Streifzüge durch Jedlesee, Teil 2

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Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.

Meine lieben „Fluaridsduafa“! Letztes Mal berichtete ich Euch vom Entstehen des Jedleseer „Karolinenhofs“, und heute sollt Ihr seinen weiteren Werdegang nach dem Ersten Weltkrieg erfahren, ebenfalls nach den Aufzeichnungen Franz Nahradas.

Sein Vater, damals „Franz jun.“, war wie sein Bruder heil aus dem Krieg heim gekommen und begab sich alsbald auf ausgiebige Brautschau. In Auersthal schließlich lernte er Adelheid Wernhart kennen, die 1923 seine Frau wurde, und ein Jahr später wurde der 3. Franz, der oben Erwähnte, im Hause geboren.

Stein

Als 1925 nach Abbruch der gegenüberliegenden Militärbaracken die Bauarbeiten an der „Gartenstadt“ (Karl Seitz Hof) begannen, erlebte das Gasthaus eine goldene Zeit. In 3 Schichten mussten täglich 300 hungrige und durstige Arbeiter unter anderem mit Bier aus der Brauerei an der Prager Straße bewirtet werden. Hinzu kam, dass mehrere Vereine den Karolinenhof als ihr Vereinslokal erwählten und der 1. Mai nach dem Aufmarsch alljährlich bis spätabends Treffpunkt der Jedleseer Sozialisten war.

Die Namenspatin Karoline Nahrada verstarb 1929, ihr Gatte Franz sowie auch beider Sohn Franz jun. folgten ihr 6 Jahre später durch 6 Monate getrennt und wurden unter jeweils großer Anteilnahme zu Grabe getragen. Der damals erst 11-jährige Franz konnte damals freilich das Haus nicht führen, und man fand einen Pächter, dem bis 1948 noch weitere folgten.

Franz Nahrada maturierte während des Krieges, wurde zur Luftwaffe geeilt, lernte Fliegen und musste im September 1944 auf Heimaturlaub miterleben, wie der „Karolinenhof“ einen massiven Bombentreffer bekam. Nach der Entlassung aus US-Gefangenschaft absolvierte er die Hotelfachschule und begann danach ein Studium an der Hochschule für Welthandel, das er 1948 abbrach, nachdem er der Misswirtschaft der Pächter nicht mehr zuschauen konnte und den inzwischen wieder aufgebauten Betrieb übernommen hatte.

Zwei Jahre später heiratete Franz die HAK-Absolventin Gertrude Schmidbauer, eine Tischlerstochter. Der Wiederbeginn war wegen inzwischen erwachsener lokaler Konkurrenz und wegen der Nachkriegsnot nicht leicht, doch ab Mitte der 50er Jahre ging es wieder bergauf, das Wirtschaftswunder ermöglichte weitere Ausbauten und auch die Renaissance des Hotelbetriebs. So viel zu unserem seit heuer leider nicht mehr existenten Jedleseer „Karolinenhof“.
Bleibt mir gesund! Euer Gerald Pichowetz