Grüne fordern Überarbeitung der bisherigen Pläne für das Donaufeld!

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Das Donaufeld vom Donauturm aus gesehen. Bild: DFZ.
Das Donaufeld vom Donauturm aus gesehen. Bild: DFZ.

Die Floridsdorfer Grünen fordern die Überarbeitung der bisherigen Pläne für das Donaufeld! Kernpunkte: das südwestliche Donaufeld (mindestens 10ha Fläche südlich des Ereignisbandes im westlichen Donaufeld) von jeglicher Bebauung freihalten; Erhalt der Bio-Gemüse-Produktion bzw. Artenschutz und Biodiversität – Ausreichend Grünflächen für geschützte Tiere und Pflanzen erhalten. 

„Ökologische Stadtentwicklung soll nachhaltig, klimaschonend und sozial sein! Angesichts von Klimakrise, Corona und der Diskussion um Ernährungssouveränität ist es nötig die bisherigen Ziele der Stadtplanung zu überdenken und den Bodenverbrauch zu minimieren bzw. mittelfristig möglichst umzukehren.“, so die Grünen in einer Aussendung.

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Donaufeld - Skizze der Grünen Pläne. Bild: Grüne Floridsdorf.
Donaufeld – Skizze der Grünen Pläne. Bild: Grüne Floridsdorf.

Überarbeitung der bisherigen Pläne für das Donaufeld!

• Südwestliches Donaufeld (mindestens 10ha Fläche südlich des Ereignisbandes im westlichen Donaufeld) von jeglicher Bebauung freihalten und zusätzlich zum Grünzug (Immergrün), – für Erholung, Landwirtschaft, Nachbarschaftsgärten, Naschgärten, „Gstätten“ erhalten. Einbeziehung von 6 ha im südlichen Grünzug (Immergrün) in diese Nutzung.

• Erhalt der Bio-Gemüse-Produktion (vgl.„Bioschanze“) und Förderung neuer Bio-Landwirtschaft zur Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Lebensmitteln. Dialog mit Grundbesitzer*innen (Bauträger*innen, Wohnfonds Wien, Private) über die Bedingungen von Abtausch/Ablöse von Flächen.

• Dichtere Bebauung(bismax.GFZ3)unmittelbarandenhochrangigenöffentlichenVerkehrsachsen Donaufelder Straße und Dückegasse,als Kompensation dafür, dass das südwestliche Donaufeld von jeglicher Bebauung freigehalten werden kann.

  • UrbaneVerdichtungentlangderdringendnotwendigenQuerverbindungzwischendenZentrender beiden transdanubischen Bezirke Floridsdorf (21) und Donaustadt (22).
  • Vorrangig sozialer Wohnbau, freifinanzierte Projekte nur in notwendigem Ausmaß zur sozialen Durchmischung. Effiziente Maßnahmen gegen die Errichtung von Kapitalanlageobjekten.
  • Weitere Baugruppen.
  • Im Ereignisband nur öffentliche Funktionen mit grünem Charakter, bspw. in Grünraum integrierter, pädagogisch innovativer Schulcampus mit Schulgärten, soziale und kulturelle Projekte, Freiluftbühne(n), grüne Sport- und Erholungsflächen.
  • Integration von Selbstanbauflächen in diewohnungsnahe Grüngestaltung durch Wohnbauträger*innen und Wettbewerbsvorgaben. Bestehende Projekte haben gezeigt, dass das Ankommen und die Integration der neuen Bewohner*innen sowie die gute Nachbarschaft dadurch gefördert wird.
  • Festschreibung von echten Leuchtturmprojekten (Stadtlandwirtschaft, Green Houses, Blue Houses, Vertical Forests, Gemüse am Dach, Schulgärten, …)
  • Artenschutz und Biodiversität – Ausreichend Grünflächen für geschützte Tiere und Pflanzen erhalten. Qualitätssicherung der bereits in Planung befindlichen Baufelder „An der Schanze“
  • Absicherung der Qualitäten,die im Partizipationsprozess und in der Flächenwidmung festgelegt wurden durch aktive Begleitung der Entwicklungsprozesse durch Anrainer*innen und andere Stakeholder*innen: Baumpflanzungen, Straßen- und Platzgestaltungen mit möglichst wenig parkenden Autos, durchdachtes Netz an Fußwegen und Radverbindungen, freie Räume für Kultur
  • Konkretisierung der Stadtwildnis im Quartier an der Schanze

MEHR INFOS: Wie ‘frei’ bleibt das Donaufeld?

Die Begründung der Grünen Forderungen: Über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute bereits in Städten – und der Trend des Wachstums der Stadtbevölkerung hält ungebrochen an, auch in Wien. Für nachhaltige Flächenverbrauchs- und Bodenpolitik eine gute Nachricht, denn urbane Siedlungen brauchen im Vergleich sehr wenig Fläche pro Einwohner*in. In der Stadt werden vier, fünf oder mehr Geschosse gebaut, am Land ein oder zwei. Wohnungen in der Stadt haben keinen Grundverbrauch von 500m2. Einfamilienhäuser am Land schon. Die Stadt ist nicht das Problem, sondern die Lösung für die Versiegelung. Wenn die Stadt nicht in der Stadt wachsen kann, dann wächst sie draußen am Land, in einer Peripherie mit 50-mal mehr Flächenverbrauch, mit einer Erschließung, die mit öffentlichem Verkehr nicht zu bewältigen ist, wo der Autoverkehr (auch der in die Stadt!) massiv zunehmen wird und die Bemühungen der Stadt ersticken, den motorisierten Individualverkehr einzubremsen und zu reduzieren. Bauen in der Stadt verhindern zu wollen fördert den wesentlich größeren Flächenverbrauch in der städtischen Peripherie. Daran ist nichts ökologisch.

Andererseits bringt der besonders fruchtbare Schwemmlandboden im Donaufeld höchste Qualität an gesunden Bio-Lebensmitteln hervor – bei sehr gutem Ertrag. Viele geschützte Tierarten sind auf große unverbaute Flächen als Lebensraum angewiesen – und das unverbaute Donaufeld bietet dringend benötigtes innerstädtisches Kühlpotential.

Paradoxerweise wird gerade der so genannte urbane Raum zur Kernzone der ruralen Konflikte um landwirtschaftlich genutztes Land, wie man es gemeinhin mit ländlichen Gebieten weitab der Stadt verbindet, denn die fruchtbarsten Ackerstandorte mit der kürzesten Distanz zur größten Gruppe der Konsumierenden befinden sich in (peri-)urbanen Lagen. Und genau diese sind von Versiegelung überproportional betroffen, denn sie gelten wenig nach ihrem landwirtschaftlichen Gebrauchswert, dafür sehr viel unter dem Aspekt des monetären Werts am Immobilienmarkt.

Eine umfassende Abwägung muss diese beiden (einander im Grunde widersprechenden) Voraussetzungen berücksichtigen und integrieren. Und gerade diese Abwägung bietet die Chance auf ein innovatives Quartier, das Stadtlandwirtschaft, Nahrungsversorgung und Grünräumen für Naherholung und Artenschutz inkludiert.