worden.

Wechselkröte im Donaufeld. Bild: Harald Illsinger.
Wechselkröte im Donaufeld. Bild: Harald Illsinger.

Beigefügt war ein ‘Einreichoperat’einer Beratungsfirma. Die MA22 hat zu beurteilen, wie Flora und Fauna geschützt werden.
Anerkannt ist, dass es im Gebiet die streng geschützte Wechselkröte gibt. Die Bürgerinitiative ‘Freies Donaufeld’ hat wenig Freude mit dem Elaborat. Die Kritikpunkte: Es enthält keine Methoden und Beobachtungszeiträume zur Erhebung der angeführten Arten. Das Monitoring der Tierarten sei von 2017 und somit veraltet. Diverse im Donaufeld festgestellte Arten würden überhaupt fehlen: Schmetterlinge wie der Segelfalter, der Russische Bär oder der Skabiosenschwärmer; Hauhechel Bläuling und Möndchen Eule; Sperber, Waldohreule, Haus-und Gartenrotschwanz, Zauneidechse…

Ein Detail: Die Zählung der Wechselkröten im ‘Elaborat’ stammt von 2017 und hat 19 Tiere gefunden. Eine aktuelle Untersuchung von Wissenschaftern der Boku von 2020 kommt aber auf 79 bis zu 121 Tiere. Wird zweiteres von der MA22 anerkannt, wären umfangreichere Ausgleichsmaßnahmen (Schaffung eines neuen Gebiets, Umsiedlung der Wechselkröten) zu treffen. Fazit laut ‘Freies Donaufeld’: „… stellt das Einreichopert von Knollconsult aus unserer Sicht keine geeignete Basis dar, um die Situation im Donaufeld naturschutzfachlich beurteilen zu können“.

Thomas Knoll von Knollconsult spricht von einem „missverständlichen Zugang. Unser Auftrag betraf nur die Wechselkröte. Die gutachterliche Aufgabe liegt bei der MA22.“ Die kann mehr Maßnahmen vorschreiben. Knoll: „Mehr als Ausgleichsmaßnahmen geht nicht, deren Umfang ist diskutierbar. In bebauten Flächen wird die Wechselkröte aber nicht leben können.“ Nächster Schritt ist ein Gutachten der MA22 und letztlich der Bescheid. Berufungen, etwa seitens der Umweltanwaltschaft Wien sind möglich.

Protest gegen die Verbauung des Donaufelds. Nachdem der erste Teil bereits gewidmet ist und 2021 bereits der Baubeginn bevor steht, regt sich nun neuer Widerstand. Ziel: Nicht die ganzen 60 Hektar für neuen Wohnbau zur Verfügung stellen. Bild: DFZ.
Protest gegen die Verbauung des Donaufelds. Nachdem der erste Teil bereits gewidmet ist und 2021 bereits der Baubeginn bevor steht, regt sich nun neuer Widerstand. Ziel: Nicht die ganzen 60 Hektar für neuen Wohnbau zur Verfügung stellen. Bild: DFZ.

Donaufeld II & III – alles offen?

Streng genommen alles offen ist für den größten Teil, rund 51 Hektar, des Donaufelds. Noch gibt es keine gültige Flächenwidmung. „Es gibt für mich keine Anzeichen, dass die Widmung eines nächsten Teils kurz bevor steht“, sagt Bezirksvorsteher Georg Papai. Er will einer Änderung der Flächenwidmung nur zustimmen, „wenn es einen rechstgültigen Beschluss zum Ausbau der Straßenbahn gibt. Also einen Gemeinderatsbeschluss.“ Diese zusätzliche Linie könnte es bis 2025 geben, in einem ersten Schritt noch nicht ‘durch’ das Stadterweiterungsgebiet. Inoffiziell hört man von Insidern, dass es vor 2025 zu keiner weiteren Flächenwidmung kommen könnte. Geplant wären insgesamt drei Etappen: Viele Grundstücke sind bereits im Besitz z.B. des Wohnfonds.
51 Hektar noch nicht gewidmet

Kritiker der intensiven Verbauung meinen: Der Ortsteil Donaufeld ist laut Hitzekarte der Stadt Wien mit Abstand der größte Hitzepol in Floridsdorf. Der Bedarf an neuen Wohnungen hat massiv nachgelassen, ob die Verbauung der 51 Hektar notwendig ist, ist fraglich. Zuvor sollten alle derzeit freien Gemeindewohnungen genutzt werden. Und andere Flächen: Brachen wie der zentrumsnahe Frachtenbahnhof oder die Überbauung von flachen Supermärkten.

Hauptargument von Befürwortern ist stets, dass das Donaufeld seit 1990 im Stadtentwicklungsplan STEP steht: „Eigentlich traurig“, kommentiert Gabriele Tupy von ‘Freies Donaufeld’, „Politiker dürften ja auch lernfähig sein!“ ‘Freies Donaufeld’ hat sowohl eine Postkartenaktion, wie auch eine Online-Petition gestartet (www.freiesdonaufeld.at). Derzeit hält man bei 3.070 Unterzeichnern. Kernforderung: Donaufeld ins ‚Wiener Immergrün‘ aufzunehmen! So wären die Flächen „für immer als hochwertige Grünräume geschützt“. Lediglich Einrichtungen zur Erholung oder für die Forst- und Landwirtschaft wären dann möglich.

Offen ist zur Zeit das Schicksal der Gärtnerei Bioschanze: Der Pachtvertrag läuft nur noch bis Ende des Jahres (Anm: in einer früheren Version hieß es irrtümlich bis Mitte des Jahres), eine Verlängerung ist unsicher. Tupy: „Wir fordern die Stadtregierung auf, alles zu tun, um den vorbildlichen, Demeter zertifizierten Bio-Betrieb im
Donaufeld zu erhalten! Ziel sollte es sein, mehr solche Betriebe ins Donaufeld zu holen und hochfruchtbare Böden nicht weiter zu
verbauen.“ -Hannes Neumayer

Hier die Pläne für die Verbauung des ersten östlichen Teils:

Projekt Freiraum Donaufeld - erste Etappe der Verbauung. Bild: Arbeitsgruppe Freiraum.
Projekt Freiraum Donaufeld – erste Etappe der Verbauung. Bild: Arbeitsgruppe Freiraum.
Projekt Freiraum Donaufeld - erste Etappe der Verbauung. Bild: Arbeitsgruppe Freiraum.
Projekt Freiraum Donaufeld – erste Etappe der Verbauung. Bild: Arbeitsgruppe Freiraum.
Projekt Freiraum Donaufeld - erste Etappe der Verbauung. Bild: Arbeitsgruppe Freiraum.
Projekt Freiraum Donaufeld – erste Etappe der Verbauung. Bild: Arbeitsgruppe Freiraum.