Glück im Hagelsturm-Unglück

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Viel Arbeit gibt es derzeit am Bisamberg für die Winzer. Im Bild: Christ und sein Team.. Bild: Weingut Christ.
Viel Arbeit gibt es derzeit am Bisamberg für die Winzer. Im Bild: Christ und sein Team.. Bild: Weingut Christ.

Trockenheit, heftige Unwetter und zuletzt auch noch Hagel. Auch für die Floridsdorfer Winzer ist es kein leichtes Jahr. Bei unserem Rundruf rechnet man mit bis zu einem Drittel Ausfall. Dennoch scheint die Floridsdorfer Lage noch begünstigt.

Die letzten fünf Jahre waren für Floridsdorfer Winzer überdurchschnittlich gut. „Der Jahrgang 2023 ist speziell und von Trockenheit und Hitze geprägt, dann hat es gerade noch rechtzeitig geregnet. Leider waren wir einmal Hagel ausgesetzt“, erzählt der Jedlersdorfer Winzer Peter Bernreiter. Am späten Abend des 26. August schlug das Unwetter vor allem im südlichen und westlichen Bereich des Bisambergs zu.

Die Stammersdorferin Sabine Helm berichtet von 15 – 20 Prozent Ausfällen: „Zum Glück ist nichts gefault.“ Der Strebersdorfer Ernst Strauch hat das Glück, zwei Drittel seiner Flächen bewässern zu können, aber nach der Hagelnacht „sind 20 bis 30 Prozent der Ernte kaputt. Viele Trauben sind angeschlagen, wir müssen mühsam händisch lesen. Aber es wird trotzdem ein guter Jahrgang.“

Auch für den Jedlersdorfer Winzer und Heurigenbetreiber Rainer Christ war es „ein Jahr mit vielen Wetterkapriolen. Tendenziell sehr trocken, aber es gab immer rechtzeitig ausreichend Niederschlag.“ Er hat am 11. September mit der Ernte begonnen, früher als noch im Sommer geplant. 

Wermutstropen ist ein Mengenminus bis zu einem Drittel am Bisamberg circa bis Höhe Senderparkplatz. Von der Gesamternte macht der Hagelverlust 10% aus. Dazu kommt noch ein Minus von 10% auf den Trauben, die auch weniger Beeren tragen: „Aber der Behang sieht nicht schlecht aus.“

Trotz Hagelschäden sind alle Floridsdorfer Winzer positiv. Christ: „Wir sind noch immer auf der Sonnenseite. Im Vergleich zu anderen Kollegen ist unser Minus lächerlich. Im Kamptal hat es zu Lesebeginn gehagelt – die Hälfte ist ein Totalschaden. Da sind Existenzen betroffen.“ Der 21. Bezirk bekommt von den Unwettern bislang eher nur die  Streifschüsse ab.

Dennoch müssen sich Winzer ernsthaft mit dem Klimawandel befassen. Christ hat einen Versuchsgarten auf einer Fläche von 5.000 m2 eingerichtet. Getestet werden nicht nur verschiedene Rebsorten sondern auch Bodenpflegesysteme: „Die Frage ist: Wie können wir Klimaveränderungen zeitgemäß begleiten? Statt durchschnittlichem Wetter wird es immer mehr Extreme geben: Die Böden müssen für viel Regen und lange Trockenheit fit sein.“

Und wie wird der Wein schmecken? Bernreiter: „Es gibt eine überdurchschnittliche Gradation – fast wie Trockenbeeren. Der Wein wird süßer und schwerer. Aber ich bin kein Orakel.“ Und Christ ergänzt: „Wenn die Welt nicht untergeht, wird es ein gutes Jahr!“
PS: Die Floridsdorfer Winzer sind meist auch Heurigenwirte. Und jetzt beginnt bei Christ, Strauch, Helm & Co. und mit Sonderöffnungszeiten beim Bernreiter die Ganslsaison. -Hannes Neumayer