Kampf gegen Elterntaxis „bis in die Garderobe“

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Bezirksräte Alexander Polansky und Erwin Toth. Bild: Würth.
Bezirksräte Alexander Polansky und Erwin Toth. Bild: Würth.

Während es in fünf Bezirken innerhalb des Gürtels 2022 keinen einzigen Schulwegunfall gab, liegt Floridsdorf auf dem unrühmlichen drittletzten Platz. Die Grünen fordern deshalb „wirkungsvolle Maßnahmen zur Verkehrssicherheit der Kinder am Schulweg“.

Ein Bezirksvergleich ist aufgrund der unterschiedlichen Einwohnerzahl natürlich mit Vorsicht zu genießen. Dennoch: Dass Donaustadt (12), Favoriten (11) und Floridsdorf (8) in der Auswertung der Statistik Austria negativ abschneiden, ist wenig erfreulich. Die Floridsdorfer Grünen haben in den letzten Wochen viele Eltern befragt: Zu insgesamt zehn Situationen vor Schulen sind bei den Floridsdorfer Grünen gleich mehrfach Beschwerden aus der Bevölkerung eingegangen.

Ein häufig genanntes Problem sind Elterntaxis. Also Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bis zum Schuleingang bringen. Gemeinderätin Heidi Sequenz ist selbst AHS-Lehrerin und bestätigt: „In Wien kommen erfreulicherweise 86% der Schüler nachhaltig mobil zur Schule, also zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese Kinder sind unmittelbar vor der Schule immer wieder höchst gefährlichen Situationen ausgesetzt durch Elterntaxis. Da muss man dringend etwas tun!“

Ein neuralgischer Punkt im 21. Bezirk: Schulkinder müssen die Christine Nöstlinger-Gasse queren, um zur geregelten Kreuzung über die Donaufelder Straße zu kommen. In dieser Sackgasse herrscht aber ein tagtägliches Verkehrschaos. Sogar die Aufdoppelung, die eigentlich eine sichere Querung ermöglichen soll, wird zum Halten mit dem Auto genutzt. „Zwischen den SUVs und anderen Fahrzeugen sind die querenden Volksschulkinder oft nicht zu sehen. Das ist wirklich gefährlich!“, so ein Vater.

Laut den beiden Bezirksräten Alexander Polansky und Erwin Toth (Grüne, Bild) hätten „besorgte Eltern oder sogar ganze Elternvereine beim Bezirksvorsteher vergeblich Verbesserungen und Verkehrskonzepte vorgeschlagen, wie etwa in der Volksschule Prießnitzgasse“.

In Neu Leopoldau sollte sich die Situation mit Schulbeginn gebessert haben: Statt etwa den langen und unangenehmen Weg in die Adolf-Loos-Gasse zu nehmen, gibt es nun im ehemaligen Gaswerk einen neuen Schulcampus. Polansky: „Der große Stress mancher Autofahrer erhöht das Sicherheitsrisiko der Schulkinder enorm.“

Bezirksvorsteher Georg Papai kann die Kritik nicht nachvollziehen: „Wir haben Schulsicherheitsmaßnahmen sogar heuer in den 21. Projekten präsentiert und umgesetzt. Jede Empfehlug der MA46 wurde verwirklicht. Zum Schulstart bekommen alle Erstklassler eine Schulwegkarte und ein Reflektorband.“ Und zwei SPÖ-Bezirksrätinnen hätten in Stammersdorf das Projekt ,Pedibus‘ umgesetzt und bringen Kinder täglich zu Fuß in die Schule: „Das können die Grünen gerne auch machen.“ Nachsatz: „Aber natürlich braucht es etwa am Carminweg weitere Maßnahmen: Manche Eltern wollen ihre Kinder ja bis in die Garderobe chauffieren.“

Die Floridsdorfer Grünen werden in der kommenden Sitzung der Bezirksvertretung am 8. November 2023 einen Schwerpunkt ,Verkehrssicherheit für Kinder‘ setzen. Toth: „Wir werden für die Problemstellen, die uns von Eltern oder Elternvereinen genannt wurden, Anträge einbringen, um die Sicherheit zu erhöhen.“ H.N.