Als Floridsdorf Brauerei-Hochburg war

842
Postkarte mit Ansichten des Geländes. Fotos: Familienarchiv Mautner Markhof (3), Bezirksmuseum (2).
Postkarte mit Ansichten des Geländes. Fotos: Familienarchiv Mautner Markhof (3), Bezirksmuseum (2).

Gleich drei Ausstellungen in Wiener Bezirksmuseen beschäftigen sich mit der Unternehmens- und Familiengeschichte der Mautner-Markhofs. Neben Simmering und Landstraße natürlich auch Floridsdorf, wo die Familie vor allem für die Geschichte der Prager Straße bis heute bedeutend ist.

1840 übersiedelte mit Adolf Ignaz Mautner Markhof der erste der Famile von Böhmen nach Wien. In Floridsdorf wurde 1864 mit der Hefefabrik eine erste Produktionsstätte angesiedelt. 80 Jahre lang lebte auch ein Zweig der Familie in Floridsdorf und war Teil der Gemeinde.

Stein

Floridsdorf wurde zum dritten Standort der Mautner Markhof Betriebe. 1864 entstand an der Prager Straße 20 eine Presshefe- & Spiritusfabrik, sowie eine Raffinerie, mit Anbindung an die Nordwestbahn. Das Betriebsgelände befand sich zwischen Prager Straße, Gerichtsgasse und Pleitlgasse. „Im Jahr 1872 kaufte Georg I. Heinrich eine Mühle, die im Schichtbetrieb und sieben Tage die Woche in Gang war. Im gleichen Jahr erwarb er das danebenliegende Grundstück (Prager Straße 18), auf dem er gemeinsam mit seinem Schwager Otto Baron von Wächter eine Malzfabrik baute. Sie war die größte ihrer Art in Österreich-Ungarn“, erzählt Gabriele Dorffner vom Floridsdorfer Bezirksmuseum.

An Stelle der abgebrannten Mühle begann Georg I. Heinrich ab 1892 mit dem Bau der „Brauerei zum St. Georg“ und schon im März 1893 konnte das erste Bier zum Ausstoß gebracht werden: das Abzugsbier, das Wiener Lagerbier und ein lichtes hopfenbitteres Bier. 1900 beschäftigte die Brauerei 31 Beamte und 300 Arbeiter. Dorffner: „Gegenüber, in der Prager Straße auf Nr. 31, befand sich die (Fass-)Binderei: Die Transporte zwischen den beiden Betriebsorten wurden mit einem Wagen durchgeführt, der, zum Staunen der Passanten, von zwei Wasserbüffeln gezogen wurde, die bald das Wahrzeichen der Brauerei waren.“

Nach dem ersten Weltkrieg mussten Fabriks-teile nach und nach stillgelegt werden: 1936 auch die Brauerei St. Georg. Die Anlage wurde abgebaut und nach Addis Abeba (Äthiopien) transportiert. In Floridsdorf blieb noch ein Bierdepot, die Eisfabrik und die Druckerei. Während der NS-Zeit befand sich in der ehemaligen Brauerei das KZ-Außenlager Jedlesee, es entstand bei der
Gerichtsgasse am Ende des Zweiten Weltkrieges ein Bunker, der von jüdischen und ungarischen Zwangsarbeitern errichtet wurde.

Was blieb von Mautner Markhof in Floridsdorf? Eine nach der Familie benannte Kleingartenanlage bei der Jedleseer Hopfengasse. Und die beiden historischen Gebäude: Das Mautner Schlössel, in dem heute u.a. das Bezirksmuseum beheimatet ist und schräg gegenüber die ‘Villa’, in der sich heute ein Jugendzentrum befindet. Im Garten gab es einen Hühnerhof, eine Kegelbahn und bis in die 1930er Jahre einen Tennisplatz. Die Kinder der Familie nutzten jedoch meist das gesamte Areal des Betriebes als Spielplatz.
Infos: Ausstellungseröffnung am 19.9., 10:30 Uhr, im Bezirksmuseum Floridsdorf: Mautner Markhof in Floridsdorf. Öffnungszeiten Dienstag, 15 bis 17 Uhr, Sonntag 10 – 12 Uhr. Prager Straße 33, Eintritt frei. www.bezirksmuseum.at